Kehrtwende nach Scheuers Bußgeld-Verschärfung: Neue Regeln vorerst wieder ausgesetzt

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Corona-Krise

Empörung nach Merkels historischer TV-Ansprache: ZDF-Zuschauer müssen minutenlang warten

Coronavirus: Angela Merkel (CDU) wird am Mittwochabend in der ARD eine TV-Ansprache halten. Darin richtet sie deutliche Worte an die Bevölkerung.

  • Angela Merkel (CDU) hat am Mittwoch aufgrund der Coronavirus*-Krise eine Fernsehansprache gegeben. 
  • Eine Regierungssprecherin teilte mit, dass sich die Kanzlerin mit einem eindringlichen Appell an die Bürger wenden will.
  • Die aufgezeichnete Ansprache der Kanzlerin wurde am Mittwochabend ab 19.15 Uhr bei ntv und RTL, ab 19.20 Uhr im ZDF und ab 20.15 Uhr in im ARD ausgestrahlt.

UPDATE vom 15. April: Alle Informationen zur Ansprache von Angela Merkel an diesem Mittwoch erfahren Sie in unserem News-Ticker*.

Update vom 20. März, 9.57 Uhr: Mit ihrer historischen Ansprache zur Corona-Krise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch, 18. März, ein Zeichen gesetzt. Die Ausstrahlung ihres eindringlichen Appells an die Bevölkerung hat bei ZDF-Zuschauern aber einen bitteren Nachgeschmack. Denn die rund 8,97 Millionen Zuschauer, die die Rede der Kanzlerin im ZDF verfolgen wollten, wurden vor der Ansprache mit einem minutenlangen Werbeblock bestrahlt, bevor die mahnenden Worte der Kanzlerin endlich zu hören waren. 

Der Werbeblock sorgte bei manchen Zuschauern für Kritik. Nun hat sich das ZDF geäußert und für den Werbeblock entschuldigt. dwdl.de berichtet erklärte der Sender: „Das war ein Fehler, der nicht hätte passieren dürfen. Wir bedauern das sehr!“ 

Doch wie es zu diesem „Fehler“ gekommen ist, blieb vorerst unklar. Dass Millionen Zuschauer trotz Werbung nicht umschalteten, beweist wie wichtig die Rede in der Wahrnehmung der Zuschauer war. Kein anderer Sender kam am Mittwoch auf noch mehr Zuschauer als das ZDF.

Corona-Krise: Merkel hält historische TV-Ansprache - „doch eine Chance lässt sie verstreichen“

Update vom 19. März, 9.52 Uhr: Von den „Grenzen des Staates“ kommentiert die Frankf urter Allgmeine Zeitung (FAZ) nach die TV-Ansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dabei habe die Kanzlerin nicht nach „Pathos über Blut, Schweiß und Tränen“ gesucht, wie es zuvor der französische Präsident Emmanuel Macron getan habe, der den Einsatz gegen das Virus mit Krieg verglichen hatte. Wer den Krieg erlebt habe, der wisse, wie unsinnig solche Vergleiche seien. 

„Merkels Auftritt war Ausnahmezustand genug“, findet die FAZ:

„Wie ernst die Lage ist, zeigt Angela Merkel. In den Jahren ihrer Regierungszeit hat es eine außerordentliche Fernsehansprache der Bundeskanzlerin an ihr Volk noch nicht gegeben. Nachdem es in der deutschen Politik der vergangenen Tage schon den einen oder anderen „Churchill-Moment“ gegeben hat, ist dies der bislang wichtigste.“

Pressestimmen zur Merkel-Rede: Kanzlerin wendet sich mit „wuchtigen Worten ans Volk“

Merkel habe sich mit ihrem „Appell an die Vernunft“ in der Coronakrise zwar mit „wuchtigen Worten ans Volk“ gewandt, „doch eine Chance lässt sie verstreichen“, kommentiert der Spiegel. Dass Merkel ihrem Schweigen in ihrer Ansprache ein Ende bereitet hat, war „dringend nötig“, so der Spiegel. 

