Passanten tragen Schutzmasken und gehen in einem Park im New Yorker Stadtteil Brooklyn spazieren.
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Als eine der am schwersten vom Coronavirus betroffenen Städte ging New York im März 2020 für fast drei Monate in den Lockdown.

Entwicklung des Corona-Hotspots USA

Coronavirus in den USA: Ausbreitung und Gegenmaßnahmen

Anfang Oktober 2020 registrierten die Vereinigten Staaten mehr als 7 Millionen mit dem Coronavirus infizierte Menschen. Das Virus breitet sich rasant aus – dennoch herrscht in kaum einem US-Bundesstaat eine Maskenpflicht, wie sie etwa in Deutschland und vielen weiteren europäischen Ländern seit Monaten üblich ist. Alles über die Ausbreitung und die Gegenmaßnahmen der Regierung sowie der einzelnen Bundesstaaten.

  • Die USA zählen im Herbst 2020 die zahlenmäßig höchsten Infektionswerte mit dem Coronavirus.
  • Mehr als 210.000 Todesfälle wurden bis Oktober 2020 verzeichnet.
  • US-Präsident Donald Trump fiel seit Beginn der Pandemie mit widersprüchlichen Aussagen zu Gegenmaßnahmen auf.

Washington, D.C. – Seit Dezember 2019 breitet sich das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 weltweit aus. Am 21. Januar 2020 meldete die US-Gesundheitsbehörde „Centers for Disease Control and Prevention“ die erste Infektion in den USA. Seitdem geht die Verbreitung rasant voran: Im März 2020 zählten die Vereinigten Staaten mit zu den Ländern, in denen die Fallzahlen weltweit am schnellsten stiegen. In der Todesrate liegen die Vereinigten Staaten im Verhältnis zur Einwohnerzahl auf Platz sechs mit 651 Todesfällen pro Million Einwohner (Stand 7. Oktober 2020). Laut Johns Hopkins University wurden bis zum 2. Oktober 2020 rund 7.278.000 Corona-Infektionen in den USA festgestellt.

Coronavirus: Verlauf des Infektionsgeschehens

Ende November häuften sich in der chinesischen Provinz Wuhan Fälle einer rätselhaften Lungenkrankheit. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde US-Präsident Donald Trump durch Geheimdienstbeamte vor dieser Ansteckungswelle gewarnt. Das berichtet „abc News“ im April 2020. Ende Januar wiesen Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro und Gesundheitsminister Alex Azar auf die Gefahr einer Pandemie hin. Die erste Coronavirus-Infektion wurde am 21. Januar 2020 bei einer aus Wuhan zurückgekehrten Person registriert.

Coronavirus in den USA: Von den ersten Fällen bis zur Pandemie

Ende Januar 2020 waren sieben Fälle bekannt – alle reisten zuvor nach Wuhan. Der erste Todesfall trat Anfang Februar auf. Bis dahin wurden nach offiziellen Zahlen 24 Infektionen registriert.

Die Corona-Pandemie nahm in den folgenden Wochen und Monaten in den USA einen rasanten Verlauf. Ende März, sechs Wochen nach dem ersten Fall, waren nach offiziellen Angaben mehr als 100.000 Infektionen mit dem Coronavirus bekannt, circa 1.600 Menschen starben an der durch das Virus verursachten Erkrankung Covid-19.

Der weitere Verlauf in Zahlen:

  • Ende April 2020: ca. als eine Million Infektionen, ca. 57.000 Todesfälle
  • Ende Mai 2020: ca. als 1,68 Millionen Infektionen, ca. 98.000 Todesfälle
  • Ende Juni 2020: ca. 2,5 Millionen Infektionen, ca. 125.000 Todesfälle
  • Ende Juli 2020: ca. 4,5 Millionen Infektionen, ca. 153.000 Todesfälle
  • Ende August 2020: ca. 5,9 Millionen Infektionen, ca. 183.000 Todesfälle
  • Ende September 2020: ca. 7,2 Millionen Infektionen, ca. 206.000 Todesfälle

Coronavirus in den USA: Gegenmaßnahmen

Am 13. März 2020 verhängte Donald Trump ein Einreiseverbot für nahezu alle Personen, die sich innerhalb von 14 Tagen vor Einreise in einem Schengenstaat aufgehalten haben. Dazu zählen alle EU-Staaten außer Irland und Zypern. Beschränkungen wurden auch für Einreisende aus Großbritannien, Irland, China, Iran und Brasilien verordnet.

Einen flächendeckenden Lockdown oder eine landesweite Maskenpflicht gab es in den USA nicht – stattdessen wurden Schließungen von Geschäften, Restaurants und anderen Einrichtungen in verschiedenen Bundesstaaten als Gegenmaßnahme eingesetzt. Ebenso entschieden sich einige Staaten für eine Maskenpflicht, vor allem solche, die sich zu einem Corona-Hotspot entwickelten.

Mitte März 2020 wurden Richtlinien zur Bekämpfung des Coronavirus beschlossen. Ansammlungen von mehr als zehn Personen sollten vermieden werden, Restaurants, Speisen und Getränke nur zur Mitnahme anbieten oder liefern.

Coronavirus in den USA: Trumps Spekulationen

Mit seinen Spekulationen über mögliche Gegenmaßnahmen stieß US-Präsident Trump auf Erstaunen bei Virologen: So mutmaßte er Ende April 2020 öffentlich, das ultraviolettes Licht den Virus zerstören könne oder Injektionen mit Desinfektionsmittel ein gangbarer Weg seien.

Virologen stimmten Trump zwar teilweise zu – so könnten einige Erreger tatsächlich durch starke Lichtquellen unschädlich gemacht werden; für das SARS-CoV-2-Virus ließ sich das jedoch bis dato nicht bestätigen. Desinfektionsmittel zu injizieren sei jedenfalls hochgefährlich.

