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Impf-Desaster für Lauterbach? Zuletzt mehr als 100.000 Dosen „vernichtet“ - ein Ausweg scheint (fast) verbaut

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Von: Florian Naumann

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Karl Lauterbach (SPD) bei der Auftaktveranstaltung der „ImpfenHilft“-Tour (Archivbild).
Karl Lauterbach (SPD) bei der Auftaktveranstaltung der „ImpfenHilft“-Tour (Archivbild). © IMAGO / Political-Moments

Die deutsche Impfkampagne lahmt. Zuletzt sind bereits mehr als 100.000 Impfdosen vernichtet worden - und auch andere Länder wollen kaum Vakzine abnehmen.

Berlin - Die deutsche Impfkampagne scheint von einem Schlamassel ins nächste zu taumeln: Nach zu wenig Impfstoff zu Beginn der Corona-Pandemie scheint es nun zu viel davon zu geben. Erst am Samstag hatte die Union Karl Lauterbach (SPD) einen „Einkaufsrausch“ bei Corona-Impfstoffen* attestiert. Jetzt wird aus seinem Gesundheitsministerium* bekannt: In „nicht wenigen Fällen“ werden Vakzine vernichtet.

Die geringe Nachfrage nach Impfungen ist dabei im Kleinen wie im Großen ein Problem. Die Hausärzte mahnen nun „vorausschauendes“ Handeln ein - auch in Form eines schon lange debattierten Schritts: über die Abgabe von Impfstoffen an andere Länder.

Corona: Lauterbach vor wachsendem Impfstoff-Problem? Zuletzt über 100.000 Dosen vernichtet

Klar ist: Die erst unter der Ampel-Koalition* neu gestartete Impfkampagne in Deutschland lahmt. Am Freitag (8. April) waren ganze 38.000 Dosen verabreicht worden. „Karl Lauterbach sitzt momentan auf einem gigantischen Berg von 70 Millionen Impfdosen“, sagte CDU-Gesundheitsexperte Tino Sorge am Samstag. Er berief sich auf die Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage aus der Unions-Fraktion - das Papier liegt Merkur.de* vor.

„Allein bis Ende Juni erreichen laut BMG über 11 Millionen Dosen das Verfallsdatum, im dritten Quartal weitere 57 Millionen Dosen“, warnte der CDU-Abgeordnete Georg Kippels noch konkreter. Doch das Problem ist der Ministeriums-Auskunft zufolge auch jetzt schon virulent. Von Anfang Dezember bis Ende Februar wurden nach Ministeriumsangaben von Großhandel und Apotheken allein 100.000 Dosen „Spikevax“ von Moderna* vernichtet. Weitere gut 25.000 Dosen anderer Anbieter - überwiegend von Biontech - kamen hinzu.

Im Zentrallager des Bundes wurden rund 1200 Impfstoffe „vernichtet“. Als einen der Gründe nannte das Ministerium „das erreichte Verfallsdatum“. Allerdings gibt es auch andere Ursachen: „Bruch bei Kommissionierung, Beschädigungen beim Transport (z. B. Erschütterungen, Unfälle)“ oder „Flüssigkeitsverluste“.

Corona-Impfkampagne stockt: Hausärzte fordern nun eine Reaktion

Der Welt berichtete das Haus wenig später aber auch von Problemen der Hausärzte: Die Impfstoffe seien weiterhin nur in Mehrdosenbehältnissen verfügbar, die bei Anbruch gemäß Zulassung nur wenige Stunden haltbar seien. „Bei der derzeitigen Geschwindigkeit der Impfkampagne ist nicht davon auszugehen, dass sich vor Ort in jedem Fall eine hinreichende Anzahl zu impfender Personen findet, um die in einem Mehrdosenbehältnis verfügbaren Impfdosen in Gänze aufzubrauchen“, hieß es.

Der Deutsche Hausärzteverband sprach sich dafür aus, Impfstoff „vorausschauend“ an Drittländer mit aktuellem Bedarf abzugeben. „Aktuell sehen wir leider sehr wenig Nachfrage nach Impfterminen“, sagt der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt der Welt. Es müsse deswegen alles dafür getan werden, „dass so wenig Impfstoff wie möglich abläuft und am Ende vernichtet werden muss“, forderte er.

Eine Variante ist das globale Impfprogramm Covax. Mehrere Bundestagsfraktionen hatten schon Anfang 2021 auf Anfrage von Merkur.de* mehr deutsche Unterstützung für Covax gefordert - und vor Gefahr durch neue Virusvarianten in Ländern mit Impfstoffmangel gewarnt. 106 Millionen Dosen gingen nach aktuellen Angaben bis 21. März aus Deutschland an das Programm.

Corona-Impfungen: Hausärzte fordern Abgabe an andere Länder - doch auch dort lahmt die Nachfrage

Eine andere Option ist die direkte Abgabe an andere Länder. Auch zu dieser Frage hatte sich das Gesundheitsministerium in der Antwort auf die Kleine Anfrage geäußert: „Deutschland gibt kontinuierlich Impfstoffe ab, die für die nationale Versorgung nicht mehr benötigt werden“, hieß es darin. Zugleich ließ das Ressort in vorsichtig gesetzten Worten durchblicken, dass die Nachfrage auch hier begrenzt ist. „Da die internationale Versorgungslage mit Impfstoffen derzeit sehr gut ist, reguliert auch dieser Faktor die Menge der abzugebenden Impfdosen und determiniert die Auswahl möglicher bilateraler Empfänger.“

Sorge drohte Minister Karl Lauterbach* mit unangenehmen Debatten: „In einer Zeit angespannter Haushaltsberatungen wird er auch Rechenschaft darüber ablegen müssen, welche Kosten dem Bundeshaushalt durch seine unnötigen Bestellungen entstanden sind“, sagte er. Wie viel die Impfstoffe im Detail gekostet haben, ist indes unklar: „Angaben über den Preis der Impfstoffe unterliegen dem Schutz der Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse“, erklärte das Ministerium.

So oder so will die Ampel nun die Impfkampagne noch einmal stärken: Nach dem wohl finalen Aus für die Impfpflicht wird sie wohl zum neuen Hauptfokus der Bundesregierung* gehören. (fn mit Material von dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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