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Ein Bild aus besseren Zeiten: Seehofer und Merkel mit Landesgruppenchefin Hasselfeldt.

Das Strategie-Team der CSU trifft sich

Auf der Suche nach der Strategie gegen die AfD

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München - Mitten in der ungelösten Flüchtlingsfrage beginnt die CSU am Montag, sich auf die nächsten Wahlen vorzubereiten. Das Strategieteam von Horst Seehofer kümmert sich offiziell erst einmal um Formalien – tatsächlich geht es aber um äußerst heikle Fragen.

Es ist eine Runde, über die Horst Seehofer am liebsten gar nichts in der Zeitung lesen würde. Am Montag Mittag trifft sich in München erstmals das CSU-Strategieteam für die nächsten beiden Wahlen. Der Parteichef hat das Team sorgfältig zusammengestellt. Er müsse „blind“ davon ausgehen können, „dass alle Mitglieder das Wasser halten können“, sagte er vor ein paar Monaten. Vorbild ist ein kleiner Kreis, den einst Franz Josef Strauß um sich scharte und dem der junge Abgeordnete Seehofer ein paar Mal angehören durfte. Strauß wollte hier die Partei auf seine großen Linien einschwören – und nicht zuletzt die eigene Macht absichern. Vermutlich auch deshalb fehlt bei der Neuauflage ausgerechnet derjenige, den inzwischen die meisten in der CSU für Seehofers Nachfolger halten: Markus Söder.

Keine Denkverbote mehr in der CSU-Zentrale

Es ist ein ungewöhnliches Konstrukt, das auch vor ungewöhnlichen Gedankenspielen nicht zurückschrecken soll. Verunsichert wie selten stellt sich die CSU aktuell die Frage, wie sie den Aufstieg der AfD verhindern kann. „Wenn die sich erst einmal etabliert hat, wird sie auch für charismatischere Köpfe interessant werden“, unkt einer. Die CSU, die sich bundesweit vor allem als Rechtsausleger der Union profiliert, droht in Berlin durch die AfD mittelfristig ihre Position zu verlieren. Und in Bayern die absolute Mehrheit. Damit stünde auch Seehofers Lebenswerk auf dem Spiel.

In der CSU-Zentrale gibt es deshalb keine Denkverbote mehr. Seit Wochen wird hinter vorgehaltener Hand darüber diskutiert, ob die Partei gut beraten wäre, noch einmal mit einer Kanzlerkandidatin Angela Merkel in die nächste Wahl zu ziehen, wenn sie ihre Position nicht grundlegend ändert. Seehofer selbst gießt nun kurz vor dem ersten Strategietreffen Öl ins Feuer der Spekulationen, wenn er im „Spiegel“-Interview die entsprechende Frage vielsagend offen lässt. „Nächste Frage“, sagt er nur.

Die Antwort ist auch alles andere als leicht. Es fehlt ohnehin die Alternative: Ein eigener Kanzlerkandidat gilt sogar in der CSU als vermessen. Wolfgang Schäuble halten viele höchstens für eine Übergangslösung – bis zur Wahl. Aber dann? Der Name Friedrich Merz fällt gelegentlich. Doch der verdient bei der internationalen Kanzlei Mayer Brown inzwischen gutes Geld.

Auch Karl-Theodor zu Guttenberg soll künftig beraten

Am Tisch sitzen am Montag neben Seehofer vor allem seine fünf Stellvertreter, der Generalsekretär sowie die Fraktionschefs. Künftig sollen weitere Berater hinzugezogen werden, Karl-Theodor zu Guttenberg beispielsweise. Offiziell geht es beim ersten Treffen zunächst um Terminfragen. Wann werden die Direktkandidaten in den Wahlkreisen aufgestellt (dieses Jahr)? Wann soll die Liste folgen (Anfang 2017)? Brisanter wird es schon bei den Details zur Neuauflage des „Bayernplans“, der zumindest in Teilen auf dem Parteitag im November beschlossen werden soll. Seehofer will neue Themen finden, die über die Flüchtlingsfrage hinaus gehen. Wie berichtet gibt es zudem Überlegungen, erstmals von einem gemeinsamen Wahlprogramm mit der CDU abzusehen. 2013 hatte man noch einen Spagat geschafft: Hier der Bayernplan, dort das Wahlprogramm. Müsste dieses jetzt verfasst werden, so heißt es, gebe es aber zu viele Differenzen zur CDU.

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