Bundesgesundheitsminister: Jens Spahn von der CDU.
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Bundesgesundheitsminister: Jens Spahn von der CDU.

Merkel-Vertrauter unter Druck

Vermasselter Corona-Impfstart: Dünnhäutiger Jens Spahn wird attackiert - „Er hatte Monate Zeit“

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Der Corona-Impfstart in Deutschland geht daneben. Lieferprobleme, leere Impfzentren, miserable Kommunikation - der Druck auf Jens Spahn steigt enorm.

  • Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Der Corona-Impf-Start nach Weihnachten und kurz vor Silvester geht weitgehend daneben.
  • Jens Spahn (CDU) und sein Ministerium geraten wegen der Covid-19-Impf-Planung unter anderem aus Berlin und Bayern gehörig unter Druck.
  • Im Verlauf eines hektischen Tages reagiert Spahns Ministerium doch noch.

München/Berlin - Jens Spahn ist kein Superlativ zu klein, um seinen eigenen Job in der Coronavirus-Krise einzuordnen.

So sprach er am Mittwochvormittag (30. Dezember) auf einer Pressekonferenz von einer „Jahrhundert-Pandemie“. Zu diesem Zeitpunkt stieg der Druck auf den 40-jährigen Westfalen in der Bewältigung der Corona-Pandemie aber stündlich. Pannen beim pompös angekündigten Impf-Start seit dem 27. Dezember waren unverkennbar - und mehrten sich ebenfalls beinahe stündlich.

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Jens Spahn gerät wegen Impf-Pannen unter Druck

Konkret: Im Verlauf des Mittwochs sickerte durch, dass in der Woche zwischen dem 4. und 11. Januar wohl keine Impfungen gegen das Coronavirus stattfinden können.

Zuerst gab es entsprechende Nachrichten der Landesbehörden aus Berlin, Bayern und schließlich aus Brandenburg, mit dem Hinweis, dass dieses Malheur die ganze Bundesrepublik betreffe.

Das Bundesgesundheitsministerium? Hatte sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht dazu geäußert. Dafür sprachen im Verlauf eines hektischen Tages andere - die Adressaten: Spahn und die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Jens Spahn in der Corona-Krise: Kritik aus Bayern und Berlin sowie von der SPD

„Wir haben jetzt vom Bundesgesundheitsministerium die Nachricht bekommen, dass die Lieferung in der ersten Kalenderwoche ersatzlos ausfällt“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) aus Berlin.

„Wie wir heute vom Bund erfahren haben, wird Bayern in der ersten Januarwoche – entgegen der bisherigen Zusage – voraussichtlich keine Impfstofflieferung erhalten“, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) focus.de. Es sei „unverständlich“, wie so eine Lieferung einfach entfallen könne, meinte sie weiter.

Das Land Brandenburg ließ indes via Twitter wissen: „Wir haben jetzt vom Bundesgesundheitsministerium die Nachricht bekommen, dass die Lieferung in der ersten Kalenderwoche ersatzlos ausfällt.“

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil vom kleineren Koalitionspartner kritisierte Spahn prompt öffentlich. Er warf dem Ressortleiter Versäumnisse vor. „Das Chaos rund um den Impfstart finde ich sehr ärgerlich“, sagte Klingbeil der Rheinischen Post. „Der Minister selbst hatte Monate Zeit, den geplanten Impfstart vorzubereiten. Hierzu hat er ausreichende Kompetenzen bekommen.“

Pannen bei Corona-Impfungen: Jens Spahn und sein Ministerium reagieren doch noch

Und der Bundesgesundheitsminister? Reagierte dann doch. Am späten Mittwochnachmittag verbreitete sein Ministerium bei Twitter folgende Nachricht: „Wir haben mit #BioNTech vereinbart, dass die nächste Impfstoff-Lieferung von 670.000 Dosen - wie ursprünglich geplant -  doch bereits nächste Woche, am 8. Januar 2021, erfolgen wird.“

Aber: Schon zu Beginn der Impfungen hatte es scharfe Kritik gegeben. So legte Immo Kramer, Impf-Chef im Landkreis Harz, einen Tag früher los als alle anderen - und zwar am 26. Dezember.

„Es wurde immer gesagt: bei Corona zählt jeder Tag. Wir hatten den Impfstoff am Samstag und waren bereit - warum sollten wir dann bis Sonntag warten? Das versteht kein Mensch. Ich bin froh, dass wir sofort losgelegt haben“, sagte er der Bild. Andernorts in Deutschland wurde dagegen erst ab dem 27. Dezember geimpft, wegen Absprachen mit der Europäischen Union (EU).

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Jens Spahn muss seine Arbeit immer mehr verteidigen

Spahn verteidigte seine Entscheidungen schon zu diesem Zeitpunkt - und sorgte weiter für Aufsehen. In der Sendung Bild live wirkte der CDU-Mann am Dienstag (29. Dezember) reichlich dünnhäutig.

Als er wiederholt mit Kritik an seiner Arbeit konfrontiert wurde, sagte er: „Ich verstehe nicht, was die ganze Veranstaltung hier soll.“ Tags darauf bat er um Verständnis für Anlaufschwierigkeiten bei den Impfungen.

Klingbeil vom Koalitionspartner SPD nahm ihn unmissverständlich in die Pflicht: „Wenn jetzt der Eindruck entsteht, der Staat habe diese Aufgabe nicht im Griff, steigert das nicht gerade das Vertrauen in das Impfen.“ (pm)

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