Maybrit Illner führt durch die Sendung
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Maybrit Illner führt durch die Sendung

Weihnachten als Todesrisiko?

Illner: Bei einer Frage schweigt Merkels Kanzleramts-Chef - TV-Star warnt vor „zivilem Ungehorsam“ gegen harte Regeln

Noch knapp einen Monat bis Weihnachten - für viele das wichtigste Fest des Jahres. Thema im „Maybrit Illner“-Talk: Feiern oder Nichtfeiern im Corona-Winter?  

  • Wie lang wird der Corona-Winter? Um diese Frage ging es beim „Maybrit Illner“-Talk
  • Manuela Schwesig stellt für die Feiertage klar: Familiäres Beisammensein ja, Partys nein!
  • Kanzleramtschef Helge Braun kündigt an: Es wird mehr Schnelltests geben
  • Ranga Yogeshwar schlägt vor: Beamte und Manager sollen ihr 13. Gehalt Kulturschaffenden spenden.

„Maybrit Illner“ - diese Gäste diskutierte über die nächsten Wochen mit der Pandemie

  • Dr. Helge Braun (CDU) - Chef des Bundeskanzleramtes
  • Manuela Schwesig (SPD) - Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern
  • Michael Mittermeier - Kabarettist, Autor des Buches „Ich glaub ich hatte es schon: Die Corona Chroniken.“
  • Ranga Yogeshwar - Physiker und Wissenschaftsjournalist
  • Dr. Sibylle Katzenstein - Ärztin aus Berlin-Neukölln mit „Corona-Schwerpunktpraxis“.
  • Prof. Dr. Ulrike Lüken - Psychologische Psychotherapeutin, Professorin an der Humboldt-Universität Berlin

Weihnachten und das Ende eines besonderen Jahres stehen an. Die Gäste in Maybrit Illners ZDF-Talk debattierten am Donnerstag (25. November) über eine mögliche Lockerung zu den Festtagen und darüber, wie es im neuen Jahr weitergehen wird. Folgt nun Shutdown auf Shutdown - mit kurzen Öffnungen zwischendurch?

Kanzleramtschef Helge Braun stellt gleich zu Beginn klar: Hauptzweck der aktuellen Regeln sei, eine leichte Lockerung über die Feiertage zu ermöglichen. Illner versucht Braun aus der Reserve zu lockern. Weihnachten offen - und danach wieder alles von vorn? Und zitiert Frank Ulrich Montgomery vom Weltärztebund: „Es wird ein Fest mit einem Todesrisiko!

Braun bei „Maybrit Illner“: Wenn Großonkel Karl nicht mit am Tisch sitzen darf, verstehen das die Menschen nicht

Doch auf diesen Zug springt Braun nicht auf: „Wenn es eine Regel gibt, die dazu führt, dass Großonkel Karl jetzt garantiert an Weihnachten nicht mit am Tisch sitzt, dann würde das von den Menschen nicht verstanden werden und wäre auch nicht das, was uns in der Corona-Krise den entscheidenden Vorteil bringen würde.“

Angela Merkels Kanzleramtsminister stellt nochmal klar: Den vorgezogenen Ferien-Beginn und die Woche vor den Weihnachtsfeiertagen sollten Familien mit älteren Mitgliedern für die Selbst-Quarantäne nutzen, damit sie niemanden über die Festtage anstecken: „Die Lockerung dient dem familiären Beisammensein - nicht der großen Silvesterparty! Die sollte nicht stattfinden!“

Zu strenge Regeln würden nicht funktionieren, bestätigt auch Psychologie-Expertin Ulrike Lüke. Und Ranga Yogeshwar spricht von „zivilem Ungehorsam“, der womöglich ausbrechen würde, wenn das Weihnachtsfeiern verboten würde. Lüken gibt zu bedenken, dass viele Menschen - nach den akuten Angstzuständen im Frühjahr - nun vor allem mit Depressionen zu kämpfen hätten. Ein Lichtblick sei wichtig.

Appell bei „Maybrit Illner“: 400 Corona-Tote am Tag ethisch völlig unvertretbar

Illner lenkt den Blick wieder zurück auf die aktuellen Shutdown-Maßnahmen. Schwesig droht: „Wenn man sich nicht anstrengt, dann drohen weitere harte Maßnahmen!“ Das seien dann Alkoholverbot, Ausgangsbeschränkungen, ergänzt Illner. Und Braun argumentiert mit den Todeszahlen, derzeit rund 400 Corona-Tote am Tag in Deutschland - Tendenz weiter steigend, was er „ethisch völlig unvertretbar“ finde.

Sibylle Katzenstein erzählt von der Situation vor Ort: In ihrer Praxis seien inzwischen 1300 Corona-Patienten getestet und keine ihrer Angestellten und auch niemand der anderen Patienten hätten sich bislang angesteckt. Mit gutem Schutz - FFP2-Masken und flächendeckenden Schnelltests - sei das gut möglich. Die aktuelle Ansage, weniger Tests trotz steigender Zahlen, verstehe sie nicht. Die Antwort vonseiten der zugeschalteten Politiker bleibt aus.

„Maybrit Illner“-Corona-Talk: Es fehlen Schnelltests

Zu den Schnelltests äußert sich Braun und gesteht ein: „Wir haben leider nicht genügend für alle.“ Es gebe noch Lizenzfragen zu klären. Stichwort Impfstoff. Ärztin Katzenstein berichtet wieder aus der Praxis: „Wie soll das stattfinden? Wollen wir das wie in Asien machen, wo sich alle anstellen und dann durchgeimpft werden?“ Wenn die Bundesregierung die Unterstützung der Hausärzte brauche, wieso gebe es dann nicht jetzt schon Planungen und Kommunikation mit den Arztpraxen? Schwesig wirft ein, mit der Organisation könnte man erst beginnen, wenn der Impfstoff da sei.

Ranga Yogeshwar widerspricht und stimmt der Ärztin zu, dass Kommunikation ein wesentlicher Faktor bei der Impfung sein werde. Auch Braun sieht das so: „Wenn es ,Fake News’ gibt, die unsere Impfkampagne beeinflussen - das wäre wirklich ganz schlimm, da müssen wir sehr, sehr aufpassen. Das darf nicht passieren.“

Yogeshwar fordert bei Illner: Beamte sollen 13. Monatsgehalt an Kulturschaffende spenden!

Zum Ende bringt der zugeschaltete Comedian Michael Mittermeier die Not der Kulturschaffenden nochmal zur Sprache: „Da sind Hunderttausende Menschen, die keinen Job haben!“ Und viele, die die Hilfe nicht erreichen würde.

Zugeschaltet aus Hennef überrascht Yogeshwar mit einem ungewöhnlichen Vorschlag: „Warum nicht bei vielen Beamten sagen: Dieses Jahr gibt es nicht das 13. Monatsgehalt - sondern das geht an Mittermeier & Friends.“. Mittermeier selbst wiegelt schnell ab: Er persönlich brauche kein Geld - aber wieso schaffe man nicht ein Äquivalent zum Kurzarbeiter-Geld für Kulturschaffende? „Gebt mir die Nummer von Olaf Scholz. Die Politiker müssen lernen, die Branche zu verstehen!“

Fazit des „Maybrit Illner“-Talks

Fahrt nahm die Sendung vor allem in der zweiten Hälfte mit neuen Themen auf: Schnell-Tests, Impf-Planung brachten neue Aspekte in das Thema, das seit Monaten die Welt beherrscht.

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