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„Tragödie“: Söder überrascht mit Reaktions-Spagat zu Mayer-Aus – der räumt „emotionales Streitgespräch“ ein

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Von: Florian Naumann, Anna-Katharina Ahnefeld

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Nach Eklat mit einem Journalisten: CSU-Generalsekretär Stephan Mayer ist zurückgetreten. Parteichef Markus Söder steht vor einer unerwarteten Neubesetzung.

Update vom 4. Mai, 16.50 Uhr: Als „Tragödie“ beschrieb CSU-Chef Markus Söder den Abgang seines Generalsekretärs Stephan Mayer. Auch Söder nannte gesundheitliche Probleme des Parteifreunds als Grund für das politische Aus. Im Raum stehen allerdings auch recht schwerwiegende Vorwürfe. Mayer selbst hatte kurz vor der Pressekonferenz des CSU-Vorsitzenden noch ein „sehr emotionales Streitgespräch“ mit einem Bunte-Journalisten eingeräumt. Dieser wirft Mayer vor, ihn telefonisch bedroht zu haben – in Zusammenhang mit einem Bericht über Mayers Privatleben.

Auf eine Anfrage der dpa schrieb Mayer: „Ich bestreite die konkreten Vorwürfe mit Nichtwissen. Für den Fall, dass dies zutrifft, erachte ich die Wortwahl rückwirkend als unangemessen.“ Mayer schrieb weiter, es habe „ein sehr emotionales Streitgespräch infolge der eklatant rechtswidrigen Berichterstattung“ gegeben. „So hat der Bunte-Journalist mich beispielsweise als ‚verrückt‘ bezeichnet sowie ‚dass sie schon mit anderen fertig geworden seien‘.“ Gleichzeitig kündigte Mayer nun seinerseits juristische Schritte an: Er beabsichtige, „einen gerichtlichen Schmerzensgeldanspruch gegen den Burda-Verlag aufgrund der schwerwiegenden Persönlichkeitsverletzung durch die Berichterstattung zu erheben“.

Der Anwalt des Bunte-Journalisten teilte dazu auf dpa-Anfrage mit: „Mein Mandant nimmt zur Kenntnis, dass Herr Mayer in Bezug auf ein Telefonat, an dem er selbst beteiligt war, ‚Nichtwissen‘ vorschützt.“ Mayer versuche wohlweislich nicht einmal, die Vernichtungs- und Verfolgungsdrohungen substantiiert zu bestreiten, sondern verharmlose sie als „emotionales Streitgespräch“. Der Anwalt führte weiter aus: „Tatsächlich handelte es sich um eine einseitige Tirade von Herrn Mayer, bei der ihm offensichtlich jegliche Selbstkontrolle entglitten war.“ Sein Mandant habe jedoch nicht Herrn Mayer als „verrückt“ bezeichnet, sondern die Forderung Mayers nach einer taggleichen Zahlung von 200.000 Euro durch seinen Mandanten. „Die Aussage, dass ‚sie schon mit anderen fertig geworden seien‘, wurde von meinem Mandanten zu keinem Zeitpunkt getätigt.“

CSU im Mayer-Eklat: Söder überrascht mit Reaktions-Spagat – „Es ist eine Tragödie“

Update vom 4. Mai, 10.08 Uhr: Damit ist das Statement Markus Söders auch schon wieder beendet. Der CSU-Chef hat einen rhetorisch-inhaltlichen Spagat versucht: Einerseits bemühte er sich, die Drohungen Mayers an einen Bunte-Journalisten als inakzeptabel zu verurteilen. Andererseits stellte er den Rücktritt des Generalsekretärs und Weggefährten als „Tragödie“ dar – und verwies auf gesundheitliche Probleme Mayers als Grund für den Rückzug. „Es geht ihm tatsächlich nicht gut“, sagte Söder.

Der CSU-Vorsitzende schien auch einige Fragezeichen rund um den Eklat offenlassen zu wollen. Es sei nicht zu klären, ob es ein oder mehrere Gespräche zwischen Mayer und dem Journalisten gegeben habe, sagte Söder, auch könne sich Mayer „nicht erinnern“, ob die Worte so gefallen seien. Ein Dementi zu den drastischen Vorfällen gab es gleichwohl nicht. „Ich werde Sie vernichten“, soll Mayer dem Journalisten gegenüber unter anderem gesagt haben.

Einen Nachfolger verkündete Söder ebenfalls nicht. Die Entscheidung solle „zeitnah“ fallen. Der CSU-Chef rückte vorerst vor allem seine persönliche Betroffenheit in den Fokus.

Update vom 4. Mai, 10.04 Uhr: Über die Nachfolge werde „zeitnah“ entschieden werden, sagt Söder, die CSU wolle handlungsfähig sein. Die Wortwahl Mayers sei inakzeptabel gewesen, betont der CSU-Chef, dennoch sei das „alles sehr schade“ - Söder spricht sogar von einer „Tragödie“.

