Tierheime leiden unter Corona-Krise
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Für Haustiere könnte es bald eine Corona-Meldepflicht geben.

Klöckner bringt Plan auf den Weg

Meldepflicht für Haustiere: Muss ein infiziertes Tier in Quarantäne?

Ein Schritt von internationaler Bedeutung? In Deutschland könnte bald eine Corona-Meldepflicht für Haustiere gelten. Halter von 31 Millionen Tieren sind betroffen.

  • Immer noch gibt es viele offene Fragen zum Coronavirus - einige davon betreffen auch Haustiere.
  • Ministerin Julia Klöckner hat nun eine Corona-Meldepflicht für Tiere auf den Weg gebracht - 31 Millionen Haustiere gibt es in Deutschland.
  • Eine pauschale Testpflicht gibt es aber nicht. Klöckner sieht den Schritt als international bedeutsames Projekt.
  • Hier finden Sie die wichtigsten Sars-CoV-2-Fakten*, die bundesweite Fallzahlenkarte* sowie die „Corona News“ auf Facebook.

Berlin - Schon bald soll eine Corona-Meldepflicht für Haustiere in Kraft treten. Das hat Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) angekündigt. Eine Verordnung dazu liege den Bundesländern vor und solle am 3. Juli im Bundesrat verabschiedet werden. Betroffen sind dann die Besitzer von rund 31 Millionen Haustieren in Deutschland.

Auf sie kommt damit aber nicht etwa die Pflicht zu, Hunde, Katzen, Meerschweinchen oder Kaninchen pauschal testen zu lassen. Es gebe bisher auch keine Hinweise darauf, dass Menschen sich bei ihren Haustieren mit dem Virus ansteckten, betonte Klöckner. Weltweit gebe es aktuell lediglich 15 gemeldete Infektionen mit dem Coronavirus bei gehaltenen Tieren.

Coronavirus: Meldepflicht für kranke Haustiere in Deutschland - bedeutsames Projekt?

Der Test sei nur sinnvoll bei klinischen Symptomen der Tiere, erklärte die Ministerin weiter. Ziel sei es, weitere Informationen zur Infektion mit dem Coronavirus und zur Ausbreitung zu bekommen. Die Tierärzte, die testen, müssen positive Fälle dann bei den Behörden anzeigen. Das soll für alle vom Menschen gehaltenen Tiere gelten, auch für Zootiere. Schlagzeilen hatte im April der Fall eines an Covid19 erkrankten Tigers gemacht.

Klöckner erklärte, die Meldepflicht sei auch international von großer Bedeutung für die Wissenschaft, um Informationen zu Übertragung*, Vorkommen und Ausbreitung des Coronavirus zu erhalten: "Für die Prävention und eine frühzeitige Bekämpfung des Virus ist das unerlässliche Voraussetzung."

Corona: Klöckner rät zu Test bei Katzen in Virus-Haushalten - freiwillige Tests kosten aber

Sinnvoll könne es aber sein, Katzen testen zu lassen, die in Haushalten mit Corona-Infizierten leben, sagte Klöckner. Die Übertragung von Mensch auf Tier ist im Falle von Katzen durchaus möglich, wie unter anderem Merkur.de* berichtet. Nur, wenn ein Veterinäramt den Test anordnet, werden die Kosten übernommen. Wer sein Haustier freiwillig testen lassen will, muss das selbst bezahlen. 

Julia Klöckner und Thomas Mettenleiter, Leiter des Friedrich-Loeffler-Instituts bei ihrer Pressekonferenz.

Die Kosten lägen „im unteren zweistelligen Bereich“, sagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (RLI), Thomas Mettenleiter. Antikörper-Tests, die eine überstandene Infektion anzeigen, seien etwas teurer. Das RLI, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, soll die erhobenen Daten erhalten und für ein Forschungsprogramm nutzen. Dabei sollten gefundene Viren genauer auf ihre Genetik überprüft werden, auch die Empfänglichkeit von Tieren für das Coronavirus werde getestet.

Corona: Quarantäne für den Kater? Covid-19 betrifft auch Haustiere

Für das Tier und seinen Besitzer hat die Prozedur weniger Vorteile. Eine spezielle Behandlung gebe es nicht, so Mettenleiter. Sinnvoll könne es in bestimmten Fällen sein, „den Kontakt zum Haustier möglichst zu unterbrechen, so gut es geht“ - etwa durch eine Art Quarantäne in einem bestimmten Zimmer oder auf einer Quarantänestation in einem Veterinäramt. Die Quarantänezeit* liege ähnlich wie beim Menschen bei etwa zwei Wochen.

Mettenleiter räumte ein, dass eine Erkrankung der Haustiere nicht leicht zu erkennen sei. So sei ein Unterschied zum normalen Katzenschnupfen nicht feststellbar. Allerdings könne das Coronavirus auch bei Katzen zu Atemnot führen. Außerdem gebe es Hinweise, dass Katzen den Erreger über ihren Kot ausschieden.

Entwarnung gibt es für Tierfreunde, die sich Ratten oder Mäuse halten: Sie seien nach bisherigem Kenntnisstand nicht infizierbar, sagte Mettenleiter. Sein Institut testet auch, wie es bei Nutztieren aussieht. Schweine und Hühner stecken sich demnach nicht an. Versuche mit Wiederkäuern wie Rindern sollen folgen.

Aufmerksamkeit erregte zuletzt eine anders gelagerte Corona-Studie aus Deutschland: Sie sollte in Baden-Württemberg klären, inwieweit gerade Kinder die Ausbreitung des Virus vorantreiben. Die Bundesregierung beschäftigt sich unterdessen mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie.

dpa/AFP/fn

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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