Corona-Medikamente

Widerstand gegen Trump kommt einen US-Arzt teuer zu stehen

  • Daniel Dillmann
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Donald Trump erklärte ein Malaria-Medikament zum Wundermittel im Kampf gegen Corona. Widerspruch kostet einen Arzt der US-Regierung nun seinen Job.

  • Donald Trump* im Kampf gegen das Coronavirus*
  • Streit im Weißen Haus zwischen Trump-Vertrauten und Experten
  • Umstrittenes Heilmittel gegen Corona: Hydroxychloroquin

Update, 23.04.2020, 10.40 Uhr: Wer Donald Trump zu widersprechen wagt, hat meistens schlechte Karten. So ergeht es jetzt auch einem hochrangigen Arzt der US-Regierung. Rick Bright behauptet, er sei entlassen worden, nachdem er sich Trumps Vorstoß widersetzt hatte, Hydroxychloroquin zur Behandlung zu verwenden – ein Malaria-Medikament, das Trump und dessen Lieblingssender Fox News wiederholt als mögliches Wundermittel gegen das Coronavirus beworben hatten.

Der Direktor einer dem US-Gesundheitsministerium untergeordneten Behörde schrieb in einer Stellungnahme, er sei gegen seinen Willen auf eine weniger einflussreiche Stelle in einer anderen Behörde versetzt worden. Er sei überzeugt, dies sei geschehen, weil er darauf bestanden habe, die vom US-Kongress bereitgestellten Mittel in der Corona-Krise in sichere und wissenschaftlich geprüfte Lösungen zu investieren - und nicht in Medikamente, Impfstoffe und andere Technologien, deren Nutzen wissenschaftlich umstritten sei. 

Bright hatte bislang in den USA eine Behörde für biomedizinische Forschung und Entwicklung geleitet, die auch in die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus involviert ist. Er melde sich öffentlich zu Wort, „weil zur Bekämpfung dieses tödlichen Virus die Wissenschaft den Weg weisen muss - nicht Politik oder Vetternwirtschaft“. Bright erhob schwere Vorwürfe: „Mich mitten in dieser Pandemie aus dem Weg zu räumen und Politik und Vetternwirtschaft vor die Wissenschaft zu stellen, gefährdet Leben und behindert die nationalen Bemühungen, diese drängende Krise der öffentlichen Gesundheit sicher und effektiv anzugehen.“ 

Corona in USA: Von Donald Trump empfohlenes Malaria-Medikament schadet bei Covid-19

Update, 22.04.2020, 12.29 Uhr: Das von US-Präsident Donald Trump als Corona-Heilmittel angepriesene Malaria-Medikament Hydroxychloroquin ist nicht wirksam in der Behandlung von Corona-Patienten. Das geht aus einer am Dienstag (21.04.2020) in vorläufiger Form veröffentlichten Studie hervor, für die Wissenschaftler die Krankenakten von 368 Patienten in US-Hospitälern für Militärveteranen ausgewertet haben. 

Sie ergab, dass Corona-Patienten mit Hydroxychloroquin-Behandlung nicht weniger oft an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden mussten als andere Patienten. Selbst unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Ausgangssituationen der Patienten sei die Sterberate bei mit dem Malaria-Medikament behandelten Patienten signifikant höher als bei einer Behandlung ohne dieses Medikament.

Angesprochen auf die Ergebnisse der Hydroxychloroquin-Studie sagte Donald Trump bei seinem täglichen Pressetermin zu der Corona-Krise in den USA: „Ich kenne den Bericht nicht.“ In seiner typischen Manier wich er der Frage aus: „Offensichtlich gab es einige sehr gute Berichte, und vielleicht ist dieser kein guter Bericht – aber wir werden ihn uns ansehen.“

Hydroxychloroquin wird als eines von mehreren Medikamenten derzeit auch im Rahmen einer klinischen Studie mehrerer europäischer Länder namens „Discovery“ als Mittel gegen Covid-19 getestet.

