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Lauterbach warnt, bekommt Hiobs-Botschaft aus London - und eine wichtige Zusage

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Von: Christian Deutschländer

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Karl Lauterbach (SPD) spricht
Karl Lauterbach (SPD) steht als Gesundheitsminister vor der Aufgabe, genug Corona-Impfstoff zu besorgen © Bernd von Jutrczenka/dpa

Karl Lauterbach erklärt bei seinem ersten Auftritt als Gesundheitsminister in der Bundespressekonferenz die neue Corona-Strategie. Vor allem die Zeit wird die entscheidende Rolle spielen.

Berlin – Seit einer Dreiviertelstunde sitzt er jetzt vor dieser blauen Wand, und langsam blitzt bei Karl Lauterbach ein bisschen Ungeduld durch. „Ich kann doch nicht mit einer Excel-Tabelle die Ärzte überzeugen, dass sie eigentlich genügend Impfstoff hätten“, sagt er, „aber nächste Woche nur die Hälfte der bestellten Menge liefern.“ Er sage das auch aus seiner eigenen Erfahrung als Impfarzt.

Das klingt schlüssig und kantig beim ersten Auftritt des neuen Gesundheitsministers in der Bundespressekonferenz. Trotzdem ist der Raum voll Fragezeichen, ein Zahlensalat um bestellte, gelieferte, gelagerte, verimpfte, gespendete, zugesagte, nachgeorderte, vorgezogene, übrig gebliebene Dosen. Auch nach Lauterbachs Auftritt ist nicht nachzuvollziehen, wie groß der Mangel im Land ist. Gleichzeitig keimt Hoffnung, dass es nicht so wild sein wird – denn auf allen Kanälen wird Nachschub besorgt.

Karl Lauterbach: Booster-Impfung gegen Omikron-Variante wirkungsvoll

Lauterbach selbst hatte am Dienstagabend den Alarmruf losgelassen. Bei einer Inventur habe er festgestellt, dass nur drei Millionen Dosen übrig sind. Das passt nicht zu Unterlagen seines Ministeriums, aus denen hervorgeht, dass 18,8 Millionen unverimpfte Dosen aus den Vorwochen da sein müssten. Es legt den Verdacht nahe, dass Millionen Ampullen verschwunden sein müssen – real, oder zumindest aus der Impfstatistik.

Das ist fatal. Eigentlich impft das träge Deutschland gerade schneller denn je, 1,5 Millionen Dosen allein am Mittwoch. Lauterbach sagt, dass Ärzte und Impfzentren für kommende Woche acht Millionen Dosen geordert hätten, er aber nur 4,6 Millionen ausliefern könne, und das nur mit dem Griff in seine Reserve. Gleichzeitig drängt die Zeit, denn gegen die neue Omikron-Variante hilft wohl nur der dritte Schuss effektiv. Wer geboostert sei, habe „70 bis 80 Prozent Schutz vor einer symptomatischen Infektion“, sagt er. Bisher sind das 23 Millionen.

Omikron-Variante: EU bestellt Impfdosen - Impfkampagne nimmt Fahrt auf

Dass sich Omikron durchsetzt, daran gibt es keine Zweifel. Während der neue Minister in Berlin vor die Kameras tritt, bekommen die EU-Regierungschefs bei ihrem Gipfel in Brüssel ein Bündel unschöner Grafiken vorgelegt. Schon im Januar werde Omikron in ganz Europa dominieren ab Februar löse es vollständig die anderen Varianten ab. Eine fast senkrechte grüne Linie markiert, dass Omikron viel schneller viel mehr Menschen infiziere, auch Geimpfte, als die Varianten davor.

Das Tempo in Europa differiert. In Großbritannien, nicht mehr in der EU, aber schon gut durchgeimpft, wütet Omikron schon. Lauterbach telefoniert am Donnerstag noch mit seinem Kollegen in London, und wirkt hernach nicht glücklich: Alle zwei bis drei Tage verdoppelt sich die Zahl der Omikron-Fälle dort. Als Nächste wird es die Deutschen treffen, erwarten Experten, explosionsartig wird sich die Variante nach Weihnachten ausbreiten.

Eines macht allerdings Mut: In Brüssel mag sich diesmal keiner vorwerfen lassen, zu lang gedöst zu haben. Auf mehreren Ebenen bekommen die Deutschen Unterstützung. Lauterbach verhandelt mit Polen, Portugal, Bulgarien und Rumänien, ob die Länder kurzfristig Dosen abtreten. Die EU-Kommission unterstützt zugleich Verhandlungen mit den großen Herstellern – erfolgreich. Moderna liefert eilig 35 Millionen Booster-Dosen extra, davon zehn Millionen noch heuer. Biontech legt ab April 80 Millionen Dosen drauf, vielleicht schon etwas früher. (cd)

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