Corona-Lage „ist fragil“ 

Kanzlerin Merkel spricht über die schrittweise Öffnung - aber eine Option schließt sie kategorisch aus

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Angela Merkels Krisen-Kabinett berät am Donnerstag über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Die Kanzlerin informierte nun über den aktuellen Stand.


Update vom 9. April, 15.52 Uhr: Mit Blick auf eine mögliche Lockerung der Corona-Maßnahmen meint Angela Merkel auf Nachfrage: „Wir müssen in Spannen von zwei bis drei Wochen sehen, was ist die Wirkung der Maßnahmen“. Dennoch gibt sie einen Ausblick und meint:„Die Regeln (wie Abstand halten, Anm. d. R.) werden, solange wir keinen Impfstoff haben, bestehen bleiben.“ Was dies für eine Wirkung auf den Sommer habe, müsse man zu gegebener Zeit besprechen. „Ich wäre mit Freude die Erste, die ihnen sagt, ‘Es ist wieder wie es war‘“, meint die Kanzlerin. Dieser Punkt sei aber noch lange nicht erreicht. 

Merkel sieht ihre Verantwortung aktuell primär darin, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet werde und chaotische Zustände vermieden werden. „Diese Verantwortung kann mir keiner abnehmen, aber in dieser Verantwortung muss ich agieren“, so die Kanzlerin zu ihrer persönlichen Position in der Krise. 

Mit Bezug auf eine mögliche Lockerung der Corona-Maßnahmen meint Merkel: Man müsse diskutieren, inwieweit man bundesheinheitlich vorgehen könne. Die Lage sei teils sehr unterschiedlich. Die Frage sei dann: Wo kann man das Abstandsverbot gut umsetzen. „Deshalb wird es wohl nie eine 100-Prozent-Lösung geben, sondern immer eine schrittweise Öffnung“, so Merkel.

Einer Option erteilt die Kanzlerin in ihrem Statement allerdings eine klare Absage: Sie lehne es ab, dass Jüngere frühzeitig aus dem Kontaktverbot entlassen werden und Ältere weiter isoliert bleiben. Man brauche nun Solidarität über die Generationen hinweg, so die Kanzlerin. „Es wird Geduld brauchen“, meint Merkel. Mit Blick auf mögliche weitere Schritte meint sie: „Gleichzeitig müssen wir Schritte gehen, bei denen wir nicht wissen, was sie am Ende bewirken“. Auch in näherer Zukunft müsse man sich auf ein „Leben mit dem Virus“ einstellen, auch wenn sich die Zahlen kurzzeitig verbessern sollten. 

Coronavirus - Bundeskanzlerin Angela Merkel

Merkel mit Corona-Update: „Die Lage ist fragil“  - dann warnt sie deutlich

Update vom 9. April, 15.42 Uhr: Jetzt spricht Kanzlerin Angela Merkel über die heutigen Beratungen der Regierung zur Corona-Krise. Die Beschaffung von Masken- und Schutzausrüstung war demnach eine zentrale Frage in Beratungen des Corona-Kabinetts. Deshalb wurde nun ein Beschaffungsstab im Gesundheitsministerium gegründet. Dieser soll mehr Masken aus dem Ausland nach Deutschland holen. 90 Prozent der Masken würden in Asien produziert. Außerdem wolle man nun auch in Deutschland die Produktion angehen.

Die aktuellen Zahlen geben Hoffnung, so die Kanzlerin: „Die Kurve flacht ab“. Sie sei zuletzt wegen der Zahlen besorgt gewesen, dass man die Maßnahmen noch verschärfen müsse. Man könne nun froh sein, dass dies nicht notwendig sei, dank der Entwicklung. Allerdings meint sie nun: „Wir dürfen jetzt nicht leichtsinnig sein - wir müssen konzentriert bleiben - die Lage ist fragil“.

Merkel: Entscheidung über Corona-Maßnahmen hängt entscheidend von einer Studie ab

Man müsse die Maßnahmen auch über Ostern fortsetzen, damit man das Erreichte nicht gefährde. 

