"Weitere politische Attacke"

Coronavirus in den USA: Behörde lässt Trumps Pläne für Impfstoff zerschellen - Präsident verärgert

Die Arzneimittelbehörde FDA hat mit neuen Zulassungs-Richtlinien Trumps Hoffnung auf einen schnellen Corona-Impfstoff gedämpft.


Washington - Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Donald Trumps Pläne für eine schnelle Zulassung eines Corona-Impfstoffes* in den USA zunichte gemacht. Am Dienstag gab die Behörde neue Kriterien für die beschleunigte Zulassung eines Corona-Impfstoffs bekannt. Demnach müssen Hersteller in der dritten und letzten Testphase eine Nachbeobachtungszeit einhalten, die es de facto unmöglich macht, noch vor der Präsidentschaftswahl am 3. November einen Impfstoff auf den Markt zu bringen. Die Regel sei notwendig, um ausreichend Daten "zur Bewertung des Risiko-Nutzen-Profils eines Impfstoffs" zu erheben.

Coronavirus-Impfstoff: Trump reagiert verärgert auf neue Kriterien

Die beiden Unternehmen Moderna und Pfizer, deren klinische Studien bislang am weitesten fortgeschritten sind, haben die dritte Test-Phase erst Ende Juli begonnen. Da die zweite Impfdosis jeweils 28 Tage nach der ersten Dosis verabreicht wird, ginge die von der FDA geforderte Nachbeobachtungszeit bei den allerersten Probanden also Ende Oktober zu Ende. Die Firmen hätten dann aber vermutlich noch keine ausreichende Datengrundlage, um eine Zulassung im Schnellverfahren zu beantragen.

Präsident Donald Trump* hatte die Zulassung eines Impfstoffs noch vor der Wahl immer wieder in Aussicht gestellt. Auf Twitter reagierte er verärgert auf die neuen FDA-Richtlinien. Diese würden es "schwieriger machen, Impfungen noch vor dem Wahltag zuzulassen". Dies sei eine "weitere politische Attacke" auf ihn als Präsidenten.

Laut US-Medien hatte das Weiße Haus versucht, Einfluss auf die neuen FDA-Richtlinien zu nehmen. Demnach hielt das Weiße Haus die Nachbeobachtungszeit für unnötig und wollte sie aus den Richtlinien streichen.

Trump steht wegen der starken Ausbreitung des Coronavirus in den USA stark unter Druck. In den Umfragen liegt er hinter seinem Herausforderer Joe Biden. Die oppositionellen Demokraten äußern deshalb schon länger die Befürchtung, Trump übe massiven Druck auf Forscher und Gesundheitsbehörden aus, damit möglichst bald und noch vor der Wahl ein Impfstoff zugelassen wird. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Patrick Semansky/AP/dpa

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