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Corona-Schul-Zoff: Merkels Ministerin gerät im TV in Erklärungsnot - Netz spottet über Karliczek

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Von: Josef Forster

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Coronavirus - Pressekonferenz zum Start WHO-Studie
Bundesbildungsministerin Anja Karliczek erntet für ihren Auftritt im ZDF-Moma Kritik © dpa / Christoph Soeder

Bildungsministerin Anja Karliczek stellte sich im ZDF-Morgenmagazin Dunja Hayalis Fragen zum Schulkonzept während der Corona-Pandemie. Im Netz erntet sie für ihre Aussagen Kritik.

München - Am heutigen Mittwoch beraten die Bundesregierung und die die Länderchefs über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. Ein zentrale Frage des Corona-Gipfels lautet: Kehren die Schüler:innen demnächst in ihre Klassen zurück? Im ZDF-Morgenmagazin stellte sich Bundesbildungsministerin Anja Karliczek am Dienstag den drängendsten Fragen - allerdings mit eher mäßigem Erfolg. Nach Meinung vieler Twitter-User blieben die Erklärungsansätze der Ministerin hinter den Erwartungen zurück.

Erst am Montag hatte die Ministerin einen Leitfaden vorgestellt, den das Bildungsministerium zusammen mit einem Expertengremium und wissenschaftlichen Fachgesellschaften erarbeitete. Das Konzept soll zeigen, wie der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Moderatorin Dunja Hayali erwartete auf ihre Fragen zum Leitfaden konkrete Antworten, doch Karliczek flüchtete sich wiederholt in allgemeine Auskünfte - zum Ärger der Zuschauer:innen.

Corona-Streit im „Morgenmagazin“: Merkels Ministerin gibt Handlungsbedarf bei Schulwegen zu

Besonders die Aussagen Karliczeks zum Schutz vor Corona-Infektionen auf dem Schulweg erzürnten einige Zuschauer:innen. Moderatorin Dunja Hayali fragte die Ministerin: „Wir sind jetzt im elften, zwölften Monat, also versuchen Sie es konkret zu machen. Wie viele Kinder pro Schulbus, zum Beispiel?“ Darauf antwortet Karliczek: „So einfach kann man das eben nicht sagen. Das ist dann auch die Frage, wie viele Masken werden getragen? Wie viele Schüler müssen denn überhaupt transportiert werden? Muss ich zusätzliche Busse einsetzen? Das ist ja genau das, was wir den Praktikern eben auch nicht abnehmen können“.

Das Ministerium habe jetzt die Möglichkeit gegeben, sich „auf eine wissenschaftlich fundierte Basis zu beziehen“. Wichtig sei jetzt, dafür zu sorgen, dass „jeder Schritt vor Ort“ „transparent abgesichert“ sei.

Dunja Hayali nimmt Ministerin Karliczek zu Corona in die Mangel: „Das ist schwammig“

In dem Gespräch mit der Bildungsministerin sprach ZDF-Moderatorin Hayali auch die Maßnahmen an, die in dem Leitfaden des Bildungsministeriums vorgestellt werden. Das Resümee der Moderatorin: Medizinische Masken, Lüftungsanlagen, Hygienregeln und Unterricht in festen Gruppen seien für alle, die im Bildungssektor arbeiten „nicht neu“. Auf die Frage Hayalis bei welchem Inzidenzwert welche Maßnahme greife, bleibt Karliczek eine klare Antwort schuldig: „Das ist eine Empfehlung, wo man sich vor Ort mit den Details auseinandersetzen muss“.

Hayali gab sich mit der Antwort nicht zufrieden und bohrte nach: „Was ist niedrig, was ist hoch? Mir schreiben viele Lehrer und Lehrerinnen, das kennen alle Journalisten, die sagen immer: Das ist schwammig, wir können damit nichts anfangen.“ Karliczek entgegnete, dass man könne „niemals nur eine isolierte Entscheidung“ treffen, Schulöffnungen und -schließungen sollen sich in das „Gesamtgeschehen in der Region“ einordnen. Man könne in dieser Frage „nicht präziser werden“.

Karliczek hatte sich schon am Montag bemüht, bei ihrer Pressekonferenz keinen Druck auf die Beratungen von Bund und Ländern auszuüben. Wenn sich in der derzeitigen Situation für Schulöffnungen entschieden werde, sei es sehr wichtig, vorsichtig vorzugehen, sagte die Ministerin bei dem Termin. Dafür wolle man nun Handlungsempfehlungen anbieten. 

Corona und die Schulen: Karliczeks Aussagen sorgen für Entrüstung im Netz

Im sozialen Netzwerk Twitter machten die Nutzer:innen unter dem Hashtag #moma ihrem Unmut Luft. „So geht Eiertanz“ spottet etwa ein Nutzer, weitere User stimmen in die Kritik an den vagen Aussagen der Ministerin ein. Von der „Bankrotterklärung einer Ministerin“ schrieb ein Kommentator. „Wenn ich so unprofessionell in meinem Unterricht agieren würde, wie Frau #Karliczek heute im #moMA, würde ich keine 5 Minuten vor einer Klasse bestehen“, ärgerte sich etwa eine offenbar als Lehrerin arbeitende User.

Spott kam auch von der Opposition. „Toll, dass Anja #Karliczek im #MoMa Rede und Antwort steht, wenn auch mit eher mangelhaften Antworten („man muss jetzt ein Konzept entwickeln“)“, witzelte die FDP-Fraktion auf Twitter - und forderte gleich auch noch weitere Auskunftbereitschaft der Ministerin im Bundestag ein. (dpa/jjf) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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