Über eine Lockerung der Maßnahmen müsse man entscheiden, wenn man auf festem Grund stehe, meint Merkel weiter. „Wir müssen ganz, ganz vorsichtig vorgehen“, meint Merkel. Aktuell gebe es zwar eine positive Entwicklung, doch nach Einschätzung des RKI sei diese noch nicht stabil.

Bei der Frage nach einer möglichen Lockerung der Maßnahmen verweist Merkel auf eine Studie der nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldiner, die am Dienstag veröffentlicht werde. Diese werde entscheidend sein für die Beratungen der Regierung am kommenden Mittwoch. Die Studie würde nicht nur von Medizinern, sondern etwa auch von Psychologen und Soziologen erstellt werden. Auf dieser wissenschaftlichen Basis wolle die Regierung dann ihre Entscheidung über die Corona-Maßnahmen stützen.

Der aktuelle Sonntagstrend zeichnet einen neuen Höhenflug von CDU und CSU ab. Sichert die Corona-Krise der Union nun die Wählergunst?

Corona-Planungen in Deutschland laufen: Stress-Forscher gibt Einschätzung

Update vom 9. April, 14.55 Uhr: Zuletzt spricht auf der Bundespressekonferenz noch Stressforscher Mazda Adli. Er berichtet von großen Stress- und Angstgefühlen, die in der aktuellen Lage entstehen würden. Neben der Angst vor der Krankheit an sich würde vor allem die wirtschaftliche Situation zu Stress führen. Deshalb erlebe man aktuell auch eine „psychologische Krise“. Zusätzlich stünden die üblichen Strategien zur Stress-Bewältigung aktuell nicht zur Verfügung wegen den Verboten, wie Sport oder Freunde treffen.

„Es hilft, wenn ein Ende in Sicht ist“, so Adli. Man müsse sich immer klarmachen, dass es ein zeitlich beschränkter Zustand ist. Außerdem brauche man die Fähigkeit die eigene Situation selbst beeinflussen zu können: Das senke den Stress.

Wichtig sei es nun zu wissen: „Wir sind der Situation nicht heillos ausgeliefert. Wir beteiligen uns alle an einem gigantischen Präventionsprojekt und das zeigt Wirkung.“ „Wir brauchen Hoffnung“, so Adli, das schaffe emotionale Kraft. 

Corona-Planungen der Regierung: RKI-Chef Wieler sieht „positive Entwicklung“

Update vom 9. April, 14.46 Uhr:Nach Familienministerin Giffey, die noch einmal den Einsatz der Bevölkerung und des Pflegepersonals lobt, ist nun RKI-Präsident Lothar Wieler an der Reihe. Er sieht ebenfalls allgemein eine „positive Entwicklung“ in der Corona-Krise in Deutschland. Allerdings gebe es aktuell Schwankungen bei den

Infziertenzahlen. Er mahnt: „Von einer Entspannung kann man noch nicht wirklich ausgehen.“

Es folgen die nackten Zahlen: Demnach gibt es 108.000 Infizierte in Deutschland, 50.000 Genesene und 2107 Tote. Das sind 246 Todesfälle mehr als gestern und 130 Tote auf 100.00 Personen. Die Infizierten sind im Durchschnitt 49 Jahre alt, so Wieler. Die Hauptsymptome sind demnach weiterhin Husten, Fieber und Schnupfen. 

Nach Wielers Angaben steigt der Anteil der Verstorbenen aktuell - das habe man allerdings erwartet und dies liege daran, dass sich nun vermehrt ältere Personen infizieren würden, wohingegen zu Beginn eher Jüngere infiziert waren. „Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Verstorbenen noch weiter steigt“, so Wieler dazu und meint zu den Todesfällen: Die Verstorbenen waren im Durchschnitt 80 Jahre alt.

Wichtig werde es nun herauszufinden, wie viele Personen die Infektion bereits durchgemacht hätten und schon immun seien, so der RKI-Chef weiter. Dadurch könne man besser reagieren. Deshalb würden nun drei große Studien geplant, die Aufschluss über die Dunkelrate der Infektionen geben soll. Ergebnisse soll es bereits im Mai geben. 

Ziel der Studie sei daneben herauszufinden, wie viele Infizierte keine Symptome durch das Coronavirus gehabt hatten und wie hoch die Todesrate wirklich sei.