Donald Trump gegen Anthony Fauci: US-Präsident heizt Konflikt über Twitter an

Update, 13.04.2020, 16:20 Uhr: Der Konflikt zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Berater in der Corona-Krise, Anthony Fauci, schien von Beginn an unausweichlich – und spitzt sich nun wohl zu.

Nachdem Fauci Fehler der US-Regierung in der Anfangsphase der Bekämpfung der Corona-Pandemie gegenüber CNN eingeräumt hatte, retweetete Donald Trump am Ostersonntag den Tweet einer republikanischen Parteikollegin. In dem geschrieben stand: „Time to #FireFauci“ (Zeit, Fauci zu entlassen).

In der amerikanischen Bevölkerung genießt Fauci hohes Ansehen. Laut einer Umfrage der Quinnipiac Universität halten 78 % der US-Amerikanerinnen und -amerikaner seine Arbeit beim Umgang mit der Corona-Pandemie für gut. Bei Donald Trump sind nur 46 % dieser Ansicht.

Erstmeldung

USA – Die Wirksamkeit des Medikaments Hydroxychloroquin im Einsatz gegen das Coronavirus sorgt in den USA weiter für Zündstoff. Die eine Gruppe sieht in dem Wirkstoff, der hauptsächlich zur Vorbeuge und Behandlung von Malaria-Erkrankungen eingesetzt wird, das Heilmittel schlechthin.

Diese Gruppe hat gleich mehrere prominente Vertreter. Die wohl bekanntesten Personen sind:

  • Sean Hannity. Der Fox News Kommentator hatte vor kurzem den New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo attackiert, weil der sich weigerte, die Vorschriften bei der Verschreibung von Hydroxychloroquin im Bundesstaat New York zu lockern.
  • Rudy Giuliani, ehemaliger Bürgermeister von New York. Der Ex-Anwalt von Donald Trump hatte in einem Tweet behauptet, Hydroxychloroquin sei „100 % effektiv bei der Behandlung des Coronavirus‘“. Twitter löschte den Tweet und sperrte Giulianis Account zeitweise.
  • Donald Trump höchstpersönlich. Der US Präsident behauptete zeitweise, die Arzneimittelbehörde der USA (FDA) habe die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin erfolgreich getestet. Unmittelbar danach widersprach ein offizielles Statement der FDA dieser Behauptung.

Heilmittel gegen Coronavirus: US-Experten sind skeptisch

Auf der anderen Seite stehen zahlreiche Experten und Wissenschaftler, die immer wieder betonen, dass eine Wirksamkeit von Hydroxychloroquin gegen das Coronavirus längst nicht nachgewiesen sei.

Allen voran Anthony Fauci. Der oberste Immunologe der Vereinigten Staaten und Berater der Trump-Regierung im Kampf gegen die Corona-Pandemie hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach betont, dass er große Zweifel an der Wirksamkeit des Medikaments beim Einsatz gegen das Coronavirus habe. Fauci und andere Stimmen aus Wissenschaft und Forschung haben in der Vergangenheit mehrfach Vorsicht beim Umgang mit Hydroxychloroquin angemahnt. „Nur weil ein Medikament in einem Labor oder in einer Petrischale eine Wirkung zeigt, heißt das noch lange nicht, dass es beim Menschen unter den aktuellen Bedingungen eingesetzt werden kann“, fasste Dr. Patrice Harris, Präsidentin der Ärztevereinigung American Medical Association, in einem Interview mit dem US-amerikanischen Fernsehsender CNN die Bedenken der Fachleute zusammen. Harris warnte eindringlich vor Nebeneffekten des Medikaments.

