Thomas Bareiß (li.) - hier mit Kanzlerin Angela Merkel und Verkehrsminister Andreas Scheuer
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Thomas Bareiß (li.) - hier mit Kanzlerin Angela Merkel und Verkehrsminister Andreas Scheuer

Er verwies auf „Fakten“

„Grober Unfug“ nachts auf Twitter: Merkel-Beauftragter hofft auf Corona-Hilfe durch Klimawandel - und erntet Häme

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
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Die Corona-Pandemie überschattet die Klima-Krise. Eine Mikrobiologin machte auf den Zusammenhang aufmerksam, ein CDU-Politiker blamierte sich bei seiner Antwort.

  • Das Coronavirus beherrscht die Schlagzeilen.
  • Eine Mikrobiologin machte auf den Zusammenhang zwischen Pandemien und dem Klimawandel aufmerksam.
  • Ein CDU-Politiker widersprach ihr - und blamierte sich.
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München - Das Coronavirus beherrscht nach wie vor die Schlagzeilen, die Klimakrise gerät da manchmal in Vergessenheit. Ex-Grünen-Chefin Simone Peter machte auf Twitter nun aber auf einen Zusammenhang aufmerksam. Sie zitierte einen Tweet von Klimareporter und schrieb dazu: „Die Klimakrise wird Pandemien wahrscheinlicher machen.“ Ihre Forderung: Neue Technologien, Wandel in der Verkehrs- und Wirtschaftspolitik.

Erwartbarer Weise hat die Union da teils etwas andere Pläne. CDU-Staatssekretär Thomas Bareiß gab in der Nacht von Samstag auf Sonntag (3. Januar) auf Twitter Kontra. Doch seine selbstsichere Aufforderung, doch „bei den wissenschaftlichen Fakten“ zu bleiben, fiel Angela Merkels Beauftragtem für Tourismus und Mittelstand massiv auf die Füße.

Kein Zusammenhang von Corona und Klimawandel? CDU-Staatssekretär sorgt mit nächtlicher Twitter-Aktion für Kopfschütteln

Der CDU-Politiker schrieb: „Ich denke wir sollten bei wissenschaftlichen Fakten bleiben. Eine Klimaveränderung hat keinen Einfluss auf eine Pandemie... bzw. wenn man bedenkt, das bei wärmeren Temperaturen ein Virus weniger aktiv ist, hätte die Erwärmung wahrscheinlich sogar eher einen positiven Effekt.“

Begründete Zweifel an dieser These meldeten gleich mehrere Twitter-Nutzer an. „Das, was Sie hier schreiben ist entweder erstaunlich dumm oder anmaßend bösartig“, schrieb eine Person und eine weitere antwortete: „Tropenkrankheiten gibt‘s wo? Da wo es warm ist und Wirte überleben können.“

Ein weiterer Twitter-Nutzer wies Bareiß auf folgende Erkenntnis hin: „Zukünftige Pandemien könnten vom Klimawandel und dem zunehmenden Verlust der biologischen Vielfalt ausgelöst werden, warnt das Weltwirtschaftsforum in ihrem COVID-19-Risiko-Ausblick vom Mai diesen Jahres.“ Tropenmediziner Jonas Schmidt-Chanasit wies tatsächlich bereits im April 2020 ausgerechnet in einem Interview mit der Bundeszentrale für politische Bildung auf Folgendes hin: „Auch in Zukunft ist damit zu rechnen, dass es verwandten Coronaviren gelingt, den Menschen als neuen Wirt zu ‚erobern‘, wenn wir die Übertragung nicht verhindern können. Also Abstand halten zu diesen Wildtieren.“

CDU-Staatssekretär Bareiß sorgt mit Corona-Tweets für Aufsehen: Mikrobiologin resigniert

Wie es zur Übertragung solcher Viren kommt, erklärte Schmidt-Chanasit am Beispiel des Ebolavirus: „Hier hat der Mensch massiv in den Lebensraum der Wildtiere eingegriffen, ihn vernichtet, in dem er Plantagen angelegt hat oder Massentierhaltung betreibt. Deshalb gelingt es Erregern, die normalerweise in abgeschlossenen Ökosystemen leben, dort auf den Menschen oder auf das Nutztier überzuspringen und somit größere Infektionsketten zu initiieren.“

Auch Peter selbst antwortet dem CDU-Staatssekretär, schrieb dann jedoch fast schon resignierend: „Ich bin nur promovierte Mikrobiologin und es ist spät. Vielleicht wollen das andere widerlegen. Gute Nacht.“ Ein Follower tat das etwa mit dem Verweis auf einen Text der renommierten Havard-Universität.

Auf diesen Tweet antwortet ein Twitter-Nutzer ganz trocken: „Thomas Bareiß verzapft groben Unfug, Folge 317.“ (kam)

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