Kanzlerin will sich nicht vorzeitig impfen lassen

Sonderbehandlung für Corona-Geimpfte? Merkel nennt Szenario, wann sie von klarem Nein abrücken könnte

  • Momir Takac
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Noch ist eine Bevorzugung von Corona-Geimpften seitens der Bundesregierung kein Thema. Kanzlerin Merkel stellt aber klar, dass sich die Haltung ändern könnte.

Berlin - Sollen gegen das Coronavirus geimpfte Menschen mehr besser gestellt werden als Nicht-Geimpfte? Dass eine Debatte über diese Frage kommt, war klar. Sie wird geführt, seit ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2 absehbar wurde. Jetzt, da sich ein Ende des wochenlangen Lockdowns abzeichnet - wenn die Corona-Mutationen nicht dazwischenfunken -, und sich Frühling und Urlaubszeit nähern, wird die Diskussion vehementer geführt.

Der Reiseanbieter Alltours etwa kündigte bereits an, dass er in den eigenen Urlaubshotels nur Geimpfte gegen das Coronavirus beherbergen will. Auch der Online-Ticketshop Eventim erwägt, nur Geimpfte auf Konzerte zu lassen. Island dagegen stellte Urlaub für Nicht-Geimpfte in Aussicht. In der Bundesregierung gibt es zu Sonderbehandlungen unterschiedliche Ansichten. Während sich Bundesaußenminister und SPD-Politiker Heiko Maas für Lockerungen für Geimpfte aussprach, ist die Meinung innerhalb der Union genau umgekehrt.

Coronavirus: Sonderbehandlung für Geimpfte? Merkel dagegen, aber...

Jetzt äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel ausführlich zu dem Thema. „Solange die Zahl der Geimpften noch so viel kleiner ist als die derjenigen, die auf die Impfung warten, sollte der Staat beide Gruppen nicht unterschiedlich behandeln“, sagte die CDU-Politikerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Donnerstag). Dies gelte für das Verhältnis zwischen Staat und Bürger. Bei privaten Vertragsverhältnissen „können wir uns von staatlicher Seite wenig einmischen“, stellte Merkel klar.

Ohnehin sei eine mögliche Bevorzugung von Corona-Geimpften für Merkel kein Thema, solange nicht „eindeutig“ geklärt sei, dass Geimpfte nicht mehr ansteckend seien. Eine Studie aus Israel zum Impfstoff von Biontech/Pfizer machte diesbezüglich zuletzt Hoffnung.

Merkel zu Impfpriorisierung: Je mehr Impfstoff, desto mehr Flexibilität

Merkel machte jedoch deutlich, dass sich ihr Standpunkt ändern könnte. „Wenn wir genügend Menschen ein Impfangebot gemacht haben werden und sich einige partout nicht impfen lassen wollen, wird man überlegen müssen, ob es in bestimmten Bereichen Öffnungen und Zugänge nur für Geimpfte geben soll. Aber da sind wir noch nicht“, sagte die Kanzlerin der F.A.Z. weiter.

An der aktuellen von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfpriorisierung will Merkel festhalten. Sie selbst wolle sich erst impfen lassen, wenn sie an der Reihe ist. Zunächst sollten Ältere „und diejenigen mit besonderen Vorerkrankungen und auch Menschen, die in engen Kontakt mit Infizierten kommen“, geimpft werden. Aber, je mehr Impfstoff zur Verfügung stehe, desto flexibler werde man mit den Priorisierungen verfahren müssen, sagte Merkel. (mt)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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