Corona-Planung: Spahn warnt vor langen Einschränkungen - „Ostern wird eine Weg-Gabelung“

Update vom 9. April, 14.15 Uhr: Den Beginn macht Gesundheitsminister Jens Spahn. Kurz vor Ostern wolle die Bundesregierung noch ein  Update zum Stand in der  Corona-Krise geben, leitet er ein. Man wolle die positive Entwicklung der letzten Tage dokumentieren. Spahn mahnt aber auch mit Blick auf Ostern: Wir dürfen jetzt nicht nachlässig werden“, und fährt fort: „Ich weiß es fällt vielen schwer zu Ostern auf den Besuch bei der Familie oder den Freunden zu verzichten. Auch mir fällt das schwer“. 

Spahn wisse, dass diese Einschnitte in den Alltag der Bevölkerung viel abverlange. Dennoch verdanke man die aktuellen Erfolge den eingeleiteten Maßnahmen. So habe man mittlerweile mehr als 50.000 Gesundete und die Kurve der Neu-Infektionen flache sich ab. Der Gesundheitsminister dankt dafür der Bevölkerung, erinnert aber daran, dass man über die Osterfeiertage dran bleiben müsse, um das Erreichte nicht zu gefährden.

Dann geht Spahn auch auf ein mögliches Ende der Corona-Maßnahmen ein: „Ja, wir wollen schrittweise zurück zu Normalität. Aber von einem Alltag wie wir ihn vor Corona kannten, sind wir weit entfernt. Wir werden noch über Wochen und Monate auf Liebgewonnenes verzichten müssen. Dieser Verzicht tut weh, ist aber auch wichtig um Ältere zu schützen.“ 

Dann meint Spahn: „Ostern wird eine Weg-Gabelung sein.“ Je nachdem, wie die Beschränkungen nun eingehalten werden, würde sich die Epidemie weiterentwickeln. So mahnt Spahn: „Werden wir jetzt nachlässig, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Verlängerung der Maßnahmen nötig wird.“

Bundespressekonferenz zu Corona-Maßnahmen und weiteren Plänen

Update vom 9. April, 13.59 Uhr: Gesundheitsminister Jens Spahn, Familienministerin Franziska Giffey und der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, treten um 14 Uhr in einer gemeinsamen Pressekonferenz vor die Kameras. Sie wollen nach den Beratungen des Krisen-Kabinetts erste Ergebnisse erläutern.

Update vom 9. April, 12.11 Uhr: Die deutsche Politik berät auch am heutigen Donnerstag über den weiteren Umgang mit der Corona-Krise. Bundeskanzlerin Angela Merkel beratschlagt unter anderem mit ihrem Krisen-Kabinett. Über mögliche Ergebnisse könnte die Kanzlerin bereits um 15.30 Uhr informieren. Dann wird sie ein Statement zur Corona-Krise abgeben. 

Unterdessen haben sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Gesundheitsminister Jens Spahn in einer Pressekonferenz zur Beschaffung von Schutzmaterial, wie Atemmasken geäußert. Sie informierten, dass im Wirtschaftsministerium ein Produktionsstab hierzu eingerichtet wurde. Ziel sei es die Eigenproduktion in Deutschland und der EU hochzufahren. 

„In den letzten Jahrzehnten Produktion in vielen Bereichen nach Asien verlagert. Wir haben uns vorgenommen ein Stück weit unabhängiger zu werden, so dass auch in Deutschland die notwendigen Güter hergestellt werden können“, so Altmaier.

Man habe die Investitionsbedingungen verbesser und will dafür sorgen, dass auch wettbewerbsfähig produziert werden kann. Der Wirtschaftsminister dankte den Unternehmen, die bereit sind ihre Produktion umzustellen oder neu aufzubauen.

Jens Spahn fügte hinzu, dass man aktuell die Abhängigkeit von anderen Ländern bei der Produktion von Medikamenten und bei Schutzkleidung zu spüren bekomme. Spahn rechnet damit, dass die erste Lieferung von in Deutschland hergestellter Schutzausrüstung im August fertig sein könnte. Bis dahin konzentriere man sich auf die Beschaffung der Güter von außerhalb.