Zwar hätten sich der Bundespräsident in einem Podcast und die Kanzlerin in mehreren Pressekonferenzen gemeldet, so der Spiegel, aber:

„All das ersetzt nicht die eine, leitende, erklärende Ansprache, die es in einer Krise solchen Ausmaßes braucht. Auf die politische Rhetorik, auf die Kraft des guten Arguments kommt es an, weil die Pandemie nur solidarisch von der Gesellschaft bekämpft und überwunden werden kann - vor allem, indem wir von Dingen ablassen und verzichten.“

Pressestimmen zum Merkel-Appell: Kanzlerin hat die Corona-Krise zu „ihrer persönlichen Aufgabe“ gemacht

Die Zeit kommentiert die Rede der Kanzlerin hingegen als ungewöhnlich emotional. 

„Merkel hat die Bewältigung der Corona-Krise mit ihren Wortmeldungen nun auch zu ihrer persönlichen Aufgabe gemacht. Diese Krise wird das Erbe der Kanzlerin definieren wie sonst wohl kaum eine Herausforderung in den vergangenen 20 Jahren.“

Coronavirus: Angela Merkel wird in ihrer TV-Ansprache deutlich: „Auf die Probe gestellt wie nie zuvor“

Update vom 18. März,  18.31 Uhr: Angesichts der wegen des Coronavirus angespannten Lage in Deutschland richtet sich Angela Merkel am Mittwoch in einer Fernseh-Ansprache an die Bevölkerung. Darin findet die Kanzlerin deutliche Worte. Die Bekämpfung des Coronavirus ist in ihren Augen eine Aufgabe von historischem Ausmaß. „Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt“, sagte Merkel in der Ansprache und meinte weiter: „Unsere Vorstellung von Normalität, von öffentlichem Leben, von sozialem Miteinander - all das wird auf die Probe gestellt wie nie zuvor.“

Merkel zur Corona-Krise: Müssen zusammenhalten

Das Virus verändere das Leben in Deutschland dramatisch erklärte die Kanzlerin weiter. Sie wisse, wie hart die Schließungen etwa von Veranstaltungsräumen, Schulen, Kitas und Spielplätzen sei. „Es sind Einschränkungen, wie es sie in der Bundesrepublik noch nie gab.“ Auch sie persönlich würden die Maßnahmen treffen, so Merkel: „Für jemandem wie mich, für die Reise- und Bewegungsfreiheit ein schwer erkämpftes Recht waren, sind solche Einschränkungen nur in der absoluten Notwendigkeit zu rechtfertigen.“

Dennoch seien die Maßnahmen richtig und es sei sehr wichtig, dass die Bevölkerung sich an die Vorgaben halte. „Ich appelliere an Sie: Halten Sie sich an die Regeln, die nun für die nächste Zeit gelten. Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch: Was womöglich noch nötig ist“, so die Kanzlerin. Damit schloss sie weitere Maßnahmen nicht aus. Man werde lernfähig bleiben, so die Kanzlerin weiter, „um jederzeit umdenken und mit anderen Instrumenten reagieren zu können“.

Es sei nun „existenziell“ das öffentliche Leben „soweit es geht herunterzufahren“, so Merkel weiter. Zudem solle weiter auf die Ratschläge der Virologen zu achten: „Kein Handschlag mehr, gründlich und oft die Hände waschen, mindestens eineinhalb Meter Abstand zum Nächsten und am besten kaum noch Kontakte zu den ganz Alten, weil sie eben besonders gefährdet sind.“

Das „Dringendste“ sei ihr an diesem Abend die Botschaft, dass alle staatlichen Maßnahmen ins Leere gehen würden, „wenn wir nicht das wirksamste Mittel gegen die zu schnelle Ausbreitung des Virus einsetzen würden: Und das sind wir selbst“, sagte die Kanzlerin. „Alle zählen, es braucht unser aller Anstrengung.“

Die Rede von Kanzlerin Angela Merkel im Wortlaut:

„Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

das Coronavirus verändert zurzeit das Leben in unserem Land dramatisch. Unsere Vorstellung von Normalität, von öffentlichem Leben, von sozialen Miteinander - all das wird auf die Probe gestellt wie nie zuvor.

