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Katrin Albsteiger, JU-Chefin, kandidiert für den ersten guten Listenplatz .

Anonyme Stänker-Briefe

CSU: Schlammschlacht um die Listenplätze

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München - In der CSU geht es richtig rund: Eine Kampfabstimmung und anonyme Bosheiten senken die Laune vor der Listenaufstellung für den Bundestag.

Man trifft sich im Saal 13 der Münchner Messe. Der Raum ließe sich schalldicht teilen, bietet zudem mehrere diskrete Neben- und Hinterzimmer. Für das Vorhaben am Samstag ist er optimal: Die CSU stellt in Saal 13 ihre Liste für den Bundestag auf, der Diskussionsbedarf in Grüppchen und Zirkeln scheint enorm zu sein.

Kein Wunder, denn der Wettlauf auf die Liste schlägt in Teilen der Partei in eine Schlammschlacht um. Oder, wie CSU-Chef Horst Seehofer zu sagen pflegt: Schmutzeleien. Mit indiskreten Hinweisen übereinander und anonymen E-Mails an Redaktionen diskreditieren sich Kandidatengruppen.

Tatsächlich geht es am Samstag für etliche Teilnehmer um die Karriere. Eine Grobheit des Wahlrechts macht das Treffen so wichtig: Wenn die Parteien einmal ihre bayernweiten Listen gereiht haben, kann der Wähler nichts mehr umgruppieren.

Dabei zittern nicht die vier Dutzend Kandidaten mit Direktmandat – sie schaffen es meist eh ins Parlament. Spannend wird es auf den sogenannten Netto-Plätzen: also für die Kandidaten ohne eigenen Wahlkreis. Wie viele von ihnen es ins Parlament schaffen, ist kaum kalkulierbar, Spekulationen reichen von einem bis sieben. Umso verbissener wird im Vorfeld gekämpft. Insbesondere bei den jungen Bewerbern rummst es: Die Vorsitzende der Jungen Union, Katrin Albsteiger, steht intern unter Druck. Sie hatte sich kurzfristig für eine Bundestags-Kandidatur umentschieden, kämpft für sich um den verlockenden Netto-Platz 1. Andere junge Kandidaten rutschten nach hinten.

In mehreren Redaktionen landen seither anonym detaillierte Berichte, wie der Partei-Nachwuchs in internen Sitzungen mit seiner Chefin abrechnete, inklusive Abwahl-Drohung. DerJU-Vorstand zwang Albsteiger, mit der Parteispitze noch mal über alle Plätze nachzuverhandeln.

Munter intrigiert wird auch gegen Vertraute von Seehofer. Sein persönlicher Referent Martin Huber, der für den Landtag kandidiert, wurde schon vor Monaten anonym attackiert. Als Täter entpuppte sich jüngst ein anderer Landtagskandidat. Gegen Seehofers Büroleiter Reiner Meier stänkert ein anderer anonymer Schreiber, der wäre im Bundestag doch eh nur ein Versorgungsfall. Unbekannt, schwach, unerfahren seien weitere Kandidaten. Überhaupt seien zu wenig Plätze für Frauen reserviert.

„So heftig wie dieses Jahr war es noch nie“, sagen Beteiligte genervt. Wer da täglich unter Pseudonym tippt, ist nicht sicher belegt. Die JU weist es von sich. Die Frauen-Union legt für ihre Kandidatinnen die Hand ins Feuer: „Frauen setzen sich durch Qualität durch, nicht durch Machenschaften“, sagt FU-Chefin Angelika Niebler.

Trotzdem kommt in die Liste noch mal Bewegung. Generalsekretär Alexander Dobrindt versucht seit Sonntag in etlichen Telefonaten, alle Seiten zu befrieden. „Wir gehen gut vorbereitet in die Aufstellungsversammlung“, sagt er, „ich sehe große Zustimmung zu den Vorschlägen.“ Samstagfrüh startet die letzte Sondierung. Aktuell ist eine Kampfabstimmung um die Netto-Plätze 1 und 2 (Albsteiger gegen FU-Kandidatin Barbara Lanzinger) geplant; gefolgt von einem Block aus je einem Kandidaten von Senioren, JU, FU, Vertriebenen, CSA und Landwirten. Die Plätze 9 bis 12 sollen dann für Frauen reserviert werden.  

cd

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