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Applaus gegen den CSU-Ärger: Edmund Stoiber, Horst Seehofer, Alexander Dobrindt.

Seehofer zum Spitzenkandidat gekürt

Die CSU feiert die Krise weg

München - Kommando: Jubeln. In der schwersten Krise der letzten Jahre trifft sich die CSU, um ihren Chef zum Spitzenkandidaten hochzufeiern. Bei Freibier mag die Seehofer-Partei einen Abend die Job-Affäre vergessen.

Er grüßt mit der Faust. Es ist auch nicht die Zeit für Winken und Tätscheln. Horst Seehofer reckt die Faust ins Publikum, ein stummes Signal: Hier wird gekämpft. Mit einer Portion Trotz stimmt der Parteichef beim Einmarsch die CSU auf einen Abend ein, auf den mancher Parteifreund spontan gerne verzichtet hätte. Ein Jubel-Konvent vor der Landtagswahl, gerade jetzt, mitten in der großen Abgeordneten-Krise, nach ein paar Rücktritten – au weia.

Seehofers Faust gibt den Takt vor: Feiern, zefix. Gut 1000 Parteifreunde hat die CSU am Freitagabend in den Münchner Postpalast gepackt, viel Basis jenseits der üblichen Großkopferten. Sie sollen Seehofer offiziell zum Landtags-Spitzenkandidaten küren, eine formal unnötige, aber prestigeträchtig geplante Veranstaltung.

Ausgedacht war das als völlig neues Format in einer Zeit, als die Partei noch gute Laune hatte. Der Generalsekretär hatte sich ein paar Ideen aus Amerika geholt, ein bisserl Bayern-Obama mit Tribünen im Halbrund, ein Stück Best- of CSU mit jubelnden JUlern im „Hier ist die Zukunft dahoam“-T-Shirt. Von der Riesen-Leinwand flimmern bayerische Erfolgsgeschichten glücklicher, tüchtiger Menschen. Unternehmer sind dabei, Studenten, Handwerker. Sogar der Kinderarzt, der den Enkeln von Strauß, Waigel und Stoiber auf die Welt half, preist im Live-Interview die weißblaue Heimat.

Natürlich wabert aber die Affäre der Selbstbediener durch die Halle. Als Ablenkungstherapie fährt die CSU alle ihre verfügbaren Promis auf. „Jetzt erst recht“, raunt Hoffnungsträgerin Ilse Aigner im Publikum, ein Satz wie Seehofers Faust. Ehren-Chef Edmund Stoiber schreitet ans Pult, setzt wie beschwörend an zu einer Zauberformel: „Du, Horst Seehofer, sollst Ministerpräsident des Freistaats Bayern die nächsten fünf Jahre bleiben.“ Stoiber streut sogar, womit er meist sparsam umgeht – Selbstironie ein. „Ein paar Anmerkungen“, sagt er, es dauere auch nur „zeeehn Minuten, die Zahl verfolgt mich ja seit einer gewissen Rede“. Auch zentrale Sätze seiner zehn Minuten, aus denen 20 werden, widmen sich den heiklen Familienunternehmungen im Parlament. „Manchmal gibt es in der eigenen Partei etwas zu korrigieren“, sagt er in das plötzlich mucksmäuschenstille Rund: „Dann muss man handeln. Horst Seehofer geht einen konsequenten Weg.“

Konsequent – das ist auch das Wort, mit dem Seehofer in seiner Rede die Krise antippt. Konsequent werde er „reinen Tisch“ machen. Einmischungen von der SPD aber verbittet er sich: „Schlittenfahren lassen wir mit uns nicht, liebe Freunde.“ Wie befreit klatscht da die Basis.

Seehofer präsentiert sich dem Parteikonvent als Kümmerer der „kleinen Leute“. Er verweist auf seine Herkunft („einfachste Verhältnisse“), dankt der Partei für die Chance zum Aufstieg. Die letzten fünf Jahre, sagt er, seien die schwierigsten seines Lebens gewesen. Trotzdem bittet er um Fortsetzung bis 2018. Bayern, sagt er, sei das Land, und das habe schon was mit der CSU zu tun. „Wir haben dieses Land vom Armenhaus zum Powerland gemacht.“

Politiker und ihre Affären

Politiker und ihre Affären

Natürlich küren sie ihn, Formsache. Die Gäste klatschen mehr als tapfer – begeistert und nicht dank Freibier –, trotz widriger Umstände kommt phasenweise Begeisterung auf. Eine Ironie bleibt aber: Eigentlich wollte sich Seehofer schon 2012 nominieren lassen; er verschob den Termin, um näher an der Wahl dickere Schlagzeilen zu bekommen. Auf die hätte er aktuell wohl gerne verzichtet.

Von Christian Deutschländer

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