Im Krisengebiet im Einsatz: Der Virologe Hendrik Streeck befindet sich derzeit in Heinsberg.
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Im Krisengebiet im Einsatz: Der Virologe Hendrik Streeck befindet sich derzeit in Heinsberg.

Restaurantbesuche offenbar unbedenklich

Corona-Krise: Pilotprojekt in Heinsberg gestartet - so soll die Dunkelziffer der Infizierten ermittelt werden

Noch immer rätselt die Welt, wie viele Menschen sich unwissentlich mit dem Coronavirus infiziert haben. In Nordrhein-Westfalen will ein Virologe der Dunkelziffer auf die Spur kommen.

  • Zu den besonders vom Coronavirus* heimgesuchten Regionen zählt der Landkreis Heinsberg in NRW.
  • Dort will sich ein Virologe mit einer großen Zahl Tests der Dunkelziffer der Infizierten annähern.
  • Der Experte würde Restaurants und Geschäfte wieder öffnen.

Update vom 19. Mai 2020: Nachdem der Virologe Hendrik Streeck vor einigen Wochen eine großangelegte Studie zur Ausbreitung des Coronavirus im Kreis Heinsberg durchgeführt hat, hat das Robert-Koch-Institut nun eine ähnliche Studie im Ort Kupferzell gestartet. Wie die Studie ablaufen soll und welche Ziele die Wissenschaftler genau verfolgen, lesen Sie bei Merkur.de*

Update vom 11. April 2020: Vor wenigen Tagen wurden die ersten Resultate der Heinsberg-Studie präsentiert. Nun äußern Experten Kritik und Zweifel.

Corona-Krise: Pilotprojekt in Heinsberg gestartet - so soll die Dunkelziffer der Infizierten ermittelt werden

Meldung vom 2. April 2020:

München/Heinsberg - Ostern steht vor der Tür und Deutschland sehnt sich nach Normalität. Doch weiterhin ist unklar, wann und ob die Maßnahmen von Bund und Ländern gegen die Ausbreitung des Coronavirus ihre Wirkung zeigen. Eine Studie, durchgeführt von Professor Hendrik Streeck im besonders betroffenen Landkreis Heinsberg *, soll nun Aufschlüsse über das weitere Vorgehen liefern.

Der Virologe, der als Erster das Symptom des vorübergehenden Geruchs- und Geschmacksverlustes* feststellen konnte, ist von der nordrhein-westfälischen Landesregierung beauftragt worden, die Dunkelziffer der Sars-CoV-2-Patienten in der Region zu bestimmen und Infektionsketten einzugrenzen. Ministerpräsident Armin Laschet erhofft sich so Erkenntnisse für eine schrittweise Lockerung der Maßnahmen.

Corona-Krise: Streeck sucht nach Besuchern einer Kappensitzung des Karnevalsvereins

Große Ausbrüche habe es insbesondere nach Feiern gegeben, erklärte Streeck der FAZ. Weil die Besucher einer Après-Ski-Bar in Ischgl aber ebenso schwierig ausfindig zu machen sind wie die Gäste eines Berliner Nachtclubs, bietet sich die Forschung in Heinsberg an. „In Gangelt im Landkreis Heinsberg war es die Kappensitzung des örtlichen Karnevalvereins“, schilderte der Leiter des Virologie-Instituts an der Universität Bonn. „Anders als bei anderen Veranstaltungen, ist es möglich, die Teilnehmer zu ermitteln.“

Bei einer repräsentativen Stichprobe von 1000 Einwohnern Gangelts wurden Abstriche und Blutproben durchgeführt. Zudem sollte jeder Teilnehmer einen Fragebogen zu seinen Vorerkrankungen und Kausalketten ausfüllen.

Corona-Krise: „Kein Infektionsrisiko in Restaurants und Geschäften“

Für Empfehlungen zu möglichen Exit-Strategien* ist es nach Angaben des Mediziners aber noch zu früh. „Wir haben nur Erfahrungswerte, keine abschließend geprüften Fakten“, sagte Streeck. Großveranstaltungen wie in Gangelt sollten seiner Meinung nach weiterhin vermieden, Abstandsregeln nach wie vor eingehalten werden. Er glaube jedoch, „dass Restaurants, Geschäfte und Supermärkte kein Infektionsrisiko darstellen“. Auf Türklinken wurde das Virus zwar nachgewiesen, eine Ansteckungsgefahr konnte aber nicht festgestellt werden.

„Unsere Empfehlungen könnten auch dazu führen, dass die Maßnahmen so rigide fortgeführt werden sollen“, merkte der 42-Jährige an. Er persönlich glaube zwar nicht daran, „aber ich kann es erst definitiv sagen, wenn wir die Daten komplett zusammenhaben“.

Corona-Krise: Streeck setzt auf Erhöhung der Zahl der Tests

Streecks Vorschlag, bis die wissenschaftlich fundierten Daten vorliegen: „Wenn wir eine Eindämmung erreichen wollen, müssen wir viel mehr testen*. Nur durch Testen und Isolieren kann man die Infektionskette durchbrechen.“ Vor allem Mitarbeiter in Pflegeheimen und Kliniken sollten regelmäßig auf das Virus untersucht werden. Denn: „Ein entscheidender Punkt ist, die besonders Gefährdeten effektiv zu schützen.“

Gesundheitsminister Jens Spahn macht Hoffnung, dass ein Heilmittel „deutlich früher“ verfügbar sein könnte. Eine Produzentin könnte offenbar viel mehr Mundschutz-Material herstellen, darf aber nur einen „Bruchteil“ ausliefern.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

jn

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