Frank Plasberg führt durch die Sendung „hart aber fair“
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Frank Plasberg führt durch die Sendung

„hart aber fair“ zum Impf-Desaster

Harter Impf-Streit: Plasberg überrascht mit Corona-Lob für Trump - während bei Merkels GroKo „die Hütte brennt“

Alle impfen, bloß die EU nicht? Plasberg geht dem Impf-Desaster auf den Grund und der Frage nach: Wie kann Deutschland den Lieferstau lösen? 

  • Thema des Plasberg-Sonder-Talks: „Rettung nur tröpfchenweise – bekommt Deutschland zu wenig Impfstoff?“
  • In Israel sind bereits 14,1 Prozent der Bevölkerung geimpft, in GB und den USA immerhin schon 1,4 Prozent. Mickriges Ergebnis in Deutschland: 0,3 Prozent.
  • Lauterbach plädiert für einmaliges Impfen, um mehr Menschen zu erreichen

„hart aber fair“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Peter Liese (CDU) - Gesundheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im EU-Parlament
  • Karl Lauterbach (SPD) - Mitglied des Bundestages
  • Volker Wissing (FDP) - Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz, zugeschaltet aus Mainz
  • Markus Feldenkirchen - Journalist, unter anderem Der Spiegel
  • Christina Berndt - Wissenschaftsredakteurin bei der Süddeutschen Zeitung

Köln - Die Corona-Lage in Deutschland ist ernst - kurz vor dem Corona-Gipfel am Dienstag unterbrachen die ARD und Frank Plasberg die Talkshow-Winterpause und schoben eine Sondersendung zum derzeitigen „Impf-Chaos“ ins Programm. Die Bundesregierung, die den europäischen Weg beim Impfen gewählt hat, steht in der Kritik.

Unterschiedliche Impfstoffe und Hersteller in mehreren Ländern mit unterschiedlichen Zulassungen, dazu verschiedene Wirkmethoden und - vor allem - unterschiedliche Preise pro Impfdosis. Außerdem eine gespaltene Bevölkerung, die zum Teil nach Impfstoff giert - auf der anderen Seite Impfung aus Prinzip ablehnt. Und die Verpflichtung, als Europäische Union an einem Strang zu ziehen: Für die Politik offensichtlich kein Leichtes, den richtigen Weg zu wählen.

Impfstreit bei „Hart aber fair“ (ARD): Hat die EU auf die falschen Hersteller gesetzt?

Journalist Markus Feldenkirchen fasst schon zu Beginn der Sendung zusammen: Der europäischen Ansatz sei grundsätzlich erstmal richtig gewesen - insbesondere, also zu tragen, dass sich die Länder sich nicht gegeneinander ausspielen. Doch die Kritik folgt: Dann aber sei schlichtweg schlecht und mit den falschen Herstellern verhandelt worden.

Feldenkirchen kritisiert: Statt auf die zwei „Front-Runner“ - die RNA-Impfstoff-Hersteller Pfizer/Biontech und Moderna - zu setzen, die im Sommer schon mit positiven Zwischenergebnissen und in der Entwicklung weit vorn lagen (und zumindest im Fall von Moderna auch keine kostenintensiven Kühlketten notwendig machen), habe die EU auf den Impfstoff von AstraZeneca gesetzt - bislang noch nicht auf dem Markt - und auf den französischen Hersteller Sanofi - ein „Rohrkrepierer“ wie Plasberg nüchtern kommentiert.

Die SZ-Kollegin aus dem Wissenschaftsressort, Christina Berndt, ergänzt, die EU habe auf den Oxford-Impfstoff gesetzt, der im Sommer noch als wegweisend galt, aber leider nicht so schnell wurde, wie die Produkte der Konkurrenz. Berndt stellt klar: Europa habe nicht zu wenig gekauft - wie es jetzt immer hieße - sondern bei den falschen Anbietern!

Corona-Impfung: „Skandalöse Ergebnisse einer sorgfaltswidrigen Politik“ - FDP-Mann urteilt bei Plasberg hart

Plasberg fragt in die Runde: Wenn wir nicht wussten, welcher Impfstoff das Rennen macht, wieso haben wir dann nicht bei allen eingekauft? Und alles weiterverkauft, was wir am Ende nicht benötigen? Kostenpunkt - laut Einspieler - 10 Mrd. Euro.

