Opposition spricht von „Bauernopfer“

Söder reagiert nach Corona-Test-Pannen: „Hervorragender Mediziner mit hoher Expertise“ muss gehen

  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
    schließen

Die ausufernde Test-Panne rund um Urlaubsheimkehrer hängt Markus Söder schwer in den Kleidern. Nun zieht Bayerns Ministerpräsident personelle Konsequenzen - abseits der Politik.

  • Mehrere Tage nach Bekanntwerden der immensen Corona-Test-Panne in Bayern gibt es personelle Konsequenzen.
  • Gehen muss der von Markus Söder hochgelobte Landesamts-Chef Andreas Zapf.
  • Doch der Mediziner fällt weich.

München - Vor drei Monaten fand der Beamte Andreas Zapf höchst lobende Worte für seinen obersten Chef in der Corona-Krise*. „Es war richtig, dass Söder beherzt gehandelt hat“, sagte er. „Vor allem, dass er harte Entscheidungen getroffen hat.“ Ob er das heute wiederholen würde? Die letzte Entscheidung Söders war nämlich besonders hart: Der Ministerpräsident entband den Beamten von seiner Aufgabe als Präsident des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Unterdessen werden auch Rücktrittsforderungen gegen Gesundheitsministerin Melanie Huml laut.

Zapf, Nürnberger und zweifacher Familienvater, muss wegen der Test-Pannen an Bayerns Autobahnen gehen. Er wird, weil eine Entlassung in Bayern nicht möglich und auch nicht erwünscht ist, ins Gesundheitsministerium versetzt. Eine weiche Landung zwar auf weiterhin Besoldung B6 und 10.000 Euro Monats-Brutto, doch für die Öffentlichkeit ist klar: Zapf büßt für die 44.000 verzögerten Tests. Dafür bleiben alle zuständigen Politiker im Amt. „Ein Bauernopfer“, heißt es nicht nur von mehreren Oppositionspolitikern.

Söder versetzt Landesamts-Chef Zapf: Einer der präsentesten hohen Beamten Bayerns

Tatsächlich ist Zapfs Versetzung spektakulär. Von Bayerns hohen Beamten, die das Rampenlicht meist meiden, ist der Honorarprofessor mit der Lesebrille und den leicht verwuschelten Haaren einer der bekannteren. Der stets ruhig auftretende Mediziner - Facharzt in mehreren Bereichen - führt das Gesundheits-Landesamt mit seinen 1100 Mitarbeitern seit 2008 durch turbulente Zeiten.

Zapf stand mit der Behörde mehrere Lebensmittel-Skandale durch, darunter die Bayern-Ei-Affäre. Damals im Untersuchungsausschuss wollte ihm die Opposition nachweisen, er habe die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen mit einem heiklen Anruf beeinflusst. Als Behördenleiter sei er „nicht tragbar“, urteilten einzelne Abgeordnete - nicht aber die CSU. Nun: Zapf blieb, er hatte konstant die Rückendeckung wechselnder Minister und Ministerpräsidenten.

Nicht mehr Chef des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Andreas Zapf wurde nach den Corona-Pannen zwangsversetzt.

Söder versetzt Landesamts-Chef Zapf: „Hervorragender Mediziner mit hoher Expertise“

Bis August schien sich das zu bewähren: In der Corona-Krise wirkten Zapf und sein Amt insgesamt stabil, testeten Schutzausrüstung, koordinierten Infektionsmeldungen - Bayern konnte im Frühjahr den erlösenden Knick bei den Neuinfektionen vermelden. Zapf selbst wurde in diesen Monaten informell einer der wichtigsten Söder-Ratgeber in der Pandemie, stützte dessen sehr vorsichtigen Kurs.

„Ich schätze ihn sehr, ein hervorragender Mediziner mit hoher Expertise“, sagt der Regierungschef - und versetzt ihn dennoch. Fürs schleppende Aufräumen der Test-Pannen war das Landesamt eben mitverantwortlich. Bei Zapf kam noch ein zweideutiger Satz vor Journalisten hinzu, der als Kritik an den ehrenamtlichen Helfern in den Autobahn-Testzentren zu verstehen war.

Söder versetzt Landesamts-Chef Zapf: Neue Position soll „zeitnah" festgelegt werden

Kenner der Materie geben zu verstehen, dass Zapf nicht freiwillig, aber ohne Eklat abgetreten sei. Er erfuhr von seiner Versetzung offenbar auf den letzten Drücker vor einer Pressekonferenz, auf der er eigentlich auftreten sollte. Was er nun im Ministerium genau machen wird, ist offen. „Über die konkrete künftige Position von Herrn Prof. Zapf werden wir zeitnah entscheiden“, schreibt ein Sprecher des Ministeriums, das zuletzt allerdings „zeitnah“ gern auch großzügig auslegte.

Nachfolger als Landesamts-Chef wird Walter Jonas (59). Der Jurist aus Passau arbeitete lange im Innenministerium an Polizei-Themen, war zuletzt Vizepräsident der Regierung von Oberbayern. Als gesellig und humorvoll beschreiben ihn Teilnehmer früherer Schafkopfrunden, er ist Bruder des Kabarettisten Bruno Jonas, wird darauf aber nur mäßig gerne angesprochen. „Die nötige Härte traue ich ihm zu“, sagt indes ein Kollege, im Umgang mit Personal sei Jonas erfahren. (Christian Deutschländer) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

Hat nach den Test-Pannen doch durchgegriffen: Markus Söder (r.) verpasst dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eine neue Führung.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Bayern lesen Sie in unserem News-TIcker.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

Auch interessant

Kommentare