+
Bis auf weiteres die Zukunft der CSU: Joachim Herrmann und Horst Seehofer.

Erster Platz der CSU-Liste noch frei

Seehofer: Ärzte und Familie geben grünes Licht - Wahlkämpfer Herrmann

  • schließen

München - Joachim Herrmann könnte den Spitzenplatz in der CSU-Liste für den Bundestag bekommen. Das will Horst Seehofer, der über das Jahr 2018 hinaus weitermachen will.

Nun endet das lange Schweigen des schwarzen Sheriffs. Erstmals hat Joachim Herrmann am Wochenende öffentlich erklärt, sich einen Wechsel nach Berlin vorstellen zu können. Er wolle sich im Bundestagswahlkampf im Herbst voll einbringen, sagte Bayerns Innenminister in mehreren Interviews. Offenbar steht der CSU-Politiker für das Amt des Bundesinnenministers bereit.

„Ich bin bereit, mich in diesem Wahlkampf zu engagieren“, sagte Herrmann unserer Zeitung. „Die Leute überall in Deutschland wissen die bayerische Sicherheitspolitik zu schätzen.“ Ob er konkret den ersten Platz der CSU-Liste für den Bundestag annimmt, wird heute in der Sitzung des CSU-Vorstands bekannt gegeben. Der Platz ist noch frei – alles andere als eine Zusage wäre grob überraschend.

Herrmann soll nach Berlin

Herrmann nach Berlin zu schicken, war einer von mehreren Plänen, die Parteichef Horst Seehofer entwickelt hatte, um die Folgen der Flüchtlingskrise für die CSU einzudämmen. Der Franke, bald zehn Jahre Bayerns Innenminister, soll persönlich dafür stehen, dass sich ein Szenario mit großen Migrationsbewegungen an unkontrollierten Grenzen nie wiederholt. Vereinfacht gesagt: ein Aufpasser für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) – zumindest sollen das die CSU-Wähler so empfinden. Andere Optionen (etwa Markus Söder für Berlin) konnte Seehofer nicht durchsetzen.

„Meine Botschaft ist klar: Mehr Sicherheit ist auch in ganz Deutschland möglich“, sagt Herrmann. Das ist eine Spitze auf Amtsinhaber Thomas de Maizière (CDU), den Herrmann zwar nie öffentlich direkt attackierte, mit dessen Politik vor allem beim Grenzschutz er aber haderte. Heikel: de Maizière ist ein enger Merkel-Vertrauter. Man wisse nicht, wie die CDU darauf reagiere, heißt es in der CSU.

Herrmann erntet Respekt von seiner Partei

Bisher hatte sich Herrmann nie nach einem Posten in Berlin gestreckt. Dass er nun für ein Amt bereitsteht – bei einer Wahlniederlage der Union bliebe er in München – erntet in der CSU Respekt. „Er ist ein bundespolitisch höchst anerkannter Innen- und Sicherheitsexperte und wäre deshalb ein Zugpferd im Wahlkampf“, sagt Oberbayerns CSU-Chefin Ilse Aigner. Sicherheit und Zuwanderung werde als Thema die größte Herausforderung, erinnert Bundesminister Alexander Dobrindt: „Da vertritt Joachim Herrmann authentisch eine Linie.“ Er bekomme damit auch eine Schlüsselfunktion beim Vorhaben, die AfD aus dem Bundestag zu halten.

Nach dem Parteivorsitz greifen will Herrmann nicht. Er schlägt vor, dass Seehofer als Parteichef und Ministerpräsident über 2017 und 2018 hinaus weitermacht. „Er hat nach wie vor breite Zustimmung. Das wäre die beste Ausgangsbasis für die Bundes- und Landtagswahl“, sagt Herrmann. Der Parteivorsitz wird im November in Nürnberg neu gewählt.

Seehofer: Letzter Medizincheck sei gut verlaufen

Seehofer wird sich am Montag vor dem Parteivorstand und dann vor den Kameras erklären. In kleiner Runde sagte der 67-Jährige bereits, der letzte Medizincheck sei gut verlaufen. Auch seine Familie hat grünes Licht für eine erneute Ministerpräsidenten-Kandidatur 2018 gegeben. In der Parteiführung ist kein Widerspruch laut geworden, auch nicht in Seehofers intensiven Telefonaten mit Parteifreunden über Ostern.

Interessant wird nun nur noch die Wortwahl, mit der sich Seehofer für vorerst unverzichtbar erklärt. Die große Bühne dafür ist ihm schon gewiss. Seine Pressekonferenz am Nachmittag wird live im Fernsehen übertragen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schulz versichert Jusos: „Ich strebe keine große Koalition an“
Die SPD streitet über die große Koalition. Die Jungsozialisten sind sich in der Ablehnung der GroKo einig. Parteichef Martin Schulz verteidigt Gespräche mit der …
Schulz versichert Jusos: „Ich strebe keine große Koalition an“
Schulz: SPD muss sich fürs Scherben aufkehren beschimpfen lassen
Noch immer streiten die Parteien, wer der Schuldige für das Scheitern von Jamaika ist - unterdessen könnte eine bereits abgeschriebene Lösung wieder aktuell werden. Alle …
Schulz: SPD muss sich fürs Scherben aufkehren beschimpfen lassen
Seehofer in der Kritik: „Wir sind keine Oligarchen-Partei“
Am Tag nach Seehofers Rückzugs-Wirrwarr setzt das Murren in der CSU ein. Geht’s ihm um die friedliche Lösung – oder um Zeitgewinn? Die Fraktion will nächste Woche …
Seehofer in der Kritik: „Wir sind keine Oligarchen-Partei“
Grünen-Chef Özdemir verrät, wen er gern als seinen Nachfolger hätte
Vor dem Parteitag der Grünen hat der Parteivorsitzende Cem Özdemir mögliche Kandidaten für seine Nachfolge benannt. Einen hat er dabei besonders im Blick.
Grünen-Chef Özdemir verrät, wen er gern als seinen Nachfolger hätte

Kommentare