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AfD-Hochburgen als Corona-Hotspots? Forscher zeigen erstaunlichen Zusammenhang

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Björn Höcke, AfD-Fraktionschef in Thüringen, setzt die Maske auf nach einer Pressekonferenz der AfD-Fraktion.
Besonders in Thüringen, wo Björn Höcke AfD-Fraktionschef ist, waren die Corona-Zahlen im vergangenen Jahr hoch. (Archivbild) © Martin Schutt/ dpa

Während sich die Corona-Lage weiter verschlimmert, untersuchen Forschende, welche Treiber es in der Pandemie gibt. Das Ergebnis ist überraschend: auch die AfD spielt eine Rolle.

Jena - Die Corona-Infektionslage in Deutschland hat sich in den vergangenen Wochen drastisch verschärft. Während die Politik um schlagkräftige Gegenmaßnahme ringt, wollen Wissenschaftler Treiber der Pandemie identifizieren. Dabei erkannten sie ein überraschendes Phänomen: Dort, wo die AfD stark ist, sind auch die Inzidenzen hoch.

Corona-Inzidenz und AfD-Wahlergebnisse: Forschende sehen Zusammenhang

Die Sieben-Tage-Inzidenzen während der zweiten Corona-Welle vergangenes Jahr färbte auf den Deutschland-Karten besonders Sachsen und Thüringen rot. Bei der Bundestagswahl 2017 waren Sachsen und Thüringen dagegen die Bundesländer, die am meisten AfD-Blau aufwiesen. Ist das bloßer Zufall oder gibt es einen Zusammenhang?

Mitarbeiter des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) untersuchten diese Frage nun zusammen mit einem Münchner Epidemiologen. Das sechsköpfige Forscherteam stellt laut Pressemitteilung in den vergangenen Monaten Berechnungen über den Zusammenhang zwischen den Wahlergebnissen bei der Bundestagswahl 2017 und der Ausbreitung von Sars-Cov-2 an. Das Ergebnis: Je höher das AfD-Zweitstimmenergebnis bei der Wahl 2017, desto schneller verbreitete sich 2020 das Coronavirus in der entsprechenden Region.

Corona: AfD-Stimmanteil als Verstärker der Pandemie?

Neben dem Einfluss des Wahlergebnisses untersuchten die Forschenden auch andere Faktoren, wie Bevölkerungsdichte und Bildungsgrad. Damit könne die vergleichsweise niedrige Inzidenz in Sachsen und Thüringen während der ersten Welle erklärt werden. Doch keine Korrelation war so stark, wie jene mit dem Zweitstimmenanteil der AfD. Dieser Zusammenhang ist laut den Wissenschaftlern „höchst signifikant“. Damit schwächten sie auch die Annahme, dass der Grenzverkehr zu Tschechien ein Pandemietreiber im Osten gewesen sei.

Matthias Quent, Mitautor der Studie und Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft an der Hochschule Magdeburg-Stendal zieht aus diesen Ergebnissen klare Schlussfolgerungen für die aktuelle Situation: „Die regionale politische Raumkultur ist ein entscheidender Faktor für das Inzidenzgeschehen. Unsere Studie untersucht die ersten zwei Wellen, aber ausgehend von diesen Ergebnissen ist die Annahme naheliegend, dass auch in der aktuellen vierten Welle und bei der mangelnden Impfbereitschaft rechte Einstellungen als Verstärker der Pandemie wirken könnten.“

AfD-Corona-Korrelation auch in Westdeutschland - Wissenschaftler fordern: „Verstärkt für Impfungen werben“

Die AfD-Korrelation ist nicht nur ein ostdeutsches Phänomen: Auch in westdeutschen AfD-Hochburgen war die Inzidenz vergangenes Jahr hoch. Co-Autor Axel Salheiser vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft forderte in einer Pressemitteilung deshalb, dass in diesen Regionen „bestehende zivilgesellschaftliche Strukturen noch stärker gefördert, ausgebaut und langfristig abgesichert werden und verstärkt für Vertrauen und für Impfungen geworben werden müsse.“ 

Dennoch könne man nicht alle AfD-Wählerinnen und Wähler über einen Kamm scheren. Der Soziologie Christoph Richter erklärte gegenüber Focus Online: „Aus unseren Ergebnissen geht also keinesfalls hervor, dass jeder AfD-Wähler ein Kritiker der Corona-Schutzmaßnahmen ist, und nicht jede Impfgegnerin ist zugleich AfD-Sympathisantin.“ Zusammenhänge aber scheint es zu geben: Laut einer Forsa-Umfrage stimmten rund 50 Prozent der ungeimpften Wählerinnen und Wähler bei der Bundestagswahl im September die AfD. Auch zuletzt macht die Partei im Bundestag wieder Stimmung gegen die Impfungen. (sf)

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