Matthias Fornoff führt durch die Sendung
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Matthias Fornoff führt durch die Sendung

Grüner bekommt Corona-Lob von SPD

Maybrit Illner krank im Bett: Vertreter erlebt trotzigen Corona-Star Palmer - „habe damals genau das Gleiche gemeint“

Lockdown, lockdowner, am lockdownsten! Was ist die Strategie gegen die steigenden Todeszahlen? Darüber diskutierte die Runde - diesmal ohne Maybrit Illner.

  • Das Thema bei „maybrit illner“ diese Woche: „Erst Lockdown, dann Impfung – kommen wir so durch den Winter?“. Wegen Erkrankung wurde die Moderatorin von „Politbarometer“-Kollege Matthias Fornoff vertreten.
  • Wirtschaftsminister Peter Altmaier kritisierte die Uneinigkeit der Länder
  • Grünen-Rebell Boris Palmer zeigt erfolgreiche Alternativ-Strategie aus Tübingen auf

Diese Gäste diskutierten bei „maybrit illner“ 

  • Peter Altmaier (CDU) - Bundeswirtschaftsminister
  • Malu Dreyer (SPD) - Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz
  • Boris Palmer (B´90/Grüne) - Oberbürgermeister von Tübingen
  • Frank Ulrich Montgomery - Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes
  • Dr. Svenja Flaßpöhler - Philosophin und Publizistin

Überraschung zu Beginn der Sendung - statt des vertrauen Gesichtes von Maybrit Illner steht die Vertretung Matthias Fornoff vor der Kamera. Der Leiter der ZDF-Redaktion „Politik und Zeitgeschehen“ und „Politbarometer“-Moderator erklärt trocken, dass Illner mit einem lästigen Infekt im Bett liege. Corona sei es aber nicht, die Testung sei negativ gewesen.

Wo man dann auch gleich bei dem großen Talkshow-Thema 2020 ist, das auch diese Sendung beherrschen wird: die Corona-Pandemie. Die Fragen im aktuellen Talk: Brauchen wir mehr Lockdown? Soll zwischen den Jahren die Zeit stehen bleiben? Impfpflicht - ja oder nein?

Corona: Altmaier schiebt bei „maybrit illner“ den Schwarzen Peter den Ländern zu

Minister Peter Altmaier hat das Wort und muss sich der heiklen Situation stellen: So schnell kann sich der Wind drehen! Hieß es noch Anfang November, die Verschärfung der Maßnahmen sei wichtig, damit an Weihnachten gelockert werden könne, lautet die Forderung nun: Weil der „Lockdown light“ nicht das erwartete Ziel erbrachte, sollen die Feiertage zur nationalen Ruhephase erklärt werden.

Altmaier macht gleich zu Beginn der Sendung deutlich, wem er die Verantwortung für die steigenden Infektionszahlen gibt: den Landesregierungen. Der Minister erklärt nicht ohne Süffisanz: „Dann hat sich gerächt, dass in dem wunderbaren System des Föderalismus‘ nicht alle ihr Herz über die Hürde geworfen haben. Es konnte sich vermutlich niemand vorstellen, dass wir heute 19.300 Neuinfektionen im Schnitt haben“. Die Kanzlerin hatte diesen Wert bereits im September prognostiziert.

„maybrit illner“-Talk: Manu Dreyer lobt Boris Palmer über den Klee

Ministerpräsidentin Malu Dreyer stimmt dem Bundesminister zu und fordert ein einheitliches Vorgehen: „Am Ende geht es darum, dass wir gemeinsam marschieren!“. Die Kritik an den Länderchefs ließ sie allerdings nicht unwidersprochen im Raum stehen und betonte: „Es dient der Sache nicht, dass immer der Eindruck vermittelt wird, der Föderalismus ist jetzt das Hauptproblem. Dreyer stellte noch mal klar: „Viele Kolleginnen und Kollegen haben ja längst beispielsweise die Weihnachtslockerungen einkassiert“.

