Ein Mitarbeiter zeigt die erste Spritze und Ampulle mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer, die Margaret Keenan verabreicht wurden und Teil einer neuen COVID-19-Austellung im Science Museum sein werden.
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Begehrter Stoff: Impf-Präparate sind in der Corona-Pandemie natürlich gefragt - Betrüger haben hier ihre Chance gewittert.

Jetzt ermittelt Interpol

Impfstoff-Fake: Betrüger wollten 14 Milliarden Euro von Spahn und den Ländern abzocken

  • Moritz Bletzinger
    vonMoritz Bletzinger
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Impfstoff wird händeringend gesucht - Bundesländern wurden verlockende Impfstoff-Deals angeboten. Hinter dem Milliarden-Geschäft steckte aber ein dreister Fake.

Düsseldorf/München - Der AstraZeneca-Impfstoff ist in Europa knapp. Der neuerliche Impfstopp rückt diese Problematik zwar etwas in den Hintergrund, sollte die Untersuchung der europäischen Arzneimittelbehörde aber positiv ausfallen, ist das Präparat wieder ein zentraler Baustein in Deutschlands Corona-Strategie.

Genau daran wollten sich offenbar dreiste Betrüger bereichern. Der deutschen Bundesregierung sowie einigen Ländern sollen verblüffende Angebote gemacht worden sein. Die Sprache ist von Millionen Impfstoff-Ampullen. Günstig und schnell.

Dubioses Impfstoff-Angebot: Betrüger versprechen fünf Millionen Dosen pro Woche

Das Gesundheitsministerium von Nordrhein-Westfalen ließ dem Focus eine Passage aus dem Fake-Angebot zukommen. Der Absender habe sich als „medizinisch-technischer Berater“ vorgestellt und als sogenannter Vermittler ausgegeben, heißt es in dem Bericht.

„Die Auslieferung erfolgt in wöchentlichen Tranchen von bis zu fünf Millionen Stück, wobei die maximale Menge bei fünf Millionen Impfdosen liegt. Die erste Bestellung gilt nur als Bewerbung. Vielen Dank und handeln Sie schnell“, zitiert das Ministerium aus der ominösen Mail.

Coronavirus: Impfstoff-Fake fliegt auf - Spahn lehnt „zwielichtigen“ AstraZeneca-Deal ab

„Widersprüchlich und zwielichtig“ sei die Nachricht ohnehin gewesen. Aber spätestens der letzte Satz habe die mangelnde Seriosität entlarvt, erklärt ein Sprecher. In Düsseldorf wurde das Angebot deshalb ignoriert. Auch in den anderen betroffenen Bundesländern hat offenbar kein Ministerium zugeschlagen.

Im Bundesgesundheitsministerium lehnte Jens Spahn ebenfalls ab. Deutschland sei „Teil des Beschaffungsmechanismus der EU“, teilte das Ministerium dem Focus mit, „die EU-Kommission schließt im Auftrag der Mitgliedsstaaten Verträge mit Impfstoffherstellern ab.“ Über die weiteren Beschaffungs-Vorhaben beraten Merkel und die Ministerpräsident:innen am Donnerstag mit EU-Kommissionspräsidentin Von der Leyen.

AstraZeneca-Betrug: 100 Millionen Dosen für 14 Milliarden Euro? Angebote alle fake

Die Betrüger sollen ihre Masche aber nicht auf Deutschland beschränkt haben. In mehr als einem Dutzend europäischer Staaten seien die dubiosen Deals angeboten worden, heißt es - „alle sind falsch“. Von insgesamt etwa 100 Millionen angebliche Dosen für 14 Milliarden Euro, spricht das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung.

Meldungen zu erfolgreichen Betrugsversuchen liegen dem Amt nach eigenen Angaben aktuell nicht vor. Weitere Informationen wollten die Verantwortlichen aber noch nicht preisgeben. Denn Interpol und die EU-Behörde ermitteln.

In der Corona-Krise wollen sich einige Menschen perfide bereichern. In Bonn wurden Rentnern angebliche Impf-Pakete für 6.000 Euro angeboten. Die Polizei warnt eindringlich vor solchen Telefonbetrügern.

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