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Stehen im Zentrum der Corona-Krise: Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger werden aktuell besonders gefordert.

Von Experten angestoßen

Trotz Corona-Krise: Diskussion um Reduzierung der deutschen Kliniken hält an

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Zu viele Häuser, zu viele Betten, zu hohe Kosten. Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren Forderungen laut, die Zahl der Kliniken zu reduzieren. Die Corona-Krise könnte den Blick auf die Krankenhauslandschaft verändern.

  • Vor der Corona-Krise* plädierte eine Experten-Kommission für eine Reduzierung der Kliniken in Deutschland.
  • Mittlerweile wird an diesem Plan Kritik laut - auch aus der Politik.
  • Doch beendet ist die Debatte darüber noch lange nicht.

München - Im vergangenen Sommer schlugen 106 Seiten im deutschen Gesundheitswesen ein wie eine Bombe. In ihrer Studie „Zukunftsfähige Krankenhausversorgung“ empfahl die Bertelsmann-Stiftung, mehr als die Hälfte der Krankenhäuser zu schließen. Statt mit bundesweit knapp 1400 komme das Land auch mit weniger als 600 Häusern aus - und die Qualität der Behandlung würde dadurch noch steigen. Mit deutlich weniger, aber dafür größeren Häusern wären eine bessere Ausstattung, eine höhere Spezialisierung sowie eine bessere Betreuung möglich.

Je nachdem, wen man damals darauf ansprach, sorgte diese Einschätzung für bestätigendes Kopfnicken oder blankes Entsetzen. Auf Landkreistag-Präsident Christian Bernreiter (CSU) traf immer eher letzteres zu. Kein Wunder. 58 Prozent der 372 akutstationären bayerischen Kliniken sind in kommunaler Hand. Sie sehen sich durch solche Pläne bedroht.

Kliniken in der Corona-Krise: Dänemark ist Vorbild für zentralisiertes Krankenhaussystem

Mitte März, acht Monate nach Erscheinen der Studie, traf Bernreiter am Rande einer Kabinettssitzung in München nun auf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Bei dieser Gelegenheit habe er Spahn gefragt, was der jetzt eigentlich machen würde, wenn es in Bayern tatsächlich nur so wenige Kliniken gäbe wie in Dänemark - dem großen Vorbild für ein zentralisiertes Krankenhaussystem. „Da kam nur Achselzucken“, erzählt Bernreiter unserer Zeitung.

Der Landkreistag-Präsident ist überzeugt davon, dass das Coronavirus Deutschland härter getroffen hätte, wenn das Land nicht über eine soflächendeckende Versorgung mit auch kleineren Häusern verfügen würde. „Wir konnten die Patienten gut trennen, indem wir einzelne Kliniken zu Covid-Häusern erklären konnten.“ Ein Vorteil, den andere Länder nicht hätten. „Aber dafür braucht man eben den Platz.“

Versorgung in Oberbayern: Die Karte zeigt die Lage der im Krankenhausplan aufgeführten Kliniken - dazu gehören auch Fachhäuser wie psychiatrische Kliniken.

Kliniken in der Corona-Krise: Söder mit klarer Ansage zu möglichem Abbau von Krankenhäusern

Die Krise hat also gezeigt, dass ein üppiges Gesundheitssystem nicht nur viel Geld kostet, sondern auch Leben retten kann. „Die Pläne, kleine Krankenhäuser abzubauen, sind immer falsch gewesen“, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) jüngst. Deutlich wie nie.

Die Verfasser der Bertelsmann-Studie sehen das hingegen noch immer anders. Gerade in außergewöhnlichen Belastungssituationen wie jetzt könne man es sich doch nicht leisten, die knappen Ressourcen auf viele Kliniken aufzuteilen. Die Krankenhäuser sollten sich „auf die Fälle konzentrieren, die eine stationäre Behandlung tatsächlich benötigen“, schreiben die Experten. Gleichzeitig müssten ambulante Versorgungsangebote gestärkt werden. Um die Reduzierung von Intensivbetten sei es aber nie gegangen.

Kliniken in der Corona-Krise: Krankenkassen stützen Meinung der Bertelsmann-Experten

Von Krankenkassen kommt Unterstützung. „Wir haben in Deutschland eine extrem hohe Krankenhaus- und Bettendichte, aber in vielen Krankenhäusern mangelt es dennoch an Expertise und Kapazitäten, Corona-Schwersterkrankte adäquat zu versorgen“, sagt BKK-Landesvorsitzende Sigrid König unserer Zeitung. Regelversorgung und Ausnahmesituation seien unterschiedlich zu organisieren. Doch in beiden Bereichen müsse gelten: „Mehr Klasse statt Masse.“ Eine Strukturreform sei wichtiger denn je.

Und selbst der Chef der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) gesteht der Studie einen „wahren Kern“ zu. Die Experten seien aber übers Ziel hinaus geschossen. „Wir müssen einen sinnvollen Mittelweg zwischen der Konzentration von Fachwissen und flächennaher Vorortversorgung finden“, sagt Siegfried Hasenbein unserer Zeitung. Das entscheidende Problem erkennt er im Finanzierungssystem. Die Entlohnung über Fallpauschalen zwinge kleine Häuser zu Behandlungen, die nicht ihrer eigentlichen Funktion und nicht ihren Kompetenzen entsprechen, aber finanziell notwendig sind.

„Wir müssen raus aus diesem Hamsterrad“, sagt der BKG-Chef. Die Vorhaltekosten für kleinere Kliniken, die für die Grundversorgung systemrelevant sind, müssten künftig anders finanziert werden. „Die Feuerwehr bezahlt man ja auch nicht nach der Zahl ihrer Einsätze.“

Wir bieten auch Informationsartikel zu Ansteckungswegen*, möglichen Schutzmaßnahmen*, der Entwicklung eines Impfstoffes* und zu befürchtenden Spätfolgen*.

Bayerns Ministerpräsident muss sich mit der Kritik auseinandersetzen, „Alarmzeichen“ ignoriert zu haben. Derweil muss sich München erst von der Wiesn-Absage erholen.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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