FDP-Generalsekretär Volker Wissing hat das Wort und bohrt fast genüsslich in der Wunde: Es hätten offensichtlich auf europäischer Ebene „nationale Partikularinteressen dazu geführt, dass wir jetzt alle gleich schlecht versorgt sind“, schimpft er. Mit dem „europäischen Weg“ habe man Europa einen Bärendienst erwiesen. Wissings vernichtendes Urteil: „Das sind skandalöse Ergebnisse einer offensichtlich sorgfaltswidrigen Politik! Das ist eine Katastrophe!“

Der Liberale weiter: Nun müsse das Land zusehen, „wie ein Impfstoff, der in Deutschland entwickelt und hergestellt wurde, in den USA, in Israel, in Großbritannien verimpft wird, während wir mit einer Unterversorgung der Bevölkerung leben müssen!“

Donald Trump als Dealmaker? Plasberg lobt US-Präsidenten

Da überrascht der Moderator: Plasberg bringt ausgerechnet den scheidenden US-Präsidenten Donald Trump als potenten Dealmaker ins Feld führt. Einspieler-O-Ton: „Donald Trump hatte schon im Sommer Verträge geschlossen und sich so mehr als eine Milliarde Impfdosen gesichert.“

SPD-Experte Karl Lauterbach bestätigt: „Europa hatte für die Vorverträge nur zwei Milliarden Euro zur Verfügung“, berichtet er. „Das war viel zu wenig. Trump hatte zum gleichen Zeitpunkt zwölf Milliarden Dollar eingesetzt!“ Plasberg lässt es sich nicht nehmen, die Runde mit der Frage zu provozieren: „Was können eigentlich Donald Trump, Boris Johnson und Benjamin Netanjahu besser als Ursula von der Leyen und vielleicht auch unsere Regierung?“.

Der einzige, der sich traut, Kritik zu äußern, ist EU-Politiker Liese. Er fängt sich damit einen süffisanten Konter von Plasberg: „Er hat hier den schweren Stand, als einziger in der Runde EU-Politik zu verteidigen“, sagt der Moderator mit Blick auf Lieses Einwand. Der bringt ein weiteres Problem ins Spiel: Die Haftungsausschlüsse von Pfizer. Der US-Pharmakonzern hatte angekündigt, für Fehlentwicklungen während der Impfprozesse nicht haften zu wollen. Daraufhin hätten Grüne und Linke den Einkauf des Impfstoffes im EU-Parlament erstmal abgelehnt.

Corona-Impfung in der Kritik: Merkels GroKo in Schwierigkeiten - „Das zeigt, wie sehr die Hütte brennt“

Plasberg wiegelt beim Thema EU-Streitigkeiten ab und lenkt den Fokus auf den deutschen Regierungszoff: „Es gibt einen Fragenkatalog von Scholz an Spahn, im Tonfall leicht inquisitorisch. Ein Minister einer Regierung schickt einem anderen Minister einen Fragenkatalog!“

Der zugeschaltete Wissing gießt Öl ins Feuer: „Herr Spahn wollte offensichtlich mehr Impfstoff beschaffen, mit einer Allianz von einzelnen europäischen Staaten. Die Kanzlerin soll das nicht gewollt haben.“ Feldenkirchen heizt weiter an: „Ein Fragenkatalog vom Vizekanzler an den Gesundheitsminister! An der Kanzlerin vorbei! Die Harmonie in der Koalition ist offenbar vorbei.“ Die SZ-Kollegin zieht das Fazit: „Das zeigt, wie sehr die Hütte brennt!“

Da schaltet sich Lauterbach energisch ein: „Einen Koalitionskrach darf es auf keinen Fall geben“, fordert er. Die nächsten drei Monate werden mit großem Abstand die schwersten der Pandemie sein“, warnt der SPD-Experte. „Da müssen wir zusammenhalten!“

„hart aber fair“: „Gestreckte“ Corona-Impfung könnte den Impfstau kurzfristig auflösen

Plasberg leitet zum nächsten Thema über - Lauterbach darf reden. Der rückt die englische Impf-Strategie in den Fokus, die zweite Dosis nicht schon drei, sondern erst zwölf Wochen nach der ersten zu spritzen. Er rechnet vor: „Dann hätten wir jetzt für die kritischen drei Monate doppelt so viel Impfstoff. Der würde uns zwar dann im April, Mai, Juni fehlen, aber bis dahin kommen ja andere Impfstoffe dazu.“

„Nach der ersten Impfung ist der Impfschutz schon zu 90 Prozent da“, bestätigt die SZ-Journalistin Berndt. Aber maximal bis zu drei Monate - dann muss die zweite Impfung kommen! Plasberg will wissen: Geht das denn so einfach? Können Auflagen, können Zulassung geändert werden? „Ja“, sagt Wissing, „das geht“. Und verrät: Diese und zehn weitere Änderungen seien schon in der Mache. So sollen auch die Biontech-Impfungen aktuell von fünf auf sechs Impfungen pro Ampulle gestreckt werden.

Plasberg verabschiedet sich trocken: „Wir hoffen auf den Sommer“.

„Hart aber fair“-Sondersendung zur Corona-Impfung: Das Fazit

Rasantes Tempo der Sendung für die rasant zusammengetrommelte Truppe. Viele Fakten, Hintergründe und klare Kritik. Für den Zuschauer brachte der Sonder-Talk einen guten Überblick zur derzeitigen Lage und womöglich einen - wenn auch kleinen - Lichtblick: Es wird derzeit alles getan, um die Fehler der letzten Monate schnellstmöglich zu korrigieren. So sagen es zumindest die handelnden Politiker.

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