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Kommentar: Die Virologen haben die Weltherrschaft übernommen

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Von: Georg Anastasiadis

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Georg Anastasiadis © Marcus Schlaf

Briten-Premier Johnson im Krankenbett, die Kanzlerin in Quarantäne. Den Taktstock schwingen weltweit die Virologen. Das darf nicht zum Dauerzustand werden, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Wäre die Corona-Krise keine gefährliche Pandemie, sondern eine unterhaltsame Seifenoper, könnten wir jetzt über die nächste Pointe lachen: Ausgerechnet Boris Johnson, dem das Virus lange am Allerwertesten vorbeiging, ist der erste europäische Regierungschef, den der boshafte Erreger außer Gefecht setzt

Dass es zuvor mit Prinz Charles auch schon den Thronfolger erwischt hat, lässt allerdings nichts Gutes ahnen für das Vereinigte Königreich: Offenbar ist das Coronavirus nach Johnsons langem Zögern, Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen anzuordnen, schon zu weit in der Bevölkerung verbreitet, als dass die Ausbreitung der Lungenkrankheit auf der Insel jetzt noch zu stoppen wäre. 

Coronavirus: Boris Johnsons Übermut könnte Ältere teuer zu stehen kommen

Vor Kurzem hatte Held Johnson – so wie sein brasilianischer Kollege Bolsonaro – noch stolz damit geprahlt, dass er weiterhin jedem die Hand gebe. Die Senioren könnten bald einen hohen Preis zu zahlen haben für den Übermut ihres Premiers. 

Noch dümmer handelte nur die neue spanische Regierung, die die Bürger Anfang März noch zur Teilnahme an einer Riesendemo für Frauenrechte in Madrid aufrief. Zwei Ministerinnen und die Frau des sozialistischen Ministerpräsidenten steckten sich an. Seither ist die spanische Hauptstadt ein Epizentrum der Seuche.

Coronavirus: Irgendwann muss auch die Politiker wieder übernehmen

Eine Sorge müssen die Briten gottlob nicht haben: Dass es ohne Johnson auf der Kommandobrücke jetzt noch steiler bergab geht mit den Untertanen der Queen. Längst haben die Virologen es den Klimaforschern nachgemacht und die Weltherrschaft an sich gerissen. Europas lange sorglosen Politikern, die noch im Routinemodus weiterwurstelten, als das Coronavirus in Asien schon schlimm wütete, bleibt nur noch die Rolle der staunenden Statisten. 

Auch die Deutschen hängen längst nicht mehr an den Lippen der Kanzlerin oder ihres Möchtegernnachfolgers Armin Laschet, sondern an denen des Charité-Virologen Christian Drosten. Böse Zungen könnten versucht sein zu sagen: Ist auch besser so! Stimmt. Aber irgendwann muss auch die Politik wieder übernehmen. Einen ewigen Shutdown können wir uns nicht leisten.

Georg Anastasiadis

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