Grenzwert für Coronavirus-Hotspots

Corona-Neuinfektionen: Eine bayerische Stadt reißt Obergrenze deutlich - auch zwei weitere Orte liegen darüber

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Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus sinken bundesweit etwas, doch eine bayerische Stadt sprengt nun sowohl die bundes- als auch bayernweit geltende Obergrenze.

  • Der deutsche Anti- Coronavirus-Plan sieht eine bestimmte Obergrenze für Neuinfektionen vor. Wird diese überschritten, drohen punktuell verschärfte Maßnahmen.
  • Einige Bundesländer gehen jedoch ihren eigenen Weg - jetzt auch Bayern.
  • Der Freistaat hat nun drei Hotspots, die die Obergrenze reißen. 
  • Die wichtigsten Sars-CoV-2-Fakten*, die bundesweiten Corona-News* sowie die Fallzahlen-Karte*, und die Corona-Schutz-Empfehlungen*.

Update vom 25. Mai: Nachdem in den vergangenen Tagen kein Landkreis in Deutschland die Corona-Obergrenze überschritten hat, wurde am Montag doch wieder ein Ausreißer vermeldet. Der Landkreis Regensburg liegt mittlerweile deutlich über dem Grenzwert. In den vergangenen sieben Tagen vermeldete der Kreis 72,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, berichtet das lokale Portal regensburg-digtial.de unter Berufung auf Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI). Eine wichtige Rolle spielt dabei ein Virus-Ausbruch in einem Asylbewerberheim.

Die RKI-Daten zeigen einem Focus-Bericht zufolge außerdem, dass die Kreise Coburg und Lichtenfels bei mehr als 35 Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen verzeichnen - insofern problematisch, weil das bayerische Kabinett die Obergrenze von 50 auf 35 Fälle heruntergesetzt hat. Sobald die Grenze überschritten wird, müssen die Maßnahmen verschärft werden. Weitere Nachrichten zur Corona-Lage im Freistaat lesen Sie im aktuellen Bayern-Ticker

Wie geht es in Deutschland weiter in der Corona-Krise? Nun sind Details zu den Plänen des Bundes im Bezug auf die Corona-Maßnahmen durchgesickert.

Neuinfektionen: Alle Regionen liegen unter Obergrenze - nur Bayern reißt Warnschwelle

Update vom 21. Mai: Zur Zeit reißt in Deutschland keine Region mehr die Obergrenze von 50 Neuinfektionen binnen sieben Tagen je 100.000 Einwohnern. Das berichtet n-tv unter Berufung auf das Robert-Koch-Instituts (RKI). Selbst in den bisherigen Hotspots in Bayern, Thüringen und Nordrhein-Westfalen liege die „Sieben-Tage-Inzidenz“ wieder unter der „Alarmschwelle“. 

Allerdings überschreitet Bayern noch die „Warnschwelle“: Hier bewegen sich aktuell zwei Landkreise und zwei Städte über der für den Freistaat vereinbarten Obergrenze von 35 Neuinfektionen. Regensburg ist neu hinzugekommen, nachdem das RKI einen Fallzahlen-Anstieg auf 37,4 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner registrierte.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): Im Freistaat gilt eine schärfere Obergrenze als bundesweit.

Erstmeldung vom 19. Mai: München - Das Bundesland Bayern* hat eine deutliche Verschärfung der Obergrenze für Coronavirus-Neuinfektionen* beschlossen - auf 35 Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in einer Stadt oder einem Landkreis statt den bislang geltenden 50. Das teilte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) in München mit. 

„Das Virus ist nicht besiegt, also wird es diese lokalen Ausbrüche immer wieder geben“, sagte Herrmann. Dieses „Frühwarnsystem“ für Hotspots sei in der aktuellen Phase der Pandemie sehr wichtig. Auf Twitter erklärte Herrmann kurz darauf: „Ab Pfingsten ist Urlaub* in Bayern wieder möglich - immer mit klaren Hygienevorschriften“, sowie „Bayerns Corona-Strategie wirkt, wir bleiben wachsam!“

Coronavirus-Obergrenze herabgesetzt - drohen neue Kontaktbeschränkungen? 

