Collage: Links Alexander Dobrindt und Dorothee Bär im Juni 2021 im Bundestag, rechts Merkur-Redakteur Christian Deutschländer.
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Bundestagswahl 2021: Merkur-Redakteur Christian Deutschländer kommentiert die Personalaufstellung der CSU.

Kommentar

CSU vor der Bundestagswahl 2021: Die Liste rockt nicht

  • Christian Deutschländer
    VonChristian Deutschländer
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Die CSU zieht mit gewohnten Kandidaten in den Wahlkampf. Kein Wunder, dass zwei Drittel der Bayern gegen sie stimmen wollen, kommentiert Christian Deutschländer.

München - Vor ein paar Tagen hat die CSU ihre Liste für Berlin aufgestellt, formal ohne Beanstandung. Es ist, und das freut angesichts des hohen Männerüberhangs in den Wahlkreisen, die erste paritätische Liste. Auch Alter und Herkunft sind ausgewogen. Schön! Einziges Problem: Diese Liste rockt nicht, knallt nicht, fasziniert nicht.

All die Bärs, Scheuers und wackeren Staatssekretäre erzeugen keine Fantasie, wie eine neue, dynamische, entfesselte Bundesregierung der Nach-Corona-Ära aussehen könnte. Auf dieser Liste steht kein neuer Innenminister, Außenminister, Finanzminister für 2021. Man kann’s nicht allein Armin Laschet anhängen, wenn laut Umfragen zwei Drittel der Bayern gegen die CSU stimmen wollen.

Bundestagswahl 2021: Der „Bayernplan“ der CSU müsste ein Defizit ausgleichen

Freilich, das hat viele Gründe. Ein Generationswechsel. Eine Pandemie, die eine eigentlich überfällige Kabinettsumbildung blockierte und der zweiten Reihe Profilierungschancen nahm. Doch das Kernproblem bleibt: Die Personaldecke der CSU ist dünn geworden. Nicht verglichen mit anderen Landeslisten, die sind oft noch graumäusiger, auch verglichen mit vielen früheren Wahlen.

Auch alle etwas bunteren Import-Hoffnungen sind vage. Ein Kanzlerkandidat Söder: wurde nichts, und kam offenkundig mit leeren Händen aus den Kapitulationsverhandlungen mit Laschet. Eine Bundespräsidentin Ilse Aigner: nur winzige Aussicht auf Mehrheiten. Ein Bundesaußenminister Manfred Weber: wäre fachlich und persönlich ein Riesengewinn fürs Amt, ist aber damit beschäftigt, sich das Versauern in Brüssel schönzureden.

Personen und Prominenz sind – zum Glück – nur ein Faktor in Wahlkämpfen. Die Unions-Kampagne und der in Kürze folgende CSU-„Bayernplan“ müssten aber schon sehr fetzig werden, um dieses Defizit auszugleichen.

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