Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) trägt eine balu-weiße Maske und trägt einen Aktenordner unter seinem linken Arm. (Archivbild)
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Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert Einheitlichkeit in der Corona-Politik. (Archivbild)

Ein Kommentar

Tauziehen um die richtige Corona-Politik: Sachsen will Leipzig-Stadion öffnen, Söder protestiert - zu Unrecht

  • Georg Anastasiadis
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Sachsen will dem RB Leipzig erlauben, wieder 8500 Fans ins Stadion zu lassen. CSU-Chef Söder protestiert. Zu Unrecht, findet Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. Ein Kommentar.

München - All die schrillen Warnungen vor der zweiten Welle des Coronavirus haben sich in Deutschland bis jetzt – zum Glück – nicht erfüllt. Die Gesundheitsämter machen einen guten Job, und die meisten Bundesbürger verhalten sich weiterhin sehr verantwortungsvoll. Nach dem Ende der Ferien sinkt die Zahl der neuen Fälle, weil weniger Urlauber infiziert zurückkehren. Nach den vielfach schwierigen Erfahrungen mit dem Lockdown im Frühjahr und dem bemerkenswert ehrlichen Eingeständnis des Bundesgesundheitsministers, man würde jetzt, im Lichte der Erfahrungen, manches anders machen, sollte als Corona-Imperativ deshalb gelten: Alles, was ein Stück Normalität ins Leben der Menschen zurückbringt und verantwortbar ist, sollte möglich gemacht werden.

Es ist letztlich Söders Entscheidung, ob er seinen Parteitag absagen lässt (womit er zugleich bewusst die CDU unter Druck setzt, die ihren Konvent zwecks Wahl eines neuen Chefs und Kanzlerkandidaten unbedingt durchziehen will). Aber warum nicht dem RB Leipzig erlauben, zum Bundesligastart am 20. September wieder 8500 Fans ins Stadion zu lassen, wenn das Corona-Sicherheitskonzept stimmt und Sachsen so gut wie keine neuen Infektionsfälle registriert? Söders Pochen auf „Einheitlichkeit“ und Wettbewerbsgleichheit überzeugt nicht. Viele Menschen sind nach den Monaten der Co-Existenz mit dem Coronavirus und vielen Einschränkungen ausgelaugt. Ihnen ein Stück Alltag zurückzugeben da, wo es möglich ist, sollte Vorrang haben vor Wettbewerbsbedenken und allzu pauschalen Verboten.

Coronavirus: Söder soll Maßnahmen abwägen - „Dieser Mühe muss die Politik sich unterziehen“

Georg Anastasiadis

Wir haben viel gelernt über Corona. Wenn Virologen jetzt also sagen, dass schon eine fünftägige Sicherheitsquarantäne für Reiserückkehrer ausreicht, sollte auch diese Erkenntnis umgesetzt werden. Vieles muss abgewägt und begründet werden in diesen Tagen, das ist mühsam. Doch dieser Mühe muss die Politik sich unterziehen. Gefragt sind bei allen Entscheidungen Augenmaß und Liberalität. Alles andere hilft nicht gegen das Virus und verschärft nur die Konflikte um die richtige Corona-Politik, die Deutschland schon jetzt zunehmend erschüttern.

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