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Kommentiert die Stillhalte-Taktik der EZB in Krisenzeiten: Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

EZB verstärkt Panik an den Märkten

Kommentar: Schwarzer Donnerstag - Europas Politik und Notenbank versagen im Corona-Kampf

Europa wird im Inneren durch ein Virus und an seiner Außengrenze durch einen unberechenbaren Despoten bedroht. Die EZB hält überraschend still. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.  

  • Europa hinkt in der Krise wegen des Coronavirus hinterher.
  • Nun sorgt auch die EZB mit ihrer abwartenden Haltung für Verwunderung.
  • Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis kommentiert die Situation.

München - Hat die Europäische  Zentralbank den Schuss nicht gehört? Die Finanzmärkte versinken in Panik, der Corona-Crash greift von den Börsen auf die Realwirtschaft über, doch die Notenbank tut zu wenig zu spät. Europa taumelt führungslos immer tiefer in die Krise.

Das Dilemma ist das folgende: Der Schutz unserer älteren Mitbürger zwingt uns, die Krise in die Länge zu ziehen, damit die Kliniken nicht kollabieren. Doch genau diese Strategie stürzt die Wirtschaft ins Chaos. Die Aussicht auf monatelange Quarantäne lähmt Unternehmen und Konsumenten. Die Gleichzeitigkeit von Angebots- und Nachfrageschocks droht in einen Systemzusammenbruch zu münden. Eben deshalb wären Staat und Notenbank gefordert, nicht nur die Menschen, sondern auch Wirtschaft und Märkte vor Ansteckung zu schützen.

Kommentar zur Corona-Krise: China hat richtige Reaktion gezeigt

Das geht. China hat es gezeigt: Es hat sofort strengste Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ergriffen, die Zinsen gesenkt, das Bankensystem mit Liquidität geflutet und Konjunkturprogramme aufgelegt, um den Nachfrageschock abzufedern. All das waren vertrauensbildende Maßnahmen. Doch all das ist in Europa nicht passiert. 

Es hat die Grenzen, so wie beim Flüchtlingsansturm 2015, nicht geschützt, den Reiseverkehr mit China nicht unterbrochen, an den Flughäfen nicht Fieber gemessen (in Asien eine Selbstverständlichkeit), keine Schutzanzüge organisiert, um den Siegeszug des Virus aufzuhalten; erst in dieser Woche hat mit Markus Söder ausgerechnet ein Landespolitiker harte Maßnahmen durchgesetzt und den Berlinern Dampf gemacht. Die GroKo hat trotz voller Kassen kein Konjunkturprogramm gestartet, nicht mal den Soli abgeschafft. Und nun tritt auch noch die Krisen-Feuerwehr EZB in den Streik. Deren Chefin Christine Lagarde fordert stattdessen von den Staaten, mehr zu tun, also die Wirtschaft fiskalisch anzukurbeln.

Das ist zwar nicht ganz falsch. Und doch waren es in der Vergangenheit stets die Notenbanken, die in krisenhaften Situationen die Psychologie der Märkte zu drehen vermochten, notfalls auch mit ungewöhnlichen Maßnahmen, um zu verhindern, dass wie 1929 aus dem Crash eine Depression wird. Gemessen daran hat die EZB am Donnerstag enttäuscht. So nimmt am Ende in der EU keiner das Heft des Handelns in die Hand. Kein Wunder, dass die Kernschmelze an den Märkten immer weitergeht. Stärkere Einbrüche in so kurzer Zeit hat es in der Geschichte noch nicht gegeben. Und das Beste: Obwohl uns das Wasser selbst bis zum Halse steht, amüsiert man sich hierzulande noch immer über Trumps Krisenmanagement. Das immerhin kann Europa.

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