Donald Trump preist Medikament als Heilmittel gegen Coronavirus an

All das hält Donald Trump nicht davon ab, Hydroxychloroquin weiter als Wunderheilmittel gegen das Coronavirus zu preisen. Bei mehreren Gelegenheiten empfahl der US-Präsident einen Einsatz des Medikaments und gab bekannt, dass die Bundesregierung zurzeit fast 30 Millionen Pillen mit dem Wirkstoff kaufen und horten würde. Er sei zwar kein Doktor, sagte Trump, aber er habe ein gutes Gefühl bei der Sache. „Außerdem: Was haben sie zu verlieren?“ fragte Trump in Richtung seiner mit dem Coronavirus infizierten Landsleute.

Die Frage beantwortete Dr. Harris in ihrem Gespräch mit CNN: „Sie haben ihr Leben zu verlieren.“ Nach Trumps erstem Statement zu der angeblichen Wirksamkeit von Hydroxychloroquin gegen das Coronavirus kam es in Nigeria zu Hamsterkäufen des Medikaments. Kurz darauf wurden in Lagos drei Personen mit einer Vergiftung infolge einer Überdosis mit Hydroxychloroquin ins Krankenhaus eingeliefert. Laut eines Berichts der New York Times war Ende März ein Mann in Arizona gestorben, nachdem er und seine Frau einen Aquariumszusatz geschluckt hatten, der ebenfalls Hydroxychloroquin enthält. Das Ehepaar hätte dies getan, um sich vor dem Coronavirus zu schützen, schreibt die US-Zeitung. Die Frau überlebte nur knapp.

Streit in der Corona Taskforce zwischen Trump-Vertrauten und Anthony Fauci

Doch auch diese Nachrichten bewirkten bei Donald Trump bislang kein Umdenken. Während der US-Präsident weiter in aller Öffentlichkeit seinem eigenen Berater widerspricht, erledigt das hinter verschlossenen einer seiner Vertrauten. Laut eines Berichts des Nachrichtenportals „Axios“ soll es am Wochenende im „Situation Room“ des Weißen Hauses zur Auseinandersetzung zwischen Dr. Anthony Fauci und Peter Navarro gekommen sein. Die Nachrichtenseite schreibt von einem „epischen Streit“. Navarro ist Direktor für Handel- und Industriepolitik, außerdem Berater Donald Trumps und er gilt als enger Vertrauter des Präsidenten.

Laut Axios soll Navarro während des Meetings der Taskforce gegen das Coronavirus unter der Leitung von Vize-Präsident Mike Pence* den anderen Anwesenden einen Stapel voller Akten präsentiert haben, die angeblich die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin beweisen würden. Fauci habe sich irritiert gezeigt und laut einer CNN-Quelle Navarro gefragt: „Wovon reden Sie da?“

Mike Pence und Jared Kushner mischen sich ein

Navarro fühlte sich von der Frage offenbar provoziert und soll dem Experten Fauci daraufhin lautstark mehrere Vorwürfe gemacht haben. Sowohl Vizepräsident Pence als auch Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner* sollen während des Meetings versucht haben, Navarro zu beruhigen.

Es soll sich laut dem Axios Report um den ersten großen Streit in der Coronavirus-Taskforce der US-Regierung gehandelt haben. Und auch wenn Navarro als impulsiver Charakter gilt, der gerne einmal laut wird, ist der widersprüchliche Umgang mit dem Thema Hydroxychloroquin ein Paradebeispiel für den tiefen Spalt, der sich innerhalb der US-Administration zwischen den Experten auf der einen und den populistischen Kräften auf der anderen Seite aufgetan hat. Trump hat bislang kein Geheimnis aus der Tatsache gemacht, auf wessen Seite er steht.

von Daniel Dillmann

Scharfmacher Donald Trump: US-Präsident stachelt Anhänger zum Kampf gegen Schutzmaßnahmen an

Die USA sind inzwischen das am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land der Welt. Präsident Donald Trump nutzt das Virus im Wahlkampf.

US-Präsident Trump will wieder regelmäßige Pressekonferenzen* zum Stand der Corona-Krise in den USA abhalten. Doch davon weiß sein Pandemie-Berater Fauci nur vom Hörensagen.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © AFP

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