Update vom 4. Mai, 10.00 Uhr: Die CSU braucht nach dem Rücktritt Stephan Mayers einen neuen Generalsekretär - und womöglich auch eine Einordnung der Ereignisse von der Parteispitze. Markus Söder ist nun diesen Minuten in München vor die Presse getreten.

„Heute ist ein bitterer Tag, ich bin auch persönlich betroffen“, sagt der CSU-Chef. Söder berichtet von einem „langen und menschlichen Gespräch“. Mayer selbst habe eindringlich um seine Entlassung als Generalsekretär gebeten - aus gesundheitlichen Gründen. „Es geht ihm tatsächlich nicht gut“, sagt Söder.

Offenkundig habe es „eines oder mehrere Gespräche gegeben“, zwischen Mayer und einem Journalisten, das lasse sich nicht genau eruieren. „Die dabei gefallenen Worte sind in keinster Weise zu akzeptieren“, sagt Söder. Das gelte, „wenn die Worte denn so gefallen sind“. Mayer selbst könne sich daran „nicht genau erinnern“.

Mayer-Rücktritt nach „Vernichten“-Eklat: Söder äußert sich jetzt selbst

Vorbericht: München – CSU-Generalsekretär Stephan Mayer ist überraschend zurückgetreten. Am Mittwochvormittag will sich nun Parteichef Markus Söder öffentlich dazu äußern. Für 10.00 Uhr ist ein Statement in der Münchner CSU-Zentrale angesetzt. Mayer hatte am Dienstagabend nach nur zwei Monaten im Amt seinen Rücktritt als Generalsekretär erklärt und dafür gesundheitliche Gründe genannt.

Zugleich räumte der 48-jährige Bundestagsabgeordnete aber eine „möglicherweise“ im Rückblick nicht angemessene Wortwahl einem Journalisten gegenüber ein – Details nannte er nicht. Ein Bunte-Journalist hatte dem CSU-Politiker zuvor vorgeworfen, ihn telefonisch bedroht zu haben. Wörtlich soll Mayer gesagt haben: „Ich werde Sie vernichten. Ich werde Sie ausfindig machen, ich verfolge Sie bis ans Ende Ihres Lebens. Ich verlange 200.000 Euro Schmerzensgeld, die müssen Sie mir noch heute überweisen.“ Das berichtete die Bild.

Mayer-Rücktritt nach „Vernichten“-Eklat: CSU-Chef Söder äußert sich zu Rücktritt seines Generalsekretärs

„Aus gesundheitlichen Gründen habe ich heute den Parteivorsitzenden der CSU gebeten, mich von meiner Aufgabe als Generalsekretär zu entbinden“, hieß es in einer von der CSU verbreiteten Erklärung Mayers. In seiner Erklärung ging der 48-Järhige auf die massiven Vorwürfe gegen ihn direkt ein: „In einem aufgrund einer eklatant rechtswidrigen Berichterstattung geführten Gespräch mit einem Journalisten der Bunten habe ich möglicherweise eine Wortwahl verwendet, die ich rückblickend nicht für angemessen betrachten würde“, schrieb Mayer. „Dies bedaure ich sehr.“

Die Bunte hatte über Mayers Privatleben berichtet. Der CSU-Politiker hatte darüber mit dem Journalisten gesprochen. Danach schaltete der Journalist Anwälte ein. Der dpa liegt ein Anwaltschreiben an Mayer wegen dessen Wortwahl vor. Der Bunte-Journalist will dem Schreiben zufolge gegen Mayer wegen Drohanrufen einen Unterlassungsanspruch geltend machen.

Markus Söder (r), CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, und Stephan Mayer, damaliger neuer designierte CSU-Generalsekretär, kommen in der Parteizentrale nach einer Sitzung des CSU-Vorstands zu einer Pressekonferenz. Mayer ist nach nur kurzer Amtszeit zurückgetreten. CSU-Generalsekretär Mayer ist nach nur kurzer Amtszeit zurückgetreten.
Markus Söder (r), CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, und Stephan Mayer, damaliger neuer designierte CSU-Generalsekretär, kommen in der Parteizentrale nach einer Sitzung des CSU-Vorstands zu einer Pressekonferenz. Mayer ist nach nur kurzer Amtszeit zurückgetreten. CSU-Generalsekretär Mayer ist nach nur kurzer Amtszeit zurückgetreten. © Sven Hoppe/dpa

Mayer war erst Ende Februar auf Vorschlag Söders zum Generalsekretär gekürt worden. Sein Vorgänger Markus Blume war im Zuge einer Kabinettsumbildung neuer Wissenschaftsminister in Bayern geworden. Nun muss Söder - und das nur eineinhalb Jahre vor der Landtagswahl, deren Kampagnenplanung zum Aufgabenfeld des Generals gehört - den Posten schon wieder neu besetzen. Unklar war, wann Söder einen Nachfolger oder ein Nachfolgerin benennen will. Es wurde aber eher nicht damit gerechnet, dass das schon am Mittwoch passiert. (dpa/aka)

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