Coronavirus: Merkels Krisen-Kabinett berät -  Pressekonferenz mit Spahn, Giffey und RKI-Chef Wieler

Erstmeldung vom 9. April:

Berlin - Wie geht es weiter in der Corona-Krise? Darüber berät sich am Donnerstag dasKrisen-Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel. Dabei könnte es auch um eine Exit-Strategie aus den aktuellen strengen Einschränkungen für die Wirtschaft und die Bevölkerung gehen.*

Gesundheitsminister Jens Spahn gab sich am Donnerstag bereits positiv. In einem Interview mit dem Handelsblatt bestätigte er wie zuvor Bayerns Ministerpräsident Markus Söder*, dass die ergriffenen Maßnahmen erste Erfolge zeigen. Deshalb hält Spahn vorsichtige Schritte aus dem staatlich angeordneten Stillstand nach den Osterferien für möglich.*

Coronavirus-Pläne: Positiver Trend dank Maßnahmen

Sollte die Entwicklung bei den Infektionszahlen anhalten, „werden wir mit den Ministerpräsidenten über eine schrittweise Rückkehr zur Normalität nach den Osterferien reden können“, sagte er dem Blatt. In einem freiheitlichen Rechtsstaat könnten weitreichende Einschränkungen von Grundrechten nur so lange funktionieren, wie sie verstanden und akzeptiert würden. Deshalb sei es nicht nur wichtig, das Handeln gut zu begründen, sondern auch eine Perspektive aufzuzeigen. 

Allerdings müsse sich der positive Corona-Trend, der sich aktuell in den Fallzahlen zeige, erst verfestigen, so Spahn weiter. Entscheidend dafür sei, dass die strengen Maßnahmen auch über die Oster-Feiertage eingehalten würden.

Coronavirus in Deutschland: Ethikrat kritisiert Merkels Exit-Haltung

Die aktuellen Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind vorerst bis zum 19. April befristet*. Bundeskanzlerin Angela Merkel will eigentlich erst am 15. und am 19. April mit den Ministerpräsidenten der Länder darüber beraten, wie es weitergehen soll. Zuletzt hatte aber sogar der Ethikrat Angela Merkels ablehnende Haltung hinsichtlich einer Debatte über den Shutdown-Ausstieg kritisiert. Eine Debatte könnte nun vorgezogen werden.

Unterdessen zeigt eine neue Umfrage, dass die Maßnahmen, wie Schulschließungen und ein Kontaktverbot bei der Mehrheit der Bevölkerung weiter auf Verständnis stößt. Rund 56 Prozent der Bürger halten eine Lockerung der einschneidenden Beschränkungen im Alltagsleben wegen des Coronavirus ab 20. April für zu früh. Das hat eine repräsentative Civey-Umfrage für das Magazin „Business Insider“ ergeben, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Danach halten knapp 30 Prozent Lockerungen vom 20. April an für angemessen, lediglich 9,4 Prozent für zu spät.

Corona-Umfrage: Deutsche stehen hinter Maßnahmen

Wie die Civey-Umfrage ergab, sollten aus Sicht der Befragten zuerst Geschäfte sowie Schulen und Kitas wieder geöffnet werden, gefolgt von Friseursalons, Spielplätzen, Restaurants/Cafes, Kirchen, Museen und Fitnessstudios.

An diesem Donnerstag tritt das Corona-Krisenkabinett der Bundesregierung zu einer weiteren Sitzung zusammen. Ein weiteres Thema könnte die Beschaffung von Schutzmaterial sein, außerdem eine denkbare Anhebung des Kurzarbeitergeldes. Auch eine etwaige Maskenpflicht, die Söder zuletzt wieder ins Spiel brachte*, könnte diskutiert werden.

Um 14 Uhr wollen Spahn, Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und der Präsident des Robert Koch-Instituts*, Lothar Wieler, in einer Pressekonferenz über die aktuelle Corona-Situation in Deutschland informieren. Am Mittwoch hatte die Zahl der Todesopfer die Marke von 2000 erreicht. Auch in den Ländern gehen die Beratungen weiter, in Sachsen und Nordrhein-Westfalen kommen die Landtage zu Sondersitzungen zusammen.

rjs/dpa

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Rubriklistenbild: © dpa / Markus Schreiber

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