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500 Corona-Tote am Tag? Lauterbach gerät mit ZDF-Äußerung scharf in die Kritik - „Wird zum Angstminister“

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Von: Stephanie Munk

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Sollte Deutschland seine Corona-Maßnahmen deutlich lockern, drohen bis zu 500 Tote am Tag, warnte Gesundheitsminister Lauterbach im ZDF. Jetzt hagelt es Kritik - sogar vom deutschen Ethikrat.

Berlin - Gesundheitsminister Karl Lauterbach muss wegen einer Aussage am Dienstagabend im ZDF viel Kritik einstecken. Der SPD-Politiker wurde von Moderatorin Marietta Slomka zu weitreichenden Corona-Lockerungen in Israel befragt - ob dies nicht ein Vorbild für Deutschland sein könne? Lauterbach sagte darauf, er habe „sich das mal ausgerechnet“ und man komme auf „eine Quote von 400 bis 500 Menschen, die pro Tag in Deutschland sterben würden, wenn wir diese Öffnungen so machen würden“. „Ich mag mir einfach gar nicht vorstellen, dass wir in so einer Situation wären“, so der Gesundheitsminister. Am Mittwoch (9. Februar) hatte das Robert-Koch-Institut 272 Tote gemeldet, am Dienstag 177.

Lauterbach hat sich „das mal ausgerechnet“ - diese Formulierung wirft im Nachhinein Fragen auf: Handelt es sich um eine private Rechnung des Ministers oder um offizielle Daten und Modellierungen? Auf Nachfrage von ZDFheute.de wollten das Bundesgesundheitsministerium und das Robert-Koch-Institut keine Angaben machen, auf welchen exakten Daten und Annahmen die Berechnungen des Ministers basieren.

Kritik an Lauterbachs Corona-Prognose: „Bedrohungsszenarien ins Blaue hinein“

Ethikratsmitglied Stephan Rixen kritisiert deshalb die Aussage Lauterbachs deutlich: „Bedrohungsszenarien ins Blaue können hinein Grundrechtsbeschränkungen nicht rechtfertigen“, sagte er dem Portal ZDFheute.de. „Grundrechtseingriffe müssen sich auf nachvollziehbare Prognosen zur weiteren Entwicklung der Pandemie stützen. Wenn nicht klar ist, wie die Zahl der Menschen, die wahrscheinlich wegen Lockerungen versterben, zustande gekommen ist, dann ist auch nicht klar, wieso Freiheitsbeschränkungen weiterhin geboten sein sollen.“ Hamburgs CDU-Vorsitzender Christoph Ploß nannte Lauterbach gegenüber Bild als Reaktion auf das Interview einen „Angstminister“.

Karl Lauterbach wegen Corona-Aussage in Kritik: Gesundheitsminister verteidigt sich

Lauterbach verteidigte sich gegen den Vorwurf, er hätte mit seiner Aussage im ZDF Panik geschürt. Auf Twitter schrieb der Gesundheitsminister: „Wie stark heute protestiert wird, wenn man das nicht gerne gehörte, aber offensichtliche, sagt.“ Würde die Inzidenz deutlich steigen, hätte man deutlich mehr Tote, so Lauterbach weiter. „Gibt man Werte in RKI Modell ein, zeigt sich das sofort. Omicron Wunschenken hilft nicht.“

Über einen Sprecher konterte Lauterbach am Donnerstag außerdem: „Die Modellierungen des RKI zeigen deutlich, dass rasant steigende Inzidenzen auch die Zahl der täglich zu beklagenden Todesfälle ansteigen lässt.“ Dies sei die Grundlage für die Aussage Lauterbachs gewesen.

Lauterbach zu Corona-Toten: Unter diesen Umständen könnte Drohung wahr werden

Thorsten Lehr, Leiter des Covid-19-Simulators an der Universität des Saarlands, teilte ZDFheute.de mit, dass 500 Corona-Tote pro Tag unter bestimmten Bedingungen möglich seien: „Nach unseren Simulationen sind 400 bis 500 Tote pro Tag im 7-Tage-Schnitt möglich, falls die Inzidenzen im Peak über 3.500 bis 4.000 liegen.“ Aktuell liegt die Inzidenz laut RKI bei rund 1450, Tendenz steigend.

Israel hat angesichts der milderen Omikron-Variante des Coronavirus Beschränkungen weitgehend gelockert, steht nun aber vor einem Problem: Die Krankenhäuser sind plötzlich wieder voll mit schwerkranken Patienten. Um Todesfälle und schwere Corona-Verläufe zu verhindern, soll in Deutschland die Corona-Impfpflicht kommen - doch einige Bundesländer scheren aus. Vor allem Bayerns Ministerpräsident Söder schlägt Haken und kassiert harte Schelte vom Bund. (dpa/smu)

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