+
Wann bläst er zur Attacke? Markus Söder und andere Seehofer-Kritiker warten auf die passende Gelegenheit. 

Ringen um ein Datum

CSU-Führungsdebatte: Terminsuche für Revolution

  • schließen

Die CSU verschiebt ihre Führungsdebatte um ein paar Tage – zumindest die Auflösung. Weil die Jamaika-Sondierer nachsitzen, ist die explosive Sitzung der Landtagsfraktion in Münchenvorerst abgesagt.

München – Stell Dir vor, es ist Revolution, und keiner geht hin. Vor diesem Szenario, etwas übertrieben, haben derzeit einige CSU-Abgeordnete Sorge. Falls nämlich kommende Woche die Sitzung der Landtagsfraktion angesetzt wird, in der Horst Seehofer über Jamaika und über seine Zukunft reden soll, werden wesentliche Teilnehmer fehlen. Mehrere Landtagsausschüsse gehen auf Reisen – hinter den Kulissen wird nun um den Termin gerungen.

Man telefoniere seit der Absage der Sitzung am heutigen Samstag hektisch, heißt es in der CSU. Ob man den neuen Termin bitte aufs Wochenende legen könne, wenn die Haushaltspolitiker von der Inspektionsreise zu mehreren Konzertsälen zurück sind, die Innenpolitiker aus Spanien (Migrationspolitik), der Europaausschuss aus Budapest und Bratislava? Dass es „ja keine Spielchen“ geben dürfe, indem Seehofer die Abwesenheit von 20, 30 Abgeordneten für sich als Vorteil einrechne.

Nun darf man vermuten, dass Seehofer derzeit in den Berliner Jamaika-Nächten anderes im Kopf hat. Die Sitzung ist aber medial zur großen Schlacht hochgejazzt, von „Nitroglycerin“ schreibt Bild, „Auge in Auge“ die SZ. Falsch ist das nicht, denn die Fraktion ist das Gremium, das sowohl Jamaika als auch Seehofer am kritischsten sieht. Die Treffen der Abgeordneten sind schwer berechenbar. Söders Unterstützer sagen, man werde versuchen, Seehofer auf ein Bekenntnis zu einer gemeinsamen Personalplanung festzulegen. Was ein großer Schritt wäre, denn aktuell sprechen beide ja nur das Nötigste miteinander. Telefonate gibt’s nicht mehr. Gelegenheiten, um sich zu treffen, sagte Seehofer ab – etwa die letzte Kabinettssitzung, vielleicht auch die nächste. Auch seinen Auftritt bei der Eröffnung des Gesundheitsministeriums in Nürnberg am Montag (Gast: Söder) wird Seehofer sicher kurzfristig wegen Berlin streichen.

Der Fahrplan zur CSU-Krisenlösung könnte nun lauten: Ab Montag Seehofers versprochene Nachdenkphase über die künftige Aufstellung, gleichzeitig endet die Friedenspflicht in der Partei. Am Wochenende könnte dann die Fraktion tagen. Seehofer muss hier dann wohl über Personal sprechen. Die Abgeordneten legen übrigens Wert auf eine bestimmte Reihenfolge, um bei Jamaika maximal mitreden zu können, macht Ex-CSU-Chef Erwin Huber deutlich: „Die Landtagsfraktion muss Gelegenheit haben, vor der finalen Entscheidung des Parteivorstands ein Votum abzugeben.“ Das sei für die Geschlossenheit wichtig.

Lesen Sie auch: Bei Seehofer-Rückzug: Geheimplan von Ilse Aigner durchgesickert

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Trump greift mutmaßliches Opfer seines Richterkandidaten an
Die Anschuldigungen gegen den Supreme-Court-Anwärter Kavanaugh sind heftig. Eine Frau wirft ihm versuchte Vergewaltigung vor. In den vergangenen Tagen hielt sich der …
Trump greift mutmaßliches Opfer seines Richterkandidaten an
Neuverhandlung des Maaßen-Deals
Es klingt fast schon wie ein Hilferuf: "Wir haben uns geirrt." Die Causa Maaßen müsse nochmals aufgerollt werden, sagt SPD-Chefin Nahles - und hofft auf Verständnis bei …
Neuverhandlung des Maaßen-Deals
Hambacher Forst: RWE will Barrikaden entfernen - da eskaliert der Konflikt erneut
Im Hambacher Forst ist ein Journalist bei einem Sturz ums Leben gekommen. Trotzdem wird die Räumung laut RWE-Chef fortgesetzt werden. Der News-Ticker.
Hambacher Forst: RWE will Barrikaden entfernen - da eskaliert der Konflikt erneut
SPD-Aufstand gegen Nahles: OB verlässt Partei - GroKo startet „Wohnbauoffensive“ mit großem Ziel
Neuer Umfrage-Schock für die große Koalition, die AfD ist dagegen weiter im Aufwind. Protest regt sich gegen SPD-Chefin Nahles. Die GroKo verabschiedet derweil ihr …
SPD-Aufstand gegen Nahles: OB verlässt Partei - GroKo startet „Wohnbauoffensive“ mit großem Ziel

Kommentare