Millionen von Ihnen können nicht zur Arbeit, Ihre Kinder können nicht zur Schule oder in die Kita, Theater und Kinos und Geschäfte sind geschlossen, und, was vielleicht das Schwerste ist: Uns allen fehlen die Begegnungen, die sonst selbstverständlich sind. Natürlich ist jeder von uns in solch einer Situation voller Fragen und voller Sorgen, wie es weitergeht.

Ich wende mich heute auf diesem ungewöhnlichen Weg an Sie, weil ich Ihnen sagen will, was mich als Bundeskanzlerin und alle meine Kollegen in der Bundesregierung in dieser Situation leitet. Das gehört zu einer offenen Demokratie: dass wir die politischen Entscheidungen auch transparent machen und erläutern. Dass wir unser Handeln möglichst gut begründen und kommunizieren, damit es nachvollziehbar wird.

Merkel zur Corona-Krise: „Ich glaube fest daran“

Ich glaube fest daran, dass wir diese Aufgabe bestehen, wenn wirklich alle Bürgerinnen und Bürger sie als IHRE Aufgabe begreifen. Deswegen lassen Sie mich sagen: Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst. Seit der Deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt.

Ich möchte Ihnen erklären, wo wir aktuell stehen in der Epidemie, was die Bundesregierung und die staatlichen Ebenen tun, um alle in unserer Gemeinschaft zu schützen und den ökonomischen, sozialen, kulturellen Schaden zu begrenzen. Aber ich möchte Ihnen auch vermitteln, warum es Sie dafür braucht, und was jeder und jede Einzelne dazu beitragen kann.

Zur Epidemie - und alles was ich Ihnen dazu sage, kommt aus den ständigen Beratungen der Bundesregierung mit den Experten des Robert- Koch-Instituts und anderen Wissenschaftlern und Virologen: Es wird weltweit unter Hochdruck geforscht, aber noch gibt es weder eine Therapie gegen das Coronavirus noch einen Impfstoff.

Solange das so ist, gibt es nur eines, und das ist die Richtschnur all unseres Handelns: die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, sie über die Monate zu strecken und so Zeit zu gewinnen. Zeit, damit die Forschung ein Medikament und einen Impfstoff entwickeln kann. Aber vor allem auch Zeit, damit diejenigen, die erkranken, bestmöglich versorgt werden können.

Deutschland hat ein exzellentes Gesundheitssystem, vielleicht eines der besten der Welt. Das kann uns Zuversicht geben. Aber auch unsere Krankenhäuser wären völlig überfordert, wenn in kürzester Zeit zu viele Patienten eingeliefert würden, die einen schweren Verlauf der Coronainfektion erleiden.

Merkel zur Corona-Krise: „Das sind nicht einfach abstrakte Zahlen“

Das sind nicht einfach abstrakte Zahlen in einer Statistik, sondern dass ist ein Vater oder Großvater, eine Mutter oder Großmutter, eine Partnerin oder Partner, es sind Menschen. Und wir sind eine Gemeinschaft, in der jedes Leben und jeder Mensch zählt.

Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit zu aller erst an alle wenden, die als Ärzte oder Ärztinnen, im Pflegedienst oder in einer sonstigen Funktion in unseren Krankenhäusern und überhaupt im Gesundheitswesen arbeiten. Sie stehen für uns in diesem Kampf in der vordersten Linie. Sie sehen als erste die Kranken und wie schwer manche Verläufe der Infektion sind. Und jeden Tag gehen Sie aufs Neue an Ihre Arbeit und sind für die Menschen da. Was Sie leisten, ist gewaltig, und ich danke Ihnen von ganzem Herzen dafür.

Also: Es geht darum, das Virus auf seinem Weg durch Deutschland zu verlangsamen. Und dabei müssen wir, das ist existentiell, auf eines setzen: das öffentliche Leben soweit es geht herunterzufahren. Natürlich mit Vernunft und Augenmaß, denn der Staat wird weiter funktionieren, die Versorgung wird selbstverständlich weiter gesichert sein und wir wollen so viel wirtschaftliche Tätigkeit wie möglich bewahren.