Montgomery hatte vorher noch mal die besten Polit-Sprüche zusammengetragen und haute raus: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Virus.“. Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, der im Frühjahr noch mit seiner Haltung gegen eine bundesweite Maskenpflicht für Schlagzeilen gesorgt hatte, nahm nun die Hardliner-Haltung ein und sprach sich - erneut mit einem markigen Spruch - gegen Lockerungen über die Feiertage aus: „Das Virus kennt kein Weihnachten, keinen Ramadan und kein Chanukka, es kennt nur Opfer.“

Der Grünen-Oberbürgermeister Tübingens, Boris Palmer, fährt schon länger einen politischen Kurs, der untypisch für seine Partei ist. Neben zotigen Sprüchen zum Asylrecht und Corona setzte er in seiner Stadt konsequent - und erfolgreich - eine Corona-Strategie um, die eigentlich von der FDP unablässig gepredigt wird: Vulnerable Gruppen besonders zu schützen. Konkret heißt das: FFP2-Masken für Senioren, groß angelegte Schnelltests in Pflegeheimen und Taxi-Gutscheine für Risikogruppen.

Neuester Palmer-Erlass: das Alkoholverbot für die Stadt. Der Oberbürgermeister argumentiert resolut, wie man es sonst eher von der CSU kennt: „Wenn die Freiheiten überstrapaziert werden, reagiert die Politik mit Verboten!“. Lob für seinen Sonderweg bekam Palmer von Manu Dreyer: „Da können wir uns einiges abschauen“. Und sogar: „Es muss unser aller Ziel sein, das umzusetzen, was wir in Tübingen gelernt haben.“.

Montgomery warnt im Talk: „Wer glaubt, mit der Impfung sei alles erledigt, dem kann ich nicht mehr helfen“

Palmer wird angesprochen eine Äußerung aus dem Frühjahr, damals kritisierte er im Sat.1-Frühstücksfernsehen: „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären - aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen.“ Er rechnete damals die Folgen gegen, die eine weltweite Zerstörung der Wirtschaft mit sich bringe: nach Einschätzung der Vereinten Nationen Millionen tote Kinder durch Hunger und Unterversorgung. Ob er dazugelernt habe, wollte Fornoff wissen. „Nein, ich habe damals genau das Gleiche gemeint, mich nur dumm ausgedrückt“, blieb Palmer seinem Standpunkt treu.

Was ist denn nun mit der Impfung, will Fornoff wissen, wieso geht es in England schon los? Wann bei uns? Palmer gibt den Optimisten: „Bin mir sicher, dass wir im Sommer die Pandemie weitgehend hinter uns gebracht haben.“ Und spricht sich deutlich gegen eine Impfpflicht aus: „Wenn wir für das Impfen werben wollen, dürfen wir die, die sich aus individuellen Gründen dagegen entscheiden, nicht als Verweigerer abkanzeln.“

Montgomery warnt hingegen vor zu hohen Erwartungen: „Wer glaubt, mit der Impfung sei alles erledigt, dem kann ich nicht mehr helfen“, sagt er und kündigt an: „Auch mit Impfung werden wir weiterhin Maske tragen müssen!“.

Fazit des „maybrit illner“-Talks mit Fornoff

Das einzig Neue in der Sendung war die Vertretung von Maybrit Illner. Es ist schon erstaunlich, dass das Virus - auch nach so langer Zeit und so vielen Talk-Shows und sich immer wiederholenden Argumenten - weiterhin das Zeug dazu hat, die Menschen zum Diskutieren anzuregen. Das wird wohl auch noch lange so bleiben. Leugner davon überzeugen, dass die Lage für viele Menschen tödlich und für noch mehr Menschen zumindest lebensbedrohlich ist, konnte diese Sendung vermutlich aber leider auch nicht.

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