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Georg Anastasiadis, Chefredakteur Münchner Merkur

Helikopter-Geld wie in den USA?

Deutschland in der Corona-Krise: Bürger brauchen einen Rettungsschirm - Kanzlerin muss handeln

  • Georg Anastasiadis
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US-Präsident Trump lässt gegen die Corona-Krise buchstäblich Geld vom Himmel fallen. Auch Angela Merkel muss ihrer Warnung vor der größten Krise seit dem Krieg endlich Taten folgen lassen.

  • In den USA ist aufgrund der Corona-Krise ein finanzieller Rettungsschirm geplant.
  • Auch in Deutschland muss die Kanzlerin nun endlich handeln.
  • Ein Kommentar von Münchner Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - Trumps Amerika hat die Corona-Krise, man muss es leider so hart sagen, wochenlang verpennt. Aber jetzt läuft die Rettungsmaschine auf Hochtouren: Die Notenbank Fed hat das Steuer herumgerissen und die Zinsen brutalstmöglich Richtung null Prozent gedrückt. Und der Präsident lässt Helikopter-Geld abwerfen: Jeder Haushalt soll im Durchschnitt Schecks über insgesamt 4000 Dollar erhalten. 500 Milliarden Dollar lässt sich der Staat diesen Rettungsschirm kosten. „Die Amerikaner brauchen jetzt cash“, sagt der Finanzminister.

Coronavirus in Deutschland: Ungewöhnliche Maßnahmen in ungewöhnlichen Zeiten

Richtig. Und nicht nur die Amerikaner. Auch Deutschland muss lernen, dass ungewöhnliche Zeiten ungewöhnliche Maßnahmen erfordern. Wenn Millionen Taxler, Kulturschaffende, Ladeninhaber, Wirte und andere von der Krise hart getroffene Menschen von heute auf morgen unverschuldet mittellos dastehen, die Miete nicht mehr zahlen und Einkäufe nicht mehr erledigen können, ist es nicht die Zeit für langwierige Antragsprozeduren; auch Steuerstundungen helfen dann nicht schnell genug. 

Die Verbraucher müssen inmitten der Coronavirus-Krise zahlungsfähig gehalten werden, bevor ganze Kreisläufe kollabieren und die Wirtschaft in die Depression abrutscht. Helikopter-Geld wirkt ohne Zeitverzug. Es muss ja nicht genau das sein. Wenn die Bundesregierung bessere Ideen hat, dann gerne her damit!

Coronavirus und die deutsche Wirtschaft: Mit Rettungsschirm ist es noch nicht getan

Mit einem Rettungsschirm für bedrängte Bürger wird es nicht getan sein. Die Krise wird den Staat bald zwingen, sich auch am Aktienkapital von Unternehmen zu beteiligen. „Think big“ war das amerikanische Erfolgsrezept schon in der Finanzkrise 2007: Anders als die Europäer hat die US-Regierung die großen Banken zwangsverstaatlicht, zurück in die Erfolgsspur gebracht, später wieder privatisiert und damit viel Geld für den Steuerzahler verdient. 

In Deutschland, wo das nicht passierte, sind die großen Geldhäuser wie Deutsche Bank und Commerzbank heute Zombies. Die Europäische Zentralbank hat sich im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen von Corona bereits für unzuständig erklärt. Ihre Mittel sind erschöpft. Helfen kann in dieser Lage nur noch der Staat. Denn die Kombination aus einem historisch beispiellosen Angebots- und Nachfrage-Doppelschock, resultierend aus dem von der Regierung angeordneten Shutdown, droht zu einem wirtschaftlichen Armageddon zu werden. Die Kanzlerin hat Recht: Unser Land steht vor der größten Herausforderung seit dem Krieg. Jetzt muss sie aber auch entsprechend handeln.

In Bayern zögerte Ministerpräsident Markus Söder nicht lange - und ging in der Corona-Krise entschlossen vor. Ein weiterer Kommentar von Münchner Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

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