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Thomas Kreuzer steht vor einer schwierigen Sitzung der CSU-Fraktion.

Sitzung am Mittwoch

CSU-Fraktion: Zwischen Zoff und Zwergenaufstand

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München –Die etwas längliche Sitzung war schon fast vorbei, da meldeten sich ein paar junge Abgeordnete zu Wort und beendeten die Harmlosigkeit.

Über die „öffentlichen Selbstgespräche“ ihres Ministerpräsidenten mokierten sich die CSUler. Sie forderten eine Erklärung ein, wie es personell weitergehe. Eine Woche ist jene Fraktionssitzung nun her, noch immer wird in der Partei munter darüber diskutiert. Folgt heute die Fortsetzung?

Am Vormittag kommt wieder die CSU-Fraktion zusammen. Horst Seehofer, der neulich fehlte, hat diesmal zugesagt. Mit Interesse wird erwartet, ob die jungen Herren aus den hinteren Reihen ihre Vorwürfe in seiner Gegenwart wiederholen. Und ob sich Seehofers Rivale Markus Söder dazu einlässt. Unter den 101 CSU-Abgeordneten wird geraunt, die Beiträge vor allem der Franken Andreas Schalk, Steffen Vogel und Michael Hofmann hätten bis in die Wortwahl sehr seiner Argumentation geähnelt. Ihr Tenor richtete sich klar gegen Seehofers Spekulationen über die künftige Aufstellung der CSU. Viele in der Fraktion hat Söder – das zeigte auch ein ZDF-Beitrag über ihn diese Woche – bereits klar auf seine Seite gebracht. Just als sie das Wort ergriffen, war er aber auch nicht im Raum.

Nervöse Abgeordnete in der CSU - ein Alarmsignal

Den Auftritt muss man nicht überbewerten, manche der unerfahrenen Parlamentarier sind vom Wirbel um ihre nichtöffentlich gesprochenen Worte selbst überrascht. In der CSU sind nervöse Abgeordnete dennoch immer ein Alarmsignal, spätestens seit den unglücklichen Tagen von Kreuth 2007, als Stoiber stürzte. Intern wird deshalb auch von Fraktionschef Thomas Kreuzer erwartet, für Ruhe zu sorgen. Kreuzer ließ den ersten Auftritt letzte Woche zunächst länger laufen, ehe er zusagte, mit Seehofer zu reden, und von weiteren Personaldebatten abriet.

Ob der Aufstand heute in sich zusammensackt, wird sich nach Seehofers politischem Bericht in der Fraktion zeigen. Kreuzer ruft seine Abgeordneten zu Disziplin auf. „Dass bei uns in der Fraktion auch kritische Fragen offen angesprochen werden, ist Ausdruck einer lebendigen und intakten Debattenkultur. Das werte ich als gutes Zeichen, auch wenn ich mir wünschen würde, dass so etwas nicht in dem Maße nach außen dringt.“ Es müsse auch nach der Sitzung heute klar sein, „dass für uns die Sorgen der Menschen und die Zukunftsfragen Bayerns im absoluten Fokus stehen“.

Seehofer selbst hat nie klar auf die Abgeordneten reagiert, aber diese Woche ein paar gezielte Sätze fallen lassen. In einem Fernsehinterview präzisierte er am Montag, er sei bereit, den Parteivorsitz abzugeben. Später, vor der Tür, ließ er noch eine spitze Bemerkung fallen für jene, die sich in der CSU Hoffnung auf andere Ämter machen. „Wenn Leute unterwegs sind und nur noch überlegen, wie man die Ernte verteilen kann, ohne dass vorher gesät wurde, gefällt mir das nicht.“

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