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Markus Söder auf dem Weg in die Staatskanzlei. 

Seehofer und Söder

Brüchiger Weihnachtsfriede in der CSU

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München - Horst Seehofer und Markus Söder scheinen sich nach dem Parteitag und vor der nächsten Umfrage ein bisschen anzunähern.

Die Weihnachtsfeier erwies sich als sehr tückische Sache. Die Tischdekoration vermittelte Adventsfrieden, der Hauptredner aber suchte das Gegenteil. Horst Seehofer schlenderte von Tisch zu Tisch und ließ dort vor Journalisten Gemeinheiten über seine Untergebenen fallen. Als „Glühwürmchen“ beschrieb er sie, als „Praktikanten“. Und zu seinem Finanzminister Markus Söder teilte er mit, der sei von Ehrgeiz zerfressen und betreibe „zu viele Schmutzeleien“.

Im Dezember 2012 war diese Medien-Weihnachtsfeier der CSU-Spitze in München. Geblieben von damals sind Seehofers wundervolle Wortschöpfung „Schmutzelei“ und das Rätsel, warum der Parteichef so rüde vorging. Die häufigste Lesart: Von Zeit zu Zeit gibt Seehofer dem aufstrebensten, ehrgeizigsten Kronprinzen öffentlich was auf die Nase, um ihn zu bremsen.

Dann wäre heute mal wieder ein guter Zeitpunkt dafür. 19 Uhr: Weihnachtsfeier der CSU. Die Parallelen sind allerdings oberflächlich, die Lage bereits anders. In weiten Teilen der Partei hat sich die Erwartung festgesetzt, dass Söder der natürliche Kronprinz ist, weit vor allen anderen liegt und sich nur durch eigene Fehler noch ins Straucheln bringen könnte. Zu erkennen war das jüngst auf dem Parteitag, als Söder langen, herzlichen Beifall erhielt. Die beiden Rivalen, zuletzt heftig aneinandergeraten, gaben sich öffentlich die Hand und witzelten in die Mikrofone. Seehofer hatte den Händedruck eingefordert, als Signal nach Franken vor seiner Wiederwahl als Parteichef.

Einige in der CSU, inzwischen auch in Seehofers Nähe, erkennen ein Umdenken. Der Chef beginne sich mit dem Gedanken zu arrangieren, den Stab 2018 doch an Söder übergeben zu müssen. Ob wirklich erst im Herbst 2018, ob wirklich beide Ämter als Partei- und Regierungschef – da gibt es unterschiedliche Standpunkte. Die Zeit, um Söder zu verhindern, wird aber immer enger. Im Januar, zur Kreuth-Klausur der Landtagsfraktion, kommt der „Bayerntrend“, die große Beliebtheits-Umfrage des BR. Söder macht seit Jahren dabei Boden gut, überholte 2013 Ilse Aigner in der Beliebtheit, 2014 alle anderen Kronprinzen, 2015 Seehofer. Alles andere als glänzende Werte für Söder wären 2016 ein Wunder. Schaut her – ich habe ihn hart geprüft, er hat’s bestanden, könnte Seehofer dereinst über Söder sagen und ihn mit Inbrunst für die Nachfolge vorschlagen.

Zur Verkündung der für Bayern angenehmen Länderfinanzausgleichs-Ergebnisse am Freitag nahm Seehofer seinen Kronprinzen – was er nicht musste – mit vor die Kameras. Eine allzu offensive Umarmungsstrategie ist allerdings noch nicht zu erwarten, davon zeugt ein Wortwechsel, als die Kameras noch liefen. „Wir schaun mal, wie’s nächste Woche ausschaut“, sagte Seehofer mit Blick auf ihr Verhältnis. „Ich bin da“, antwortete Söder mit Blick auf die gefährliche Weihnachtsfeier. Seehofer: „Ich war immer länger da.“ Söder: „Das verlockt jetzt zu einer längerfristigen Antwort.“  

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