Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, steht in einem Labor seines Institutes.
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Virologe Streeck stellt eine neue Alternative zum Öffnungsplan vor.

Stufenweise Lockerungen

Streit über Merkels Corona-Öffnungsplan - Streeck stellt Alternative vor

  • vonDana Popp
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Der neue Beschluss der Bund-Länder-Konferenz sieht eine neue Öffnungsstrategie vor. Dafür hagelt es viel Kritik. Virologe Streeck stellt ein alternatives Konzept vor.

Mainz - Lange wurde bei der Sitzung mit den Ministerpräsidenten und der Kanzlerin am Mittwochabend diskutiert. Am Ende gab es einen Plan zur stufenweisen Lockerung. Doch die Corona-Zahlen in Deutschland haben sich nicht verbessert und von dem zuvor anvisierten Inzidenzwert von 35 ist man weit entfernt. Im Gegenteil, in der letzten Woche sind die Zahlen der Neuinfektionen sogar gestiegen. Der Virologe Hendrik Streeck befürwortet erste Lockerungen, jedoch stellt er eine Alternative zu der Öffnungsstrategie des Bundes vor.

Corona in Deutschland: Virologe Streeck mit Alternative zu Merkels Lockdown-Strategie?

Der Virologe Hendrik Streeck überrascht in dem ZDF-Talk mit Maybrit Illner. Er stellt ein alternatives Öffnungskonzept vor: „Wir sollten nicht branchenspezifisch denken, wir sollten Hygienekonzept-spezifisch denken. Die, die die besten Hygienekonzepte haben, sollen auch als Erstes öffnen.“ Dadurch möchte er die Bevölkerung aktiv mitnehmen und die Mitbürger, die ein gutes Hygienekonzept haben belohnen, unabhängig von der Branche.

„Wir können diese Unterscheidung gar nicht machen, ob Blumenläden oder Fitnessstudios durch die Bank gute Hygienekonzepte haben. Wir müssen die Bereiche öffnen, die die besten Hygieneregeln haben“, sagte Streeck noch am Donnerstag bei SternTV. Nicht nur die Inzidenz muss in die Lockerungen miteinbezogen werden, sondern auch Faktoren wie die Impfquote und die Krankenhausbelegung. Würde man die Lockerungen mit einer besseren Test-Strategie verbinden, würden der Inzidenzwert auch steigen. Grund dafür wären aber die Anzahl der Tests und daher muss es auch andere Parameter für die Öffnungen geben, so Streeck.

Dritter Corona-Lockdown in Deutschland? Lauterbach mit düsterer Prognose

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach war ebenfalls im SternTV zu Gast. Er ist von der Öffnungs-Strategie keinesfalls überzeugt und wählt drastische Worte: „Wir öffnen, bevor die Antigen-Teststrategie ausgebaut ist. Die Fallzahlen werden steigen, die dritte Welle kommt, dann ist man ruckzuck viel näher an der 100 als an der 50“. Das würde bedeuten, dass der Bund bald wieder die Notbremse ziehen muss und der dritte Lockdown bevor steht. Lauterbach geht bis spätestens Anfang April davon aus, dass wir den Inzidenzwert von 100 überschreiten werden.

Corona-Lockdown in Deutschland : Diskussionen über neuen Öffnungsplan

Das Coronavirus bleibt weiterhin das Diskussionsthema Nummer eins. Im ZDF Talk mit Maybrit Illner diskutierten der Ministerpräsident Markus Söder (CSU), die Ministerpräsidentin aus Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), und die Partei-Chefs Robert Habeck (die Grünen) und Christian Lindner (FDP). Zudem noch die Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros, Melanie Amann, der Virologe Hendrik Streeck und Theaterchef Dieter Hallervorden.

Dabei kritisierte Grünen-Chef-Habeck die Öffnungen scharf, denn die Sieben-Tage Inzidenz steigt wieder. Er sieht daher keine virologische Begründung für Lockerungen, sondern nur eine politisch motivierte. Die Ministerpräsidentin Schwesig ist hingegen anderer Meinung. Sie spricht davon, dass man den Inzidenzwert neu bewerten kann, da es jetzt beispielsweise mehr Impfungen in Altersheimen gegeben hat und es freie Krankenhausbetten gibt.

Merkels Corona-Öffnungsplan für die Tonne?

Die Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros, Melanie Amann wählt klare Worte: „Dieser Plan ist im Prinzip von der Minute seiner Geburt eine Totgeburt. Er ist für die Tonne.“ Für sie gibt es keinerlei Anhaltspunkte für diese Öffnungs-Strategie. Sie rechnet mit keinen Lockerungen, sondern mit baldigen Verschärfungen der Corona-Regeln.

Die Basis von neuen Öffnungen hat sich außerdem nicht verändert, merkt Amann an. Weiterhin ist der Inzidenzwert der wichtigste Faktor, wenn es um Lockerungen gibt. Ministerpräsident Markus Söder stimmt ihr zu, betont aber auch, dass nur dort gelockert werden soll, wo die Sieben-Tage Inzidenz niedrig ist. (Dana Popp)

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