Aber alles, was Menschen gefährden könnte, alles, was dem Einzelnen, aber auch der Gemeinschaft schaden könnte, das müssen wir jetzt reduzieren. Wir müssen das Risiko, dass der eine den anderen ansteckt, so begrenzen, wie wir nur können. Ich weiß, wie dramatisch schon jetzt die Einschränkungen sind: keine Veranstaltungen mehr, keine Messen, keine Konzerte und vorerst auch keine Schule mehr, keine Universität, kein Kindergarten, kein Spiel auf einem Spielplatz. Ich weiß, wie hart die Schließungen, auf die sich Bund und Länder geeinigt haben, in unser Leben und auch unser demokratisches Selbstverständnis eingreifen. Es sind Einschränkungen, wie es sie in der Bundesrepublik noch nie gab.

Merkel zur Corona-Krise: „schwer erkämpftes Recht“

Lassen Sie mich versichern: Für jemandem wie mich, für die Reise- und Bewegungsfreiheit ein schwer erkämpftes Recht waren, sind solche Einschränkungen nur in der absoluten Notwendigkeit zu rechtfertigen. Sie sollten in einer Demokratie nie leichtfertig und nur temporär beschlossen werden - aber sie sind im Moment unverzichtbar, um Leben zu retten.

Deswegen sind seit Anfang der Woche die verschärften Grenzkontrollen und Einreisebeschränkungen zu einigen unserer wichtigsten Nachbarländer in Kraft.

Für die Wirtschaft, die großen Unternehmen genau wie die kleinen Betriebe, für Geschäfte, Restaurants, Freiberufler ist es jetzt schon sehr schwer. Und die nächsten Wochen werden noch schwerer. Ich versichere Ihnen: Die Bundesregierung tut alles, was sie kann, um die wirtschaftlichen Auswirkungen abzufedern - und vor allem um Arbeitsplätze zu bewahren.

Wir können und werden alles einsetzen, was es braucht, um unseren Unternehmen und Arbeitnehmern durch diese schwere Prüfung zu helfen.

Und alle können sich darauf verlassen, dass die Lebensmittelversorgung jederzeit gesichert ist, und wenn Regale einen Tag mal leergeräumt sind, so werden sie nachgefüllt. Jedem, der in den Supermärkten unterwegs ist, möchte ich sagen: Vorratshaltung ist sinnvoll, war es im Übrigen immer schon. Aber mit Maß. Hamstern, als werde es nie wieder etwas geben, ist sinnlos und letztlich vollkommen unsolidarisch.

Und lassen Sie mich auch hier Dank aussprechen an Menschen, denen zu selten gedankt wird. Wer in diesen Tagen an einer Supermarktkasse sitzt oder Regale befüllt, der macht einen der schwersten Jobs, die es zurzeit gibt. Danke, dass Sie da sind für ihre Mitbürger und buchstäblich den Laden am Laufen halten.

Jetzt zu dem, was mir heute das Dringendste ist: Alle staatlichen Maßnahmen gingen ins Leere, wenn wir nicht das wirksamste Mittel gegen die zu schnelle Ausbreitung des Virus einsetzen würden: Und das sind wir selbst. So wie unterschiedslos jeder von uns von dem Virus betroffen sein kann, so muss jetzt auch jede und jeder helfen. Zu allererst, indem wir ernst nehmen, worum es heute geht. Nicht in Panik verfallen, aber auch nicht einen Moment denken, auf ihn oder sie komme es doch nicht wirklich an. Niemand ist verzichtbar. Alle zählen, es braucht unser aller Anstrengung.

Merkel zur Corona-Krise: „zeigt, wie verwundbar wir sind“

Das ist, was eine Epidemie uns zeigt: wie verwundbar wir alle sind, wie abhängig von dem rücksichtsvollen Verhalten anderer aber damit eben auch: wie wir durch gemeinsames Handeln uns schützen und gegenseitig stärken können.

Es kommt auf jeden an. Wir sind nicht verdammt, die Ausbreitung des Virus passiv hinzunehmen. Wir haben ein Mittel dagegen: wir müssen aus Rücksicht voneinander Abstand halten. Der Rat der Virologen ist ja eindeutig: Kein Handschlag mehr, gründlich und oft die Hände waschen, mindestens eineinhalb Meter Abstand zum Nächsten und am besten kaum noch Kontakte zu den ganz Alten, weil sie eben besonders gefährdet sind.

