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Kommentar zum Impf-Debakel: Tödliche Inkompetenz

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Von: Christian Deutschländer

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 Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze, daneben Kommentator Christian Deutschländer
Ein Kommentar von Christian Deutschländer © Karl-Josef Hildenbrand/dpa / Marcus Schlaf

Die Impfung gegen das Coronavirus hätte zum Riesenerfolg für Europa werden können. Stattdessen blickt der Kontinent auf ein Debakel. Ein Kommentar von Christian Deutschländer.

München - Spart euch das Konnte-ja-keiner-wissen-Gesäusel: Die EU hat beim Einkauf des Corona-Impfstoffs dramatisch versagt! Auch als absehbar war, dass der Biontech-Wirkstoff als erster kommt und wirkt, bestellte Europa nur halbherzig beim Mainzer Unternehmen – jetzt sind die Kapazitäten ausgelastet, andere Staaten werden zuerst beliefert. In einer Lage, in der in Deutschland jeden Tag Hunderte Patienten sterben, erweist sich das als tödlicher Fehler. Er macht fassungslos und erschüttert das Vertrauen in den Riesen-Apparat Brüssel zutiefst.

Die dramatische Panne liegt nicht im Verfahren. Dass sich Europa beim Einkauf zusammentut, dass die großen/kleinen, reichen/armen Mitgliedsstaaten Schulter an Schulter mit den Pharmariesen verhandeln, war goldrichtig – eben genau die Essenz eines vereinten, solidarischen Europas.

Von der Leyen ist auch in diesem Amt überfordert

Das Debakel der auch in diesem Amt überforderten Kommissionspräsidentin von der Leyen, abgestimmt mit den nationalen Regierungen, ist leider: Jetzt wurde für ganz Europa falsch bestellt, für alle zu wenig. Besonders zu klären ist die Rolle Frankreichs – hat Präsident Macron aus nationalen Interessen EU-Gelder in das Präparat von Sanofi fehlgeleitet, das falls überhaupt viele Monate später kommt?

Der Kauf des rettenden Impfstoffs, wichtigstes Projekt des Jahrzehnts, hätte zum Riesenerfolg Europas werden können. Bisher ist es ein Musterfall, wie Nationalismus und Inkompetenz jede Einheit untergraben. - *Merkur.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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