Mit der neuen Obergrenze soll dann den Fallzahlen* gemäß die Neuinfektionen stufenweise wieder reduziert werden, etwa durch das Aufspüren von Kontaktpersonen*, die Quarantäne von bestimmten Einrichtungen oder die Schließung* von bestimmten Geschäften oder - im schlimmsten Fall - wieder strengere Kontaktbeschränkungen*.

Auf der Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung hieß es, die Neuinfektionszahlen in Bayern seien stabil - aber es gebe Hotspots im Freistaat: den Landkreis Coburg (82,2 Fälle pro 100.000 Einwohner) und die Stadt Straubing (54,4 Fälle). Die Ursachen seien aber sehr klar, in Coburg gab es zum Beispiel Reihentestungen in Altenheimen. Seien die Infektketten nachvollziehbar, könne man lokale Maßnahmen treffen, wie ein Besuchsverbot im Altenheim.

Der Landkreis Straubing hatte daraufhin mitgeteilt, dass die Lockerungen der Corona-Auflagen* nicht zurückgenommen werden und verwies dabei auf eine Mitteilung des Gesundheitsministeriums. Wörtlich heiße es darin: „Weitere Maßnahmen auf breiter Bevölkerungsebene im Landkreis und Stadtkreis scheinen in der aktuellen Situation nicht geboten.“ Und weiter: Sollten die Infektionszahlen in den nächsten Tagen und Wochen steigen, „müssen die Maßnahmen dahingehend angepasst werden“.

Markus Söder (CSU) zu Coronavirus-Notbremse: „Zentrales Element“

Für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war die Coronavirus-Neuinfektions-Obergrenze, auch „Notbremse“ genannt, der wichtigste Punkt im Exit-Plan aus dem Shutdown. Sie sei eine Notfallpolice, die allen aufzeige, wann wieder eingeschritten werden müsse, hatte der CSU-Chef nach der Bund-Länder-Schalte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel* (CDU) am 6. Mai erklärt. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) war der Bild-Zeitung zufolge im Vorfeld ohnehin für eine Obergrenze von 35 Neuinfektionen gewesen.

Söder fuhr fort: Dies sei das „zentrale Element“ aller Planungen. Nur so könne mit regionalen Pandemie-Plänen „mit mehr Personal, mehr Tests, mit mehr Containment vor Ort“ rechtzeitig verhindert werden, dass das öffentliche Leben wieder landesweit heruntergefahren werden müsse.

Coronavirus-Obergrenze: Angela Merkel ermahnt Frankreichs Präsident Macron

Merkel hat unterdessen eine Angleichung der Regeln zur Bekämpfung der Corona-Pandemie innerhalb der Europäischen Union angemahnt, um den freien Reiseverkehr wieder zu ermöglichen. Sie regte am Montag nach einem Gespräch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron an, sich dabei an der deutschen Obergrenze für Neuinfektionen zu orientieren. 

„So muss es auch in anderen Ländern sein, dann kann man sich gut aufeinander verlassen“, betonte Merkel. „Wir müssen den Mut haben - das wird jetzt das Wichtige sein - nicht einfach auf Teufel komm raus (.) alle Regionen gleichermaßen zu behandeln“.

Merkel und Macron planen eine deutsch-französische Initiative* für die wirtschaftliche Erholung Europas und hatten am Montag in einer Videoschalte über Projekt beraten. In der Debatte um Preiserhöhungen für Fleischprodukte im Zuge der Corona-Krise schlägt sich ein CSU-Politiker auf die Seite der Grünen.

frs mit Material der dpa

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Kay Nietfeld

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