Ich weiß, wie schwer das ist, was da von uns verlangt wird. Wir möchten, gerade in Zeiten der Not, einander nah sein. Wir kennen Zuwendung als körperliche Nähe oder Berührung. Doch im Augenblick ist leider das Gegenteil richtig. Und das müssen wir wirklich alle begreifen: Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge.

Der gut gemeinte Besuch, die Reise, die nicht hätte sein müssen, das alles kann Ansteckung bedeuten und sollte jetzt wirklich nicht mehr stattfinden. Es hat seinen Grund, warum die Experten sagen: Großeltern und Enkel sollten jetzt nicht zusammenkommen.

Wer unnötige Begegnungen vermeidet, hilft allen, die sich in den Krankenhäusern um täglich mehr Fälle kümmern müssen. So retten wir Leben. Das wird für viele schwer, und auch darauf wird es ankommen: niemanden allein zu lassen, sich um die zu kümmern, die Zuspruch und Zuversicht brauchen. Wir werden als Familien und als Gesellschaft andere Formen finden, einander beizustehen.

Schon jetzt gibt es viele kreative Formen, die dem Virus und seinen sozialen Folgen trotzen. Schon jetzt gibt es Enkel, die ihren Großeltern einen Podcast aufnehmen, damit sie nicht einsam sind.

Wir allen müssen Wege finden, um Zuneigung und Freundschaft zu zeigen: Skypen, Telefonate, Mails und vielleicht mal wieder Briefe schreiben. Die Post wird ja ausgeliefert. Man hört jetzt von wunderbaren Beispielen von Nachbarschaftshilfe für die Älteren, die nicht selbst zum Einkaufen gehen können. Ich bin sicher, da geht noch viel mehr und wir werden als Gemeinschaft zeigen, dass wir einander nicht allein lassen.

Ich appelliere an Sie: Halten Sie sich an die Regeln, die nun für die nächste Zeit gelten. Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch: was womöglich noch nötig ist.

Dies ist eine dynamische Situation, und wir werden in ihr lernfähig bleiben, um jederzeit umdenken und mit anderen Instrumenten reagieren zu können. Auch das werden wir dann erklären. Deswegen bitte ich Sie: Glauben Sie keinen Gerüchten, sondern nur den offiziellen Mitteilungen, die wir immer auch in viele Sprachen übersetzen lassen.

Wir sind eine Demokratie. Wir leben nicht von Zwang, sondern von geteiltem Wissen und Mitwirkung. Dies ist eine historische Aufgabe und sie ist nur gemeinsam zu bewältigen.

Dass wir diese Krise überwinden werden, dessen bin ich vollkommen sicher. Aber wie hoch werden die Opfer sein? Wie viele geliebte Menschen werden wir verlieren? Wir haben es zu einem großen Teil selbst in der Hand. Wir können jetzt, entschlossen, alle miteinander reagieren. Wir können die aktuellen Einschränkungen annehmen und einander beistehen.

Diese Situation ist ernst und sie ist offen.

Das heißt: Es wird nicht nur, aber auch davon abhängen, wie diszipliniert jeder und jede die Regeln befolgt und umsetzt.

Wir müssen, auch wenn wir so etwas noch nie erlebt haben, zeigen, dass wir herzlich und vernünftig handeln und so Leben retten. Es kommt ohne Ausnahme auf jeden Einzelnen und damit auf uns alle an.

Passen Sie gut auf sich und auf Ihre Liebsten auf. Ich danke Ihnen.“

Unterdessen etabliert sich in Corona-Zeiten in Deutschland eine neue soziale Aktion, die den Zusammenhalt in der Bevölkerung zeigt.

Wegen Coronavirus: TV-Ansprache von Angela Merkel angekündigt - kuriose Entwicklung vor Ausstrahlung

16.11 Uhr: Das Coronavirus versetzt die Bundesrepublik in einer noch nie dagewesene Krise. Das sorgt selbst in der 15-jährigen Karriere der Kanzlerin für eine außergewöhnliche Premiere. Erstmals in ihrer Amtszeit wird Angela Merkel (CDU) sich in einer Fernsehansprache zur politischen Lage direkt an die Bevölkerung richten. Schon vorab hatten Regierungssprecher wiederholt betont, dass es sich dabei um einen Appell und nicht um die Bekanntgabe weiterer Maßnahmen handeln soll. 

