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Herzogin Helene in Bayern 2009 vor ihrem Kreuth: „Der schönste Flecken der Welt.“

Die CSU bangt um Kreuth

Wirren ums Wildbad: Seehofer soll helfen

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Kreuth - Die CSU hat Kreuth noch nicht ganz aufgegeben. Parteichef Seehofer will sich in die Gespräche einklinken. Chancen: ungewiss. Die Wittelsbacher verhandeln bereits mit anderen Interessenten. Das Tischtuch ist aber nicht zerschnitten.

Der Himmel über dem Schloss war strahlend blau, ein dreifacher Ehrensalut donnerte über das Gelände, 2500 Ehrengäste, 500 Schützen und sogar eine Delegation aus zehn Dackeln traten an zum Defilee. So feierte Herzog Franz von Bayern vor anderthalb Jahren in Schloss Schleißheim seinen 80. Geburtstag. Ranghöchster Gratulant unter dem weißen Baldachin auf der Schlossterrasse war Horst Seehofer. Der der Urenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III. und der bodenständige Ministerpräsident schienen sich gut zu verstehen. In der CSU hofft man nun, das gute Verhältnis könnte helfen, ein schattigeres Problem zu lösen.

Seehofer will bei den Wittelsbachern, also vermutlich bei Familienoberhaupt Herzog Franz, um ein Gespräch nachsuchen, um den Standort Kreuth zu retten. Das kündigte er am Dienstag an. Das Wildbad gehört den langjährigen bayerischen Herrschern und wird seit 1974 an die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung vermietet. Wenn der Vertrag im März ausläuft, soll wie berichtet die Miete drastisch steigen: von 84 000 auf 630 000 Euro pro Jahr, plus Unterhaltskosten. Für die Stiftung wäre das nicht leistbar – das Ende des Tagungsbetriebs und der Januar-Klausuren von Landesgruppe und Landtagsfraktion.

In der CSU macht sich Wehmut breit. Von ihrer hässlichen Landesleitung in München hat sich die Partei bewusst getrennt, den Verkaufsvertrag für das Gebäude neulich unterschrieben. Aber das schmucke Kreuth sollte bleiben. Es sei „ein wunderbarer Ort“, schwärmt Kunstminister Ludwig Spaenle, „ein genius loci“. Er hoffe, dass die richtige Entscheidung getroffen werde. Kreuth sei „ein Zauberwort für das CSU-Profil“, sagt der frühere Parteichef Erwin Huber. „Es wär’ ewig schad, wenn dieser Mythos enden würde. Ich hoffe auf eine Einigung.“

Die ist nicht wahrscheinlich, aber noch möglich. Das betont ausdrücklich auch die Eigentümerin, Herzogin Helene in Bayern. Es würden „derzeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung sowie einigen sehr ausgewählten Interessenten Gespräche geführt“, sagt ein Sprecher der Herzogin unserer Zeitung. Er erinnert daran, dass der Mietpreis derzeit extrem niedrig ist. Die Stiftung miete das Objekt seit 1974, „die Miete beläuft sich auf deutlich unter einem Euro pro Quadratmeter im Monat“. Man brauche langfristig wieder eine Miete, „die sich näher an den Marktgegebenheiten orientiert“.

„Wir verhandeln weiter“, sagt ein Sprecher der Stiftung. Dem Vernehmen nach sitzt man Ende dieser, spätestens nächste Woche wieder zusammen. Seehofers Bereitschaft zur Intervention gilt intern als gutes Zeichen. Das Verhältnis zwischen Wittelsbachern und Staatsregierung ist entspannt. Er und Herzog Franz haben schon mal diskret ein Problem gelöst: Im wochenlangen Streit um Dürers Selbstbildnis, das der Landesstiftung der Wittelsbacher gehört, besprachen sich beide in aller Heimlichkeit und entschärften den Konflikt über eine mögliche Ausleihe nach Nürnberg.

Und: Auch für die traditionsbewussten Wittelsbacher ist das Wildbad ein besonderer Ort, sie werden kaum leichtfertig entscheiden. Herzogin Helene wohnt seit Jahren nebenan und unternimmt – meist unerkannt – oft Spaziergänge mit ihren Hunden auf dem Areal. „Das ist für mich der schönste Flecken der Welt“, vertraute sie 2009 einer jungen Journalistin an.

Christian Deutschländer

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