Michael Schnedlitz (FPÖ) hält im Parlament einen Corona-Test in die Höhe.
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Michael Schnedlitz (FPÖ) hält im österreichischen Parlament einen Corona-Test in die Höhe.

Video aus Österreich

Corona-Test positiv durch Cola? Eklat im Parlament wegen skurrilem Politiker-Experiment

  • Robert Märländer
    vonRobert Märländer
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Ein Corona-Test wird beim Kontakt mit Cola positiv: Was beweist der Versuch, den ein österreichischer Politiker öffentlich durchgeführt hat?

  • Im Internet verbreitet sich ein Video aus dem österreichischen Parlament.
  • Angeblich beweist ein FPÖ-Politiker, dass Corona-Test nicht zuverlässig sind.
  • Experten für medizinische Testverfahren haben eine einfache Erklärung für den Effekt.

Wien - „Ich werde jetzt live während meiner Wortmeldung einen Corona-Test durchführen“, kündigt der FPÖ-Politiker Michael Schnedlitz im österreichischen Parlament an. Und so tut er es auch in gewisser Weise. Er hat aber nicht vor, sich selbst zu testen. Der Test ist nicht einmal für eine andere anwesende Person gedacht. Sein ganzer Versuch basiert auf einem Teststreifen und einem Glas mit Cola. Schnedlitz, Generalsekretär seiner Partei, will an diesem Tag keine Corona-Diagnose stellen, sondern das Vertrauen in die Corona-Schnelltests grundsätzlich angreifen. „Wertlos und fehlgeleitet“ nennt er die Massentests, die in Österreich stattfinden.

Corona-Schnelltest mit Cola: Politiker in Österreich will Mediziner widerlegen

Das Video des angeblich positiven Corona-Tests wird nun im Internet weit verbreitet und weckt bei manchen Menschen ernste Zweifel an der Zuverlässigkeit der Schnelltests. „Das ist ein Blödsinn dieser Test, den Sie mit Steuergeld angekauft haben“, ruft der FPÖ-Politiker darin der Regierung entgegen. „Wie wertlos dieser Test ist, werden wir am Ende meiner Rede sehen.“ Es ist zu sehen, wie Schnedlitz am Rednerpult zunächst „handelsübliche Cola“ auf einen Teststreifen aufträgt und später am Ende seiner Rede die Verfärbung zeigt. Auch bei einem tatsächlich positiven Corona-Test würde sich die Farbe ändern.

Im Internet erhält der angebliche Nachweis für die Unzuverlässigkeit der Test auch durch prominente Politiker große Aufmerksamkeit. So teilte Alice Weidel (AfD) das Video auf Facebook. Dazu erklärte sie, der FPÖ-Abgeordnete „beweist“, wie zuverlässig Corona-Tests sind.

Faktencheck: Warum lässt Cola einen Corona-Test positiv aussehen?

Was am Ende wirklich zu sehen ist, erklären Experten für medizinische Testverfahren aber ganz anders. Die Lösung des vermeintlichen Corona-Rätsels ist sogar sehr simpel.

Ein Schnelltest, wie er im österreichischen Parlament mit Cola befeuchtet wurde, reagiert auf Eiweiße, die für das Virus charakteristisch sind. Die Eiweiße des Coronavirus docken an Eiweiße auf dem Teststreifen an, wodurch sich im Normalfall nach 15 bis 30 Minuten eine Verfärbung ergibt. In diesem Fall passierte aber etwas anderes. Da die Cola einen niedrigen ph-Wert hat, also recht sauer ist, hat die Säure die Eiweiße auf dem Teststreifen zerstört. Rein optisch ergibt sich dadurch der Eindruck eines positiven Corona-Tests.

Experten geben Entwarnung für Corona-Tests - solange „Patient nicht mit Cola die Nase spült“

„Durch das Zersetzen entstehen viele Bindungsstellen für die Farbpartikel im Test, und die Streifen werden sichtbar“, erklärt Christoph Pedain, Leiter des Bereichs für patientennahe Diagnostik bei Siemens Healthineers. Für die Test-Praxis bei Menschen habe das allerdings keine Relevanz, „solange man keinen Patienten hat, der sich vorher mit Cola die Nase gespült hat.“

Österreich will im Januar die Corona-Massentests fortsetzen, während andernorts bereits Impfungen stattfinden. Allerdings liefen die Versuche mit einem Corona-Impfstoff in Großbritannien nicht ohne Komplikationen ab. (rm mit dpa)

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