Anfang Oktober 2020 meldete das Weiße Haus, Donald Trump sei selber an Covid-19 erkrankt. Es wurde vermutet, das Virus breitete sich im Zuge einer Veranstaltung im Rosengarten des Weißen Hauses aus.

Coronavirus in den USA: Hotspots im Überblick

Insbesondere der Bundesstaat Washington entwickelte sich zu einem ersten Hotspot. Dort wurde im Januar die erste Infektion mit dem Coronavirus in den USA diagnostiziert. Anfang März waren 45 Fälle bekannt, Anfang Oktober zählte der Staat mehr als 94.000. Mitte März ging Washington in den Lockdown: Bars, Restaurants, Cafés, Nachtclubs, Kinos und andere Veranstaltungsorte schlossen. Am 26. Juni verabschiedete der Staat eine Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen oder wenn im Freien der Mindestabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden konnte.

Bis Herbst 2020 wurden in Washington rund 94.000 Fälle bekannt – und damit weitaus weniger als in anderen Hotspots.

Coronavirus in den USA: Hotspot New York City

Als eine der am schwersten vom Coronavirus betroffenen Städte ging New York im März 2020 für fast drei Monate in den Lockdown. Mehr als 20.000 Tote verzeichnete die Metropole an der Ostküste, die Krankenhäuser waren über ihrem Limit und mehr als eine Million Menschen verloren ihren Job. Erst Ende Juni öffneten Geschäfte, Friseure, Restaurants und Hotel wieder. Die Maßnahme war ähnlich wie in Washington zunächst erfolgreich: New York City verzeichnete nach dem Lockdown verhältnismäßig geringe Fallzahlen. Insgesamt wurden bis Herbst rund 251.000 Infektionen registriert.

Nach New York entwickelten sich weitere Bundesstaaten zu Corona-Hotspots. Diese Zahlen verzeichneten die Bundesstaaten bis Anfang Oktober 2020:

  • Kalifornien: ca. 837.000 Fälle, ca. 16.000 Todesfälle
  • Texas: ca. 806.000 Fälle, ca. 16.000 Todesfälle
  • Florida: ca. 717.000 Fälle, ca. 14.000 Todesfälle

Coronavirus in den USA: Ursachen für die hohe Verbreitung

Seit der ersten Zuspitzung der Pandemie Anfang März 2020 wurden in den USA an keinem Tag weniger als 20.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet. In weiten Teilen schwer betroffener Gebiete in anderen westlichen Ländern gingen die Zahlen bis Juni 2020 teils deutlich zurück, so etwa in Italien, Frankreich, Deutschland und Österreich. In den USA blieben sie hingegen auf hohem Niveau.

Experten sehen für die rasante Ausbreitung mehrere Faktoren. So wurden steigender Zahlen zum Trotz viele verhängte Restriktionen aufgehoben. Bereits Mitte April beendete der Bundesstaat Georgia, in dem es besonders viele Corona-Todesfälle gab, den Lockdown.

Coronavirus in den USA: Teststrategien

Kritik gab es auch an der Teststrategie der USA: In der Anfangsphase der Pandemie waren die Vereinigten Staaten ein Land, das verhältnismäßige viele Tests durchführte. Nach Ansicht von Donald Trump war das mit ein Grund, warum sein Land so zahlreiche Fälle verzeichnete.

Virologen widersprachen dem: Ihnen zufolge testete die USA gemessen an der Bevölkerungsgröße keineswegs häufiger. Im Mai 2020 wurden rund 300.000 Nachweise am Tag durchgeführt. Das war zahlenmäßig tatsächlich mehr als in anderen Ländern – umgerechnet auf die Bevölkerung lagen die USA jedoch deutlich zurück. Pro Million Einwohner testeten etwa Länder wie Italien, Spanien, Deutschland Russland wesentlich mehr.

Im August 2020 änderte die US-Gesundheitsbehörde CDC ihre Testrichtlinien: Nicht mehr, wer engen Kontakt mit einem Infizierten hatte, sollte sich einem Coronavirus-Test unterziehen, sondern nur noch, wer auch Symptome entwickelte – das sind jedoch längst nicht alle Infizierten.

Die stark steigenden, hohen Fallzahlen erschweren es zudem, Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen – und jeder Infizierte kann, ohne es zu wissen, ein sogenannter Superspreader sein, eine Person, die das Virus an eine Vielzahl weiterer Menschen weitergibt.

Coronavirus in den USA: Ursachen für die hohe Todesrate

Vor allem zu Beginn des Ausbruchs im Februar und März wurde eine sehr hohe Dunkelziffer vermutet. Beispiel Washington: Im März 2020 fielen 18 der bis dato gemeldeten 22 Todesfälle in den USA auf das Gebiet im Nordwesten der USA – und das, obwohl es „nur“ 123 bestätigte Infektionen gab. Experten vermuten, dass die hohe Todesrate gemessen an den gemeldeten Fallzahlen auf eine hohe Anzahl nicht bekannter Fälle zurückzuführen war. Bei vielen bleibt eine Infektion mit dem Coronavirus unbemerkt – sie stecken weitere Menschen an, ohne es zu merken.

Die gesundheitliche Versorgung gilt als weitere Ursache für hohe Todeszahlen nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Das US-Gesundheitssystem ist teuer – viele können sich eine Behandlung trotz Krankenversicherungspflicht nicht leisten. In den Krankenhäusern stehen zudem verhältnismäßig wenige Intensivbetten zur Verfügung: Pro 100.000 Einwohner sind es im Durchschnitt 25,8. In Deutschland kommen auf 100.000 Einwohner 33,9 Intensivbetten.

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