Es lief aus dem Ruder

Corona-Shitstorm gegen Kretschmann artet aus: Grüner reagiert drastisch

  • Moritz Bletzinger
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Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat seit einem Flughafen-Video mit massiven Anfeindungen zu kämpfen. Er setzt dem ein Ende.

  • Winfried Kretschmann hatte mit einem massiven Shitstorm zu kämpfen. 
  • Ein Corona-Fauxpas am Flughafen Berlin-Tegel ließ die Hass-Kommentare und Verschwörungstheorien auf seiner Facebook-Seite eskalieren. 
  • Der baden-württembergische Ministerpräsident reagierte nun extrem und löschte sein Profil. 
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus* und die Corona-News aus Deutschland. Außerdem bieten wir Ihnen in einer Karte die aktuellen Fallzahlen in Deutschland*.

Stuttgart - Ein Bonbon und das Coronavirus* wurden Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann zum Verhängnis. Als er sich in der Wartehalle des Flughafens Berlin-Tegel eine Süßigkeit erlaubte, kam es zu dem, was extremere Folgen hatte, als man denken sollte. Dabei hat er mit der Aufarbeitung der Krawall-Nacht in Stuttgart ohnehin viel um die Ohren.

Keiner, der das Tragen einer Maske verweigert: Winfried Kretschmann.

Weil er seinen Mundschutz - in Baden-Württemberg ist das Tragen Pflicht* - zum Naschen kurz abnahm, brandete dem Grünen-Politiker prompt eine heftige Woge der Wut entgegen. Das einzige Trostpflaster: Sie beschränkt sich auf das Internet, einen handfesten Angriff hat es auf ihn zum Glück nicht gegeben.

Coronavirus: Winfried Kretschmann wird Zielscheibe von massivem Shitstorm 

Zwar viral, war das Echo jedoch schlichtweg extrem. Im Sekundentakt wurden „zahlreiche Falschaussagen, Verschwörungserzählungen, Drohungen, Beleidigungen und andere strafrechtlich relevante Inhalte“ verschickt und auf Kretschmanns Facebook-Seite gepostet, teilt das Staatsministerium mit. Seit der Veröffentlichung seines Podcasts am Freitagabend lief der Shitstorm gänzlich aus dem Ruder. 

Corona-Rebellen und Verschwörungsideologen“, wie sie das Ministerium nennt, hätten keinerlei Interesse mehr gezeigt, eine sachliche Diskussion zu führen. Vielmehr attackierten sie Kretschmann und andere User massiv.

Corona-Wut gegen Winfried Kretschmann: 4000 Kommentare in 20 Stunden 

In 20 Stunden seien weit über 4000 Kommentare der Störer eingegangen, heißt es in der Erklärung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Pressestelle wusste keinen anderen Ausweg mehr, als das Facebook-Profil von Winfried Kretschmann aus dem Netz zu nehmen. „Schweren Herzens“ habe man den Entschluss gefasst.

Winfried Kretschmann beendet Corona-Shitstorm - Facebook-Löschung ist ein schwerer Schritt

Mit der Löschung geht der Schwabe einen extremen Schritt, setzt den Hass-Kommentaren und Verschwörungstheorien in seinem Umfeld damit aber ein Ende. Der Wermutstropfen: Wer jetzt bei Facebook nach Winfried Kretschmann sucht, findet nur die Seite einer extrem politischen Gruppierung „Winfried Kretschmann, treten Sie zurück“. Irgendwann soll aber sein Profil auch wieder online gehen, den Rücktritts-Appell wird er sich wohl kaum zu Herzen nehmen. Den Winfried-Kretschmann-Fanclub findet man schließlich auch auf Facebook.

Corona-Fauxpas: Kretschmann entschuldigt sich und wird trotzdem angegangen

Dabei hatte sich der schwäbische Landesvater in einem Youtube-Video sogar für den Corona-Fauxpas am Berliner Flughafen entschuldigt. „Nehmen Sie sich daran kein Beispiel“, räumte er seinen Fehler ein und versprach, es nicht wieder vorkommen zu lassen. 

Wie Markus Söder es in Bayern tat, mahnte auch Kretschmann, die Coronavirus-Pandemie sei definitiv noch nicht vorbei. Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln seien nach wie vor unabdingbar*. Die Corona-App* sei eine sehr gute Neuerung, die das Virus aber eben nicht verschwinden lässt. 

In genau diesem Punkt widersprechen ihm allerdings zahlreiche Facebook-User. Das Coronavirus sei besiegt, oder von vornherein harmlos, manche sagen sogar frei erfunden, gewesen, verschwören sie sich. 

Dass Shitstorms nicht nur Prominente treffen könnten, musste jetzt eine US-Amerikanerin am eigenen Leib spüren. Sie bekam bei Starbucks keinen Kaffee - und das aus einem eigentlich banalen Grund.

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Christoph Schmidt

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