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Können homöopathische Globuli den Einsatz von Antibiotika reduzieren? Der Landtag beschließt umstrittene Homöopathie-Studie. 

Umstrittene Homöopathie

CSU, Freie Wähler und Grüne stimmen für Globuli-Studie als Alternative für Antibiotika

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Homöopathie polarisiert. Im privaten Alltag genauso wie in der Politik, und selbst im Parlament. Der bayerische Landtag hat nun eine Homöopathie-Studie beschlossen.

  • Der bayerische Landtag hat eine umstrittene Homöopathie-Studie beschlossen.  
  • Eine medizinische Studie soll nun klären, ob durch homöopathische Mittel der Einsatz von Antibiotika reduziert werden kann.
  • Kritiker sind empört und halten das für eine Abkehr von der Wissenschaft. 

München – Homöopathie polarisiert. Im privaten Alltag genauso wie in der Politik, und selbst im Parlament. Der Landtag beschloss am Donnerstag, eine wissenschaftliche Untersuchung darüber durchführen zu lassen, ob durch homöopathische Mittel der Einsatz von Antibiotika reduziert werden kann. Zuvor wurde hitzig diskutiert.

Die umstrittene Studie hatten CSU und Freie Wähler in ihr Maßnahmenpaket gegen multiresistente Keime eingebettet. Dessen weiteren Bestandteilen – wie zum Beispiel der Verhinderung von Antibiotika-Lieferengpässen – stimmte der Landtag einstimmig zu. Doch über die Untersuchung, wurde separat abgestimmt. Beleuchtet werden soll darin, ob „ergänzend verabreichte homöopathische Präparate“ dazu beitragen können, dass weniger Antibiotika genutzt werden, und Keime somit möglicherweise nicht so schnell resistent werden.

Landtag Bayern: Opposition empört über Homöopathie-Studie 

Für die SPD-Abgeordnete Ruth Waldmann (SPD) steckt darin eine Abkehr von der Wissenschaft. Homöopathische Präparate basierten auf der „Vermutung von geistartigen Wirkungen“, die aus einer Zeit stamme, „als Bakterien und Viren noch unbekannt waren“. Es gebe bereits jede Menge Studien, die klar belegen, dass die Wirkung entsprechend überschaubar sei. Die Regierungskoalition möge es doch bitte sagen, wenn sie nun neue Erkenntnisse habe, die eine weitere Studie nötig machen. 

Waldmann ging neben CSU und Freien Wählern auch die Grünen scharf an. Die Partei, die „bei Klima-Themen immer auf die Wissenschaft verweist“, hat die umstrittene Studie im Gesundheitsausschuss unterstützt. In Waldmanns Augen „um ihre Klientel nicht zu verärgern“.

CSU, Freie Wähler und Grüne beschließen Homöopathie-Studie

Auch die FDP sieht in der Studie eine peinliche Steuerverschwendung. Das Vorhaben sei zudem „fahrlässig, weil es bereits mit der Fragestellung suggeriert, dass homöopathische Mittel wie Globuli multiresistente Keime bekämpfen könnten“, sagte Dominik Spitzer.

Eine ganz andere Wahrnehmung hat Susann Enders. „Hören Sie auf, auf die Homöopathie einzuprügeln“, forderte die Freie-Wähler-Abgeordnete. Um den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren sei es „erforderlich“, nach Alternativen zu suchen. „Wer heilt, hat Recht, ob es Ihnen passt oder nicht“.

Die CSU verteidigte ihr Vorhaben ebenfalls. „Wir dürfen nichts unversucht lassen“, betonte Bernhard Seidenath. „Wenn wir ernst nehmen, was die Menschen draußen diskutieren, tun wir gut daran, diese Studie zu machen“, sagte Klaus Holetschek. Und Gesundheitsministerin Melanie Huml betonte, es gehe ja lediglich darum, Homöopathie „on top“ ergänzend einzusetzen. Da könne man „sich sicherlich anschauen, was für Wirkungen da sind“.

In der namentlichen Abstimmung setzte sich die Koalition schließlich durch – und erhielt dabei auch Unterstützung aus der Opposition. 120 Abgeordnete votierten für die Studie, das sind acht mehr als CSU und Freie Wähler gemeinsam stellen. Dagegen stimmten 47 Abgeordnete, drei enthielten sich.

Was kostet die umstrittene Homöopathie-Studie?

Wer die umstrittene Homöopathie-Studie nun durchführen soll, ist bisher noch nicht klar. Die Kosten werden auf 300.000 bis 400.000 Euro geschätzt. 

Homöopathie-Studie: Eine hitzige Debatte fand im Plenarsaal des Landtags statt.

Sebastian Horsch

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach forderte Krankenkassen nicht mehr für Homöopathie zahlen lassen.

Globuli: Was hinter homöopathischen Arzneien steckt

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