Eine Frau geht an einem geschlossenen Café vorbei, daneben Kommentator Georg Anastasiadis.
+
Ein Kommentar von Georg Anastasiadis

Kommentar zur Verlängerung des Lockdowns

Corona: Zu listig für den Wellenbrecher - Mit Langlaufverboten wird Söder das Virus nicht beeindrucken

  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
    schließen

Das Leben in Deutschland soll weiter ruhen: Der Teil-Lockdown war nicht genug. Die Versäumnisse der Politik liegen schon länger zurück, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - Hinterher ist man immer klüger. Das Coronavirus hat sich als zu listig für den Wellenbrecher-Lockdown erwiesen. Nach fünf Wochen „Teil-Lockdown“ steuert die Politik erneut hektisch nach. Jetzt soll das Leben in Deutschland also bis zum 10. Januar weitgehend ruhen. Mindestens.

Den Politikern ist nicht vorzuwerfen, dass sie – anders als ihre Kollegen in anderen, härter betroffenen Ländern – auf drastische Ausgangssperren und Geschäftsschließungen verzichtet haben, als die zweite Welle anrollte. Die Versäumnisse liegen schon viel länger zurück: Bis heute gibt es keine verbindlichen Schutzkonzepte für die Alten- und Pflegeheime, in die das Virus gerade mit Macht hineinbricht, mit leider tödlichen Folgen. Regelmäßige verpflichtende Schnelltests für Pfleger, Besuchsmöglichkeit nur mit vorgeschaltetem Schnelltest, all dies ist im Sommer vertrödelt worden. Vor allem wurden in den Schulen nicht alle Lehrer darauf verpflichtet, im Notfall jederzeit auf digitalen Unterricht umsteigen zu können, jedenfalls bei Kindern nach dem Grundschulalter. Weil die Politiker das den Schulrektoren und Kommunen überließen, die mit sehr unterschiedlichem Engagement an die Sache herangingen, mussten, als die Infektionszahlen wieder stiegen, die weiterführenden Schulen unbedingt geöffnet bleiben, was das Virus erfreute. Lange hieß es, Schulen seien keine Infektionstreiber.

Corona in Deutschland: Jede Woche steckt sich einer von 100 älteren Schülern an

Heute weiß man: In keiner Altersgruppe grassiert das Corona-Virus stärker als in der Gruppe der 15- bis 19-Jährigen, wo die Sieben-Tages-Inzidenz aktuell bei 186 liegt. Das heißt: Von 100.000 Schülern stecken sich wöchentlich 186 neu an. Berücksichtigt man die Dunkelziffer der Infizierten, heißt das, dass sich jede Woche einer von 100 älteren Schülern mit Corona ansteckt.

Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem Schul-Lockdown vom 19. Dezember bis 10. Januar, sprich den (verlängerten) Ferien. Spätestens dann sollten die Zahlen deutlicher sinken als bis jetzt. Klar ist: Mit noch strengeren, im Einzelfall auch unsinnigen Beschränkungen des Privatlebens der Menschen sind im Kampf gegen Corona kaum weitere Erfolge zu erwarten. Mit Langlaufverboten und Co. wird Markus Söder das Virus sicher nicht sehr beeindrucken.

Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare