„Ich verstehe das nicht“

Debatte um Corona-Impfstoffe: Lindner fordert Krisenproduktion - Spahn warnt vor „Impfnationalismus“

  • Luisa Billmayer
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Am Sonntag war es so weit: Die ersten Menschen in Deutschland wurden gegen das Coronavirus geimpft. Jetzt gab es Stimmen, es gebe zu wenig Impfstoffe. Jens Spahn erklärte, woran das liegt.

  • Die ersten Impfdosen gegen das Coronavirus* werden produziert und verteilt.
  • Christian Lindner und Markus Söder forderten höheres Tempo.
  • Jens Spahn hielt dagegen und erklärte, dass in Marburg eine neue Produktionsstätte geschaffen werde

Berlin - „Es ist ein krisenhafter Zustand, da brauchen wir eine Krisenproduktion“, sagte FDP-Chef Christian Lindner bezogen auf die Corona-Pandemie. „Wir sollten alle Voraussetzungen rechtlich, wirtschaftlich, politisch und technologisch treffen, damit schneller geimpft werden kann. Das ist eine Frage von Leben und Tod, eine Frage unserer Freiheit und es ist eine Überlebensfrage auch für unsere Wirtschaft. Denn die ist schon auf der Intensivstation“, sagte er am Sonntagabend in einer Sendung der Bild.

Jens Spahn sprach im ZDF-Morgenmagazin über die Impfstoffproduktion in Deutschland.

Debatte um Corona-Impfstoffe: Lindner fordert Krisenproduktion

Konkreter wurde Lindner bei der Impfstoffproduktion*. „Die Regierung sollte mit der pharmazeutischen Industrie insgesamt prüfen: Wo gibt es noch Kapazitäten, die genutzt werden können für die Produktion eines Impfstoffs?“, sagte er und regt dazu an, die Produktion durch andere Hersteller zu stärken. Bisher wird der Impfstoff nur von Biontech und Pfizer* selbst produziert. Lindner propagierte eine Lizenz-basierte Herstellung von anderen Produzenten.

Der Linke-Gesundheitspolitiker Achim Kessler sagte dem Spiegel: „Der Gesundheitsminister kann nach dem ersten Bevölkerungsschutzgesetz Unternehmen zwingen, anderen Unternehmen eine Lizenz zum Nachproduzieren zu gewähren.“ Das müsse die Bundesregierung jetzt schnell tun. „Wenn die Bundesregierung jetzt nicht alle gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpft, gefährdet sie zahllose Menschenleben.“ Auch Markus Söder hatte vor Engpässen gewarnt und kritisiert, dass es noch nicht genügend Impfstoff gebe.

Debatte um Corona-Impfstoffe: Spahn warnt vor „Impfnationalismus“

„Ich versteh diesen Impfnationalismus nicht“, erklärte Gesundheitsminister Jens Spahn am Montag im ZDF-Morgenmagazin auf die Frage, warum nicht mehr Impfstoff in Deutschland hergestellt werde. Die Produktion befinde sich in Deutschland, in Belgien die Abfüllanlage des Biontech-Impfstoffes. „Wir sind in dieser Pandemie gut damit gefahren uns europäisch zu vernetzen. Wir tun zusammen mit Biontech und Pfizer alles dafür, dass es zusätzliche Produktionsstätten in Deutschland, wie etwa in Marburg, geben kann“, stellte Spahn klar. „Ziel ist es, noch im Februar oder März dort die Produktion möglich zu machen. Das würde die Menge enorm erhöhen.“

„Ich wundere mich nur über einen Eindruck, der gerade gemacht wird: Als könnte man die Impfstoffproduktion innerhalb von drei bis vier Wochen in Deutschland oder Europa beliebig hochfahren“, mahnte Spahn. Im Bereich der Arzneimittelherstellung seien Impfstoffe das „komplexeste und anspruchsvollste, was es gibt“. „Das braucht Vorlauf“, so der Gesundheitsminister. In Marburg seien diese Planungen im Gange und daher auch schnell mit Erfolg zu rechnen.

Auch wenn die kommenden Impfungen die Corona-Lage in Deutschland entschärfen dürften sprach sich Gesundheitsminister Jens Spahn unterdessen gegen Sonderregeln für Geimpfte - oder gar eine Impf-Pflicht - aus. (lb mit dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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Rubriklistenbild: © Screenshot ZDF

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