Die Pflegekräfte in der Corona-Krise sollen gewürdigt werden. Doch wer bezahlt die Rechnung? 
+
Die Pflegekräfte in der Corona-Krise sollen gewürdigt werden. Doch wer bezahlt die Rechnung? 

Würdigung in der Corona-Krise

Prämie für Pflegekräfte: Finanzierung völlig unklar - heftiger Streit entbrannt

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
    schließen

Pflegekräfte sollen in der Corona-Krise mit einem Bonus gewürdigt werden - aber wer soll ihn zahlen? Darüber gibt es nun heftigen Streit.

  • Um den Einsatz von Pflegekräften in der Corona-Krise* zu würdigen, ist ein Bonus geplant.
  • Die Sonderprämie für Altenpfleger soll 1500 Euro betragen.
  • Nun ist allerdings die Finanzierung der Coronavirus*-Prämie unklar.
  • Hier finden Sie unseren Deutschland-Corona-Ticker*. Außerdem: aktuelle Fallzahlen als Karte* und unsere Facebook-Seite* mit Corona-News.

Berlin - Gelobt werden Pflegekräfte in der Corona-Krise* viel. Damit dieses Lob nicht nur symbolisch bleibt, ist eine Sonderprämie von 1500 Euro geplant. Doch nun steht sie wieder in Frage - weil unklar ist, ob Beitragszahler oder Bund und Länder dafür Geld in die Hand nehmen sollen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)

Corona-Bonus für Pflegekräfte:

Demnach protestieren vor allem Krankenkassen gegen den Bonus für Pflegekräfte. „Es kann nicht sein, dass allein die Beitragszahler hierfür aufkommen müssen“, zitiert die FAZ Ulrike Elsner, Chefin des Verbands der Ersatzkassen (VDEK). Auch der Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, sieht eher die Politik anstatt die Sozialversicherung in der Pflicht.

Er sagte der Zeitung: „Die symbolische Anerkennung für systemrelevante Berufsgruppen, die jetzt in Corona-Krise verstärkt gefordert sind, muss deshalb vom Bund oder von den Ländern kommen, etwa über zweckgebundene Zuschüsse für die Soziale Pflegeversicherung.“

Video zur Corona-Krise: Welche Berufe sind systemrelevant?

Corona-Bonus: Gesetzliche Krankenversicherung will Versicherte zahlen lassen

Vertreter von Pflegeeinrichtungen waren dem Bericht zufolge bisher davon ausgegangen, die Auszahlung der Prämien für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt mit den Pflege- und Krankenkassen abrechnen zu können.

In ersten Äußerungen von Anfang April habe der zuständige GKV-Spitzenverband, die Dachorganisation der Gesetzlichen Krankenversicherung, diesen Eindruck erweckt und war dafür unter anderem vom Paritätischen Wohlfahrtsverband gelobt worden. „Dass es Zusagen gebe, erwies sich aber als nicht haltbar – seither wird hinter den Kulissen vor allem hitzig um Zuständigkeiten und Kosten gerangelt“, schreibt die FAZ.

Corona-Prämie:Gesetzliche Krankenversicherung will Versicherte zahlen lassen

Litsch sagte der FAZ indes weiter, die Krankenkassen hätten für eine Sonderprämie „gar keinen Spielraum“, denn ihre Pflege-Rücklagen hätten schon vor der Krise* höchstens bis Ende 2021 gereicht. 

Besonders das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) stehe dem Bericht zufolge jedoch vor dem Problem, dass sich die ohnehin angespannte Lage der Pflegeversicherung mit neuen Milliardenausgaben verschärfen würde. 

Zudem stelle sich die Frage, warum nur Altenpfleger eine aus öffentlichen Kassen finanzierte Prämie erhalten sollten, wo doch auch Krankenpfleger, Rettungssanitäter oder Beschäftigte in der Behindertenhilfe in der Pandemie* einen wichtige Beitrag leisteten.

Was kostet die Corona-Pflegeprämie? Bislang unveröffentlichte Studie mit Zahlen

Die Gesamtkosten einer Prämie von 1500 Euro je Altenpflegekraft werden von den Krankenkassen auf etwa eine Milliarde Euro geschätzt. Ohne eine eigene Finanzierungsregelung müssten die Prämien voraussichtlich großenteils von den Pflegebedürftigen über höhere Zuzahlungen getragen werden.

Eine noch unveröffentlichte Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft, die der FAZ vorlag, beziffert die voraussichtlichen Mehrkosten pro Kopf: „Damit entstünden pro Pflegebedürftigem in der ambulanten Pflege im Durchschnitt einmalig zusätzliche Kosten von etwa 355 Euro, pro Pflegebedürftigem im Pflegeheim im Durchschnitt rund 980 Euro.“

Corona-Krise in Bayern: Söder (CSU) mit 500-Euro-Bonus für Pflegekräfte

In Bayern erhalten Pflegekräfte in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen sowie ambulanten Pflegediensten, Notfallsanitäter und Rettungsassistenten indes einen einmaligen steuerfreien Bonus von 500 Euro - der den Freistaat nach Angaben eines Regierungssprechers etwa 126 Millionen Euro kosten könnte.

„Damit würdigen wir die enormen Leistungen in der Corona-Krise“, hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf Twitter mitgeteilt. An diesem Mittwoch befasst sich das Bundeskabinett unter anderem damit, wie die Mindestlöhne in der Altenpflege erhöht werden. können. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatten erklärt, in der Corona-Krise* sei einmal mehr zu spüren, wie wichtig Pflegekräfte für die Gesellschaft seien.

frs mit Material der AFP

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare