„Gute Nacht, Deutschland“

Scheuer und Spahn? Wut und Spott über neue Taskforce für Corona-Tests: „Belohnung für sein Versagen“

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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Eine neue Taskforce für Corona-Tests: So steht es im Gipfel-Beschluss von Mittwoch. Viele dürfen dabei mitreden. Vor allem die Besetzung der Leitung empört einige.

Berlin - Eine Taskforce also. So eine Arbeitsgruppe soll jetzt gegründet werden, um im Kampf gegen Corona voranzukommen. Es geht dabei um eine ganz zentrale Aufgabe: „Bund und Länder bilden eine gemeinsame Taskforce Testlogistik, um die größtmögliche Verfügbarkeit und zügige Lieferung von Schnelltests einschließlich Selbsttests für die Bedarfe der öffentlichen Hand sicherzustellen“, heißt es im Beschluss des Corona-Gipfels vom Mittwoch.

Denn noch sind nicht ausreichend Testkapazitäten in Deutschland vorhanden, um schrittweise Öffnungen auch wirklich abzusichern. Schnell muss es jetzt gehen, da sind sich alle einig. Doch die Test-Taskforce droht wieder zu einem bürokratischen Monster zu werden. Jedenfalls sollen einige Personen mitreden dürfen: Bundesfinanzministerium, Bundesarbeitsministerium, Bundeswirtschaftsministerium, Bundeskanzleramt und auf Seiten der Länder je ein Vertreter, „der in führender Funktion die Testlogistik verantwortet sowie aus Produzenten, Handel und Logistikbranche“.

Doch das ist noch lange nicht alles: Vor allem die Leitung des Taskforce sorgt im Netz für Spott. Das Bundesgesundheitsministerium, also Jens Spahn (CDU), und das Bundesverkehrsministerium, also Andreas Scheuer (CSU), sind dafür vorgesehen. Nachdem Scheuer vor allem mit der Pkw-Maut für einen Skandal und viel Aufsehen gesorgt hat, fürchten viele nun das nächste Debakel. Und auch Spahn musste rund um das Impfen und diverse Testankündigungen viel Kritik einstecken.

Taskforce für Corona-Tests: „Das ist das schlechteste Regierungsmanagement aller Zeiten“

Das gibt vielen Oppositionspolitiker Anlass, sich auf Twitter über die Personalien zu beschweren. Marco Buschmann, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP, schreibt: „Unfassbar genug, dass die MPK erst nach über einem Jahr Pandemie über eine Taskforce zur Beschaffung von Schnelltests spricht. Wer ausgerechnet Andreas Scheuer gemeinsam mit Jens Spahn die Leitung der Taskforce übergibt, hat offenbar nicht vor, das Problem schnell zu lösen.“ Er schiebt hinterher: „Das ist das schlechteste Regierungsmanagement aller Zeiten.“

Der frühere Linken-Parteivorsitzende Bernd Riexinger lässt ebenfalls kein gutes Haar an der Leitung: „Wenn Scheuer ernsthaft irgendeine Verantwortung zur Lösung der Corona-Pandemie übertragen wird, dann wissen wir, dass die Bundesregierung faktisch am Ende ist.“

Sein Linken-Kollege Fabio De Masi holt noch Angela Merkel ins Boot: „Die Kanzlerin ist eben Physikerin. Sie hat sich gedacht die Sache ist wie Mathe: minus * minus = plus“.

Spott über Taskforce-Besetzung: „Ich habe gedacht, jetzt bin ich in einer Comedy-Sendung“

Michael Kaufmann vom AfD-Landesverband Thüringen meint: „‘Es klingt wie der Beginn eines schlechten Witzes: Gründen Jens Spahn und Andreas Scheuer eine Taskforce für Testlogistik.‘ So steht es aber im Bund-Länder-Beschluss. Fazit: Vorbereitung der Regierung auf Lockerungsplan erscheint dilettantisch.“

In einem Welt-Interview sagt Grünen-Chef Robert Habeck, er habe „im Grunde“ keine Erklärung dafür, dass scheinbar bisher nicht genügend Tests bestellt wurden sind. Er kritisiert: „Jetzt lockern wir und hoffen, dass die Tests kommen. Das ist genau falschherum eigentlich.“ Habeck hält zu den Bestellungen fest: „Statt also pragmatisch vorzugehen, gründen wir einen Arbeitskreis aus sieben Ministerien unter der Führung des Gesundheits- und des Verkehrsministeriums. Als ich das gehört habe, habe ich gedacht, jetzt bin ich in einer Comedy-Sendung gelandet, denn diese beiden Ministerien sind nun wahrlich nicht die Leistungsträger dieser Regierung.“

Dem schließt sich Franziska Brantner, Grünen-Abgeordnete im Bundestag, an: „Wenn Andi Scheuer jetzt für die Tests zuständig ist, dann Gute Nacht Deutschland! Als Belohnung für sein Versagen bei anderen Großprojekten soll er jetzt diese lebenswichtige Aufgabe übernehmen.“

Taskforce mit Spahn und Scheuer: Twitter-User spotten über die Personalauswahl

Und auch von anderen Twitter-Nutzern kommt überwiegend Hohn. „Ich hätte ja mehr Vertrauen, wenn man Benjamin Blümchen und Biene Maja zur Taskforce gemacht hätte, anstatt Scheuer und Spahn“, heißt es da etwa. Zudem sind Wortspiele beliebt: Aus „Force“ werde „Farce“ beispielsweise. Und auch über die Tatsache, dass überhaupt erst einmal der bürokratische Weg einer Taskforce gewählt wird, stößt einer Landärztin sauer auf: „Das nächste Mal, wenn ich in der Praxis schnell jemanden auf einen Herzinfarkt testen muss, bestelle ich erstmal eine Taskforce. Ordnung muss sein.“

In den Augen der Kommentatoren sind das also keine guten Aussichten, das Coronavirus mit einer entsprechenden Teststrategie zu besiegen. Dabei ist das ein zentrales Element, um beschlossene schrittweise Öffnungen auch sicher umsetzen zu können. (cibo)

Rubriklistenbild: © Florian Gaertner/photothek.net/imago-images

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