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Leider für Pendler ein sehr gewohnter Anblick: Eine überfüllte S4 am Hauptbahnhof in München. 

Überfüllte Züge, schlechte Information

CSU hält Münchner S-Bahn regelrechtes "Sündenregister" vor

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München – Die Münchner S-Bahn wird von der Politik künftig härter angepackt. Vorgeworfen wird den Verantwortlichen unter anderem, das erwirtschaftete Geld nicht für die Verbesserung des Services für die S-Bahn-Kunden weiterzugeben. 

CSU, Freie Wähler und Grüne entschieden im Fachausschuss des Landtags, dass für den Betrieb des S-Bahn-Netzes künftig ein Bruttovertrag gilt – nicht mehr ein Nettovertrag wie bisher. Das bedeutet, dass die Deutsche Bahn, die mit derS-Bahn hohe Gewinne einfährt, ihre Überschüsse an den Freistaat abführen muss. Bisher konnte sie die Gewinne, die nach Schätzungen bei bis zu 50 Millionen Euro jährlich liegen, selbst behalten. Statt sie in die Betriebsqualität zu reinvestieren, habe die S-Bahn aber das Geld an den Mutterkonzern abgeführt, argwöhnen Bahnexperten. Die neue Regelung soll lediglich gewisse „Anreizelemente“ enthalten, damit der S-Bahn-Betrieb auch aus Sicht der Deutschen Bahn AG interessant bleibt. Der Bruttovertrag würde mit Abschluss des neuen Verkehrsdurchführungsvertrags eingeführt – frühestens ab Dezember 2017. Dann läuft der bisherige Vertrag aus.

Eigentlich steht 2017 eine Ausschreibung des gesamten S-Bahn-Netzes an. Wie unlängst bei der S-Bahn Nürnberg könnten sich auch private Bahnkonzerne, etwa die britische National Express oder die französische Transdev, für den Betrieb bewerben. Bahnpolitiker halten das jedoch für unrealistisch, weil das Münchner S-Bahn-Netz mit seinen 150 Haltestellen ungleich komplexer ist als etwa das in Nürnberg. „Das kann nur die Deutsche Bahn bewältigen“, sagt der Fürstenfeldbrucker CSU-Landtagsabgeordnete Reinhold Bocklet, der über den Bezirksverband Oberbayern seiner Partei die Initiative mit dem Bruttovertrag angestoßen hatte.

Bocklet: Fast jede Verbesserung lässt sich die Bahn vom Freistaat extra vergüten

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die dem Innenministerium unterstellt ist, steht dem Vernehmen nach unmittelbar vor einer Entscheidung über die Zukunft des S-Bahn-Netzes. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Vertrag mit der Deutschen Bahn zunächst ohne reguläre Ausschreibung so lange verlängert wird, bis der zweite Stammstreckentunnel fertig ist – nach derzeitiger Rechnung also im Jahr 2025. Erst danach werden die Karten neu gemischt.

Bocklet ärgert sich über die S-Bahn schon lange und listet in einer Mitteilung ein regelrechtes Sündenregister auf. Die DB sei schwerfällig und habe „sichtbare Akquisitionsanstrengungen nicht wie gewünscht unternommen“, kritisiert er. „Fast jede Verbesserung“ lasse sich die DB vom Freistaat extra vergüten. Die Zahl der Fahrzeuge und auch der „Behängungsgrad“ wurden jahrelang nicht erhöht, heißt es weiter. Und bei Betriebsstörungen versage die Bahn „regelmäßig“ bei den Kundeninformationen.

Trotzdem sei die Zahl der S-Bahn-Nutzer kontinuierlich gewachsen. Bocklet führt das aber auf das Bevölkerungswachstum im Raum München, nicht auf die steigende Attraktivität der S-Bahn zurück. Es gebe aus Sicht des Steuerzahlers keinen Grund, die Gewinne der Münchner S-Bahn weiterhin dem DB-Konzern zu überlassen. Stattdessen solle das Geld vom Staat für den Bau von Infrastruktur verwendet werden. 

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