War Ausstrahlung der Fernsehansprache vorerst nur für die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF angekündigt, so melden RTL und ntv am Nachmittag überraschend, die Ansprache der Kanzlerin bereits vor diesen Ausstrahlungen veröffentlichen zu wollen. Offenbar wollen die beiden Privatsender die Rede vor den öffentlich-rechtlichen ausspielen zu wollen.  

Arzt und Politiker Wolfgang Wodarg sieht im Umgang mit dem Coronavirus Panikmache. Jetzt kontert Chef-Virologe Christian Drosten die Kritik und findet deutliche Worte.*

Coronavirus: TV-Ansprache von Angela Merkel angekündigt - darum soll es gehen 

13.21 Uhr: Bei der Bundespressekonferenz erklärt Regierungssprecherin Ulrike Demmer explizit, dass Kanzlerin Angela Merkel  am Mittwochabend nicht über neue Maßnahmen für Deutschland sprechen möchte. 

„Es wird in dieser Ansprache keineswegs um die Verkündung neuer Maßnahmen gehen. Sondern, dass es in Deutschland jetzt darum geht, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen“, so die Sprecherin.  

Merkel wolle sich an die Bürger wenden, „mit dem Ziel zu erklären, wie es uns allen gemeinsam gelingen kann, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und wie sich jeder daran beteiligen kann“. 

Coronavirus: ARD/ZDF-Fernsehansprache von Angela Merkel heute Abend - darum soll es gehen 

Erstmeldung vom 18. März 2020: Berlin - Regierungssprecher Steffen Seibert teilt auf Twitter mit, dass sich Angela Merkel* heute Abend an die Bevölkerung wenden will. In den vergangenen Tagen hat die Bundesregierung bereits einschneidende Maßnahmen beschlossen und das soziale Leben in Deutschland weitgehend eingeschränkt. Schulen und Universitäten sind in den meisten Bundesländern bereits seit längerem geschlossen. 

Seit Montag bleiben Bars, Kneipen und Restaurants in Deutschland bis auf Weiteres geschlossen. Mit Ausnahmen, um die Versorgung zu gewährleisten. Dennoch tummeln sich bei den sommerlichen Temperaturen noch viele Menschen in Deutschland gemeinsam in Parks oder bei Freizeitaktivitäten. Zuletzt hatte die Kanzlerin ein Verbot gegen das Besuchen von Spielplätzen verhängt. Die Nachricht ist eindeutig: Halten sich die Bürger nicht an die soziale Isolation, dann ist auch die Eindämmungsstrategie der Regierung hinfällig. „Wir schließen ja nicht alle Schulen, damit sich dieselben Schüler dann auf dem Spielplatz treffen“, hatte die Kanzlerin am Montag in der Bundespressekonferenz gesagt. 

Coronavirus: ARD und ZDF übertragen die Fernsehansprache von Angela Merkel heute Abend

Es solle bei der Ansprache der Kanzlerin im Fernsehen am Mittwochabend aber nicht um die Verkündung neuer Maßnahmen drehen, meldet Seibert. Vielmehr um einen Aufruf, sich an bestehenden Schutzmaßnahmen zu beteiligen.

Immer wieder kursieren Bilder im Internet, auf denen sich trotz des Gebots, sich von Menschenansammlungen fernzuhalten, Leute in Gruppen in der Öffentlichkeit aufhalten. Durch das Coronavirus ist auch die Wirtschaft auf Talfahrt. Doch sind die Börse-Werte Dax und Dow-Jones tatsächlich ein geeigneter Gradmesser? Außer Frage steht jedoch, dass die Pandemie die Wirtschaft hart trifft. Deutschland hat deshalb einige Corona-Maßnahmen für die Wirtschaft beschlossen. 

*Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

kat/nai

Rubriklistenbild: © dpa / Michael Kappeler

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