Janine Wissler tritt mit Maske und einem Papierbogen unter dem Arm durch eine Tür
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Fordert eine Ende des Sonderwegs für Betriebe: Laut Linken-Co-Vorsitzende Janine Wissler können die Infektionszahlen nur mit einer Home-Office-Pflicht gesenkt werden.

„In Großraumbüros und Fertigungshallen finden Infektionen statt“

Linken-Chefin fordert „solidarischen Lockdown“: Merkel soll endlich Betriebe härter anpacken

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Seit mehr als einem Jahr leben die Menschen in Deutschland mit Einschränkungen im Privatleben. Dagegen werden Betriebe mit Samthandschuhen angefasst. Damit muss nun Schluss sein, findet die Linken-Co-Vorsitzende Janine Wissler.

München - Vieles wurde in der Corona-Pandemie schon versucht, um die Krise in den Griff zu bekommen. Von Ausgangssperren über Kontaktbeschränkungen bis hin zur sogenannten 15-Kilometer-Leine oder Schließungen bestimmter Einrichtungen wie Restaurants oder Einzelhandelsgeschäften. Andere mögliche Maßnahmen wurden bislang komplett ausgespart - ohne wirklich ersichtlichen Grund.

So haben sich die Bundesregierung und die 16 Länderchefs bei ihren Ministerpräsidentenkonferenzen nach wie vor nicht zu einer Home-Office-Pflicht für Arbeitnehmer durchringen können. Stattdessen wurden die Betriebe allenfalls höflichst darum angehalten, ihre Mitarbeiter doch durchaus einmal mit der Möglichkeit des Arbeitens von zu Hause vertraut zu machen. Doch wenn der Angestellte dankend ablehnt, wollen Angela Merkel und Co. auch niemanden drängen.

Linken-Chefin will Home-Office-Pflicht: „Corona-Infektionen enden nicht am Betriebstor“

Das verstehe, wer will. Janine Wissler kann diese lockere Haltung nicht nachvollziehen. Die neue Co-Vorsitzende der Linken schimpft im Interview mit dem Deutschlandfunk: „Im Moment ist es so, dass die Betriebsbeschränkungen am Betriebstor enden, aber die Corona-Infektionen enden nicht am Betriebstor.“

Ihrer Meinung nach müsse nun „auch an der Arbeitswelt“ angesetzt werden, wenn der Entwicklung der Infektionszahlen erfolgversprechend Einhalt geboten werden soll. Wissler spricht in diesem Zusammenhang von einem „solidarischen Lockdown, der eben bedeutet, dass eben nicht nur die Menschen in ihrem Privatleben und eben die Kulturbranche die Folgen trägt“.

Linken-Chefin will Home-Office-Pflicht: „Busse und Bahnen sind jeden Tag voll“

Die 39-Jährige betont: „Wir haben viele Menschen in diesem Land, die ganz normal zur Arbeit gehen, die jeden Tag in Großraumbüros fahren, in Call-Zentren, in Fertigungshallen. Und dort finden Infektionen statt. Die Busse und Bahnen sind voll.“ Ihr Vorschlag wäre „wirklich eine Verpflichtung zu Home Office, wo überall das möglich ist, wirklich eine Einhaltung von Arbeitsschutzmaßnahmen, von Hygienemaßnahmen“.

Und da würde es für Wissler noch lange nicht enden. Zur Not müssten eben auch mal ein paar Ruhetage herhalten: „Ich finde, wenn die Zahlen weiter so in die Höhe gehen, dann muss man auch darüber reden, dass nicht dringend notwendige Produktion ein paar Tage stillgelegt werden muss, um einfach die Infektionsketten zu brechen. Weil es ist ja auch wirtschaftlich kurzfristig gedacht, wenn man die Zahlen nicht runterkriegt und einfach wirklich in so eine Dauerschleife reingerät.“

Video: Für Merkel ist „das Impfen der Weg aus der Krise“

Linken-Chefin will Home-Office-Pflicht: „Arbeitgeber müssen Beschäftigten Tests kostenfrei anbieten“

Um einem Endlos-Lockdown zu entgehen, schwebt ihr auch vor, „dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten, die nicht im Home-Office sind, Tests anbieten müssen, und zwar kostenfrei“. Grundsätzlich gehe es darum, eine „vernünftige Teststrategie“ aufzubauen. Diese müsse so aussehen, „dass wir dort, wo Begegnungen stattfinden, wirklich konsequent testen, und zwar symptomunabhängig, verdachtsunabhängig“. Das sollte auch der Merkel-Runde einleuchten. Nur müssen dafür erstmal genügend Tests zur Verfügung stehen.

Angesichts des Impfdebakels der knauserigen EU-Länder schlägt Parteichefin Wissler vor: „Wenn die Unternehmen nicht genug Impfstoff produzieren, dann müssen wir die Patente freigeben, dann müssen die Lizenzen freigegeben werden, damit eben die Produktion erhöht werden kann.“ Dabei gibt die Hessin zu bedenken, dass letztlich auch Deutschland von einer „international gerechte(n) Verteilung von Impfstoffen“ profitieren würde: „Weil wir können diese Pandemie ja nur weltweit bekämpfen.“ (mg)

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