+
Ilse Aigner ist mit einem traumhaften Ergebnis zur Vorsitzende des mächtigen CSU-Bezirksverbands Oberbayern wiedergewählt worden.

Rekordergebnis

Fast hundert Prozent für Ilse Aigner

Germering - Harmonie in der Herzkammer: Ilse Aigner darf mit fast 100 Prozent Vorsitzende der einflussreichen CSU Oberbayern bleiben. Nicht mal eine starke Rede muss sie fürs Rekord-Resultat halten.

Als das Ergebnis verlesen wird, vergräbt Ilse Aigner aufgeregt das Gesicht in den Händen. Es rummst und knarzt kräftig hinter ihr, weil die Delegierten alle von den Plätzen aufspringen. Dann lacht sie befreit auf. 99,7 Prozent – es ist ein phänomenales Ergebnis für die Wiederwahl als CSU-Vorsitzende in Oberbayern. Aufgerundet: 100.

Drei der Delegierten enthalten sich, einer nur stimmt gegen Aigner: Damit hatten auch Optimisten nicht gerechnet, nicht mal insgeheim. „Das macht Freude“, raunt Horst Seehofer, stapft auf die Bühne und drückt Aigner einen dicken Blumenstrauß in die Hand. Sie strahlt in ihrem blau getupften Kleid wie ein junges Mädchen. „Alles in Ordnung“, sagt er noch.

Die Oberbayern-Chefin, eine der großen Zukunftshoffnungen der CSU, reiht sich also nahtlos ein in die Top-Ergebnisse der anderen Bezirksfürsten aus den kleineren Verbänden. Das muntere Ratespiel, wer vorne liege im Rennen um künftige hohe Ämter – Aigner oder der Franke Markus Söder – kann also unentschieden fortgesetzt werden: beide rund 100 Prozent bei der Wiederwahl für zwei Jahre, beide aktuell Note 3,0 in Umfragen. Und beide schweigen offiziell weiter über ihre Pläne. Aigner wiederholt auch nach der Wahl brav den alten Satz vom Bären und seinem Fell.

Ihr Rekordresultat hat sich in dieser Höhe nicht angekündigt. Die CSU Oberbayern leistet sich einen Parteitag in piano. Seehofer bittet, wie derzeit bei fast jedem Auftritt, um Demut und Fehlervermeidung. Er hat sich ein wohl aufpeitschendes Ende seines morgendlichen Grußworts ausgedacht, trägt es aber im Plauderton vor: „Wie vor einem Champions-League-Endspiel“ verlangt er vor allem von den Berufspolitikern „höchste Konzentration, höchsten Einsatz. Man muss an die Grenze dessen gehen, was ein Mensch leisten kann“, erzählt er brav.

Auch Aigner fetzt nicht gerade durch ihren Auftritt. Bei ihrer Antrittsrede vor zwei Jahren war sie sichtbar aufgeregt, das wurde ihr sympathisch ausgelegt. Nun aber wirkt der Beitrag matt. Alle Kanten, alle neuen Aussagen fehlen. Wo es in der Partei auch mal knirschen kann – die Themen Startbahn oder Asyl zum Beispiel – bleibt Aigner wolkig. Die Stimmung sei „supergut“, sagt sie, während der Geräuschpegel in der Germeringer Stadthalle steigt. „Dass Oberbayern die Lokomotive ist, steht nicht in der Verfassung. Das ist harte Arbeit.“

Die Grundzuneigung ihres Verbands und langer Beifall sind ihr aber sicher. Mit einer starken Rede wären wohl 120 Prozent drin gewesen, wird gewitzelt. Seehofer, der sich in eine Ecke setzt und mit Edmund Stoiber plaudert, ist das recht. Er rechnet „der Ilse“, er spricht meist nur so über sie, hoch an, dass sie ihm mit Oberbayern wenig Ärger macht, kein Gemaule. „Das ist alles rund im Moment“, sagt er zufrieden.

Rund findet er wohl auch den inoffiziellen Wettlauf Söder-Aigner, vermutlich um den Fraktionsvorsitz. Seehofer greift jedenfalls nicht bremsend ein, sondern beäugt das wie ein stolzer Zirkusdirektor. Aigner habe mit dem Agrarressort eines der sensibelsten Ämter in Berlin, Söder habe in Bayern schwierigste Aufgaben gelöst, sagt er vor Journalisten: „Jetzt muss man schauen, wie geht es weiter mit der Zähigkeit, Standfestigkeit.“ Es sei doch schön, dass es wieder ein breiteres Personalangebot in der CSU gebe. Seehofer will sich am Wahlabend auch genau anschauen, wieviel die Bezirksfürsten dann persönlich auf den Listen zu den CSU-Stimmen beigetragen haben.

Im Vize-Team hinter Aigner gibt es die erwarteten Werte. Die Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (96,7 Prozent) und der Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer (92,9) bleiben über 90. Die kantigeren zwei, General Alexander Dobrindt (86,8) und Ministerin Christina Haderthauer (80,7), liegen klar darunter. Das ist zwar keine Schlappe, aber ein nur mäßiges Ergebnis, zumal Seehofer in hohen Tönen beide vor der Wahl mit Sonderlob bedenkt. Dem Wahlkampf-Organisator Dobrindt könne er blind vertrauen.

„Im normalen Bereich“, erklärt Seehofer die Resultate. Er habe auch immer unter 90 gelegen – „das ist so, wenn Sie Positionen beziehen“. Im übrigen sei er, fügt er außerhalb der Hörweite Haderthauers an, trotzdem Ministerpräsident geworden.

Christian Deuschländer

Die Bundesregierung: Merkel und ihre Minister

Die Bundesregierung: Merkel und ihre Minister

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auch CSU-Bundestagsabgeordneter fordert Seehofers Rücktritt
Nach den schweren Verlusten der CSU bei der Bundestagswahl hat sich der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Hoffmann für einen Rücktritt von Parteichef Horst Seehofer …
Auch CSU-Bundestagsabgeordneter fordert Seehofers Rücktritt
Bundestagswahl im Live-Ticker: Petry begründet Rückzug mit „Radikalisierung“ in AfD
Nach der Bundestagswahl überschlagen sich die Ereignisse. Bei der AfD gibt es einige personelle Veränderungen. Wir verfolgen alle Entwicklungen im Live-Ticker.
Bundestagswahl im Live-Ticker: Petry begründet Rückzug mit „Radikalisierung“ in AfD
Nach Wahlpleite: CSU streitet um Seehofers Zukunft
In Bayern wächst der Druck auf CSU-Chef Horst Seehofer. Immer mehr Kritiker fordern wegen des Stimmverlusts seinen Rücktritt und wollen ausgerechnet seinen größten …
Nach Wahlpleite: CSU streitet um Seehofers Zukunft
CSU drängt CDU zu Wahl-Konsequenzen - Dämpfer für Kauder
Bricht nach dem dicken Minus bei der Bundestagswahl wieder interner Ärger zwischen den Unionsparteien auf? Auf Drängen der CSU soll nun gemeinsam über Lehren beraten …
CSU drängt CDU zu Wahl-Konsequenzen - Dämpfer für Kauder

Kommentare