Corona-Protest-Partei „Die Basis“

Nach „#allesdichtmachen“: „Babylon Berlin“-Star Volker Bruch wohl mit Mitgliedsantrag bei Querdenker-Partei

  • Anna-Katharina Ahnefeld
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Die Kampagne „#allesdichtmachen“ sorgte in Deutschland für Furore. Ein Medienbericht rückt „Babylon Berlin“-Star Volker Bruch in die Nähe der Corona-Protest-Partei „Die Basis“.

Berlin - Die Kampagne „#allesdichtmachen“ von rund 50 deutschen Schauspieler:innen sorgte für Aufmerksamkeit - vor allem negativer Natur. Als einer der Initiatoren des kontroversen Corona-Politik-Protests gilt der „Babylon Berlin“-Star Volker Bruch, wie unter anderem das NDR-Magazin „Zapp“ berichtete. Nach dem Sturm der Entrüstung distanzierten sich zahlreiche Teilnehmende von jeglicher Nähe zu der sogenannten „Querdenker“-Bewegung. Doch wie netzpolitik.org recherchierte, stellte Bruch, der in dem Serien-Epos „Babylon Berlin“ den Kriminalkommissar Gereon Rath spielt, einen Aufnahmeantrag für die Corona-Protest-Partei „Die Basis“.

Die Nachrichten-Website befasst sich nach eigenen Angaben mit digitalen Freiheitsrechten und Fragestellungen zu Politik, Internet und Gesellschaft. Wie netzpolitik.org schreibt, konnte das Medium Dokumente einsehen, die belegten, dass der Schauspieler einen entsprechenden Antrag an „Die Basis“ gestellt habe und das Verfahren noch laufe. Auch andere deutsche Medien berichten mit Verweis auf die Nachrichten-Website über den Vorfall. Das ist unter anderem in dem Zusammenhang brisant, als dass bisher die Nähe zu sogenannten „Querdenkern“ seitens der „#allesdichtmachen“-Kampagne bestritten wurde. Die Ambition Bruchs, Teil der Corona-Protest-Partei zu werden, würde einen weiteren Schatten auf die umstrittene Aktion innerhalb der deutschen Schauspieler:innenbranche werfen. Deren Nachwehen noch immer andauern.

„#allesdichtmachen“-Kampagne: Offenbar stellte „Babylon Berlin“-Star Volker Bruch Antrag an „Querdenker“-Partei

Die Corona-Protest-Partei „Die Basis“ wurde im Juli 2020 gegründet - als Reaktion auf die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Der Homepage ist zu entnehmen: „Eine Aufnahme in unsere Partei ist nach einem persönlichen Gespräch und zusätzlicher Verifizierung der Person möglich.“ Wie netzpolitik.org schreibt, führten eigene Recherchen zu einer wohl politischen Nähe des „Babylon Berlin“-Schauspielers zu der Kleinstpartei. Nach eigenen Angaben konnte das Portal „eine auf Mitte April datierte Mitgliederliste einsehen, die vorläufige Mitgliedsnummer des Schauspielers endet auf ‚967‘. Als Eintrittsdatum wird der 13. März 2021 genannt“. Die entsprechende Liste wurde demnach durch ein Datenleck von „Die Basis“ einsehbar, bemerkt durch das Hackerkollektiv Anonymous - und zeigt offenbar, dass die Antragsstellung Volker Bruchs bereits Wochen vor Bekanntwerden der umstrittenen „#allesdichtmachen“-Kampagne stattfand.

Wie der Medienbeauftragte der Partei mitteile, sei das Eintrittsverfahren Volker Bruchs noch nicht abgeschlossen, da seine Identität (wie oben angegeben) noch verifiziert werden müsse. „Es klingt, als sei das bei Bruch aber eher eine Formalie“, so netzpolitik.org. Weiter habe der Medienbeauftragte angegeben, dass es sich „bei dem Antragsteller tatsächlich um den Schauspieler handele.“ Nach Angaben des Mediums gehören folgende Personen zur Kleinstpartei: „Markus Haintz, Aktivist der vom Verfassungsschutz beobachteten ‚Querdenken‘-Gruppe Ulm. Für den Bundestag kandidieren unter anderem der Arzt Wolfgang Wodarg, der Verschwörungsmythen über das Virus verbreitete und der Epidemiologe Sucharit Bhakdi, der durch unbelegte Aussagen zu Impfungen auffiel, und der Anwalt Reiner Fuellmich, dessen bereits im Voraus bezahlte Sammelklage gegen Christian Drosten krachend zu scheitern droht.“

Auf seinem Instagram-Account postete Volker Bruch ein Statement, angeblich ein Ausschnitt aus einer Spiegel-Anfrage. „Ist Volker Bruch als einer der Initiatoren an ‚#Allesdichtmachen‘ dabei gewesen? Wir haben entschieden, nichts über die Aufgabenverteilung preiszugeben, um jeden Einzelnen zu schützen.“ Die Kommentare unter dem Post, der am 3. Mai 2021 veröffentlicht wurde, sind gemischt. Es hagelt weiterhin Kritik, manche sehen die Aktion als „Hohn für alle Betroffenen, Angehörigen, Pflegenden, Ärzt*innen“, andere kritisieren, es werde „ermittelt wie bei einem Schwerverbrechen“. Auf eine Anfrage von netzpolitik.org soll Bruch nicht reagiert haben.

Umstrittene Aktion zahlreicher deutscher Schauspieler:innen: Protest gegen Corona-Politik Deutschlands

Unter dem Hashtag „allesdichtmachen“ äußerten rund 50 Schauspieler:innen in Kurz-Videos auf Instagram und YouTube Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung. Auf vermeintlich ironisch-satirische Weise machten sich Künstler:innen wie Jan Josef Liefers, Ulrich Tukur und Wotan Wilke Möhring über Politik und Medienbranche lustig. Nachdem die Aktion Lob seitens der AfD und Zuspruch der sogenannten „Querdenker“-Bewegung bekam, in der breiten Öffentlichkeit jedoch scharf kritisiert wurde, distanzierten sich zahlreiche Teilnehmende von der Aktion. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) trat in Folge mit „Tatort“-Star Jan Josef Liefers in ein Streitgespräch. (aka)

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