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Hier im Wildbad Kreuth sind die Herzöge die Hausherren, nicht die CSU. Und das lassen sie die Partei gerade spüren. dpa

Schon wieder ein Putsch

Der CSU droht der Rauswurf aus Kreuth

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Wildbad Kreuth - Nie mehr Kreuth? Die CSU droht nach vier Jahrzehnten ihr großes Tagungszentrum im Süden des Tegernsees zu verlieren, weil die Mietkosten dort explodieren. Für die Partei und die Hanns-Seidel-Stiftung wäre das ein Einschnitt.

Sie haben im Bierkeller gemauschelt, in der Sauna gekungelt, in den Sälen gepoltert und geputscht. Dass sie hier mal rausfliegen, hätten die Christsozialen nie gedacht. Sie fühlten sich immer als Hausherren im schönen Wildbad Kreuth, luden dort jeden Winter zum Januar-Spektakel mit Pressemeute und Hubschrauber-Landung im planierten Schnee.

Womöglich müssen sie Anfang 2016 Abschied nehmen vom Ort, wo sie den Trennungsbeschluss verkündeten (1976) und Stoiber stürzten (2007). Im März läuft der Mietvertrag aus. Nach Informationen unserer Zeitung wollen die Eigentümer, die Herzöge des Hauses Wittelsbach, die Miete drastisch erhöhen: von 84 000 Euro pro Jahr – ein Schnäppchen – auf 630 000 Euro, weiterhin plus Gebäudeunterhalt, der eine unbekannte, aber hohe Summe verschlingt. Das könne man sich keinesfalls mehr leisten, heißt es in der CSU.

In einer Vorstandssitzung der Hanns-Seidel-Stiftung – sie ist der Mieter – wurde das Problem beraten. Es habe Einigkeit gegeben, dass man sich hier nicht auf ein finanzielles Abenteuer einlassen dürfe, berichten Teilnehmer der Runde. Man habe „gefasst“ reagiert, aber betroffen. Immerhin ist für die Partei Kreuth eine Marke, ein Ort mit seltsamer Anziehung. Sind die Tagungen in manchen Jahren auch noch so langweilig, übertragen doch jeden Januar die TV-Sender verlässlich bundesweit jeden Pieps aus dem Schnee. Kreuth verlassen zu müssen, sei eine schwerwiegendere Entscheidung als der Umzug der Parteizentrale, wird CSU-Chef Horst Seehofer zitiert.

Die Verhandlungen mit dem Hause Wittelsbach sollen weitergehen, noch ist eine Einigung möglich. Allerdings ist das Verhältnis gespannt. In der CSU wird über die Motive der drastischen Erhöhung nachgedacht. Solle man rausgeekelt werden, mutmaßt einer aus der Runde. Womöglich solle ein Investor aus dem biederen Kreuth – die Zimmer karg, die Haustechnik alt – dann ein schickes Rückzugsareal für Gutbetuchte machen. Landschaftlich liegt das ehemalige Wildbad und Sanatorium ja sehr attraktiv in einem Seitental.

Für Stiftungs-Chefin Ursula Männle wäre das unschön. Sie hat allerdings mehrfach die Entschlossenheit erkennen lassen, pragmatisch Probleme bei der Stiftung anzugehen. Dazu gehört, dass der reguläre Tagungsbetrieb in Kreuth unter der Woche immer schwieriger wird – alles konzentriert sich aufs Wochenende, das ist unrentabel.

Nebenbei packt die 71-Jährige beherzt eine Verjüngung der Stiftungsgremien an. Bei der Versammlung am Nachmittag tauschte die HSS zehn Prozent ihrer Mitglieder aus. In dem auf 40 Teilnehmer gedeckelten Zirkel, in dem sich alle grauen und ergrauten Eminenzen der CSU versammeln, dürfen nun Jungspunde von teils gerade mal 40 Jahren einziehen – darunter die Abgeordneten Markus Blume und Kerstin Schreyer-Stäblein, Minister Gerd Müller und die TU-Professorin Isabell Welpe. Dass sie mal die erste Generation ohne Kreuth werden könnten, hätten sie wohl auch nicht gedacht.